„Die Zinssätze, die wir verändert haben, sind für Banken, nicht für die Leute.“ Mario Draghi bei der Einführung der Negativzinsen durch die EZB.

Sparkasse KölnBonn macht den Anfang

Im Januar hatte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) noch versichert: „Es gibt keine Sparkasse in Deutschland, die bislang von Privatkunden Verwahrentgelte nimmt.“ Nur zwei Monate später gibt nun die Sparkasse KölnBonn bekannt, dass sie künftig auch von Privatkunden mit sehr großen Einlagen Negativzinsen verlangt. Eine überraschende Wendung, nachdem bisher stets auf den öffentlichen Auftrag und die Tradition als für die Sparer und das Sparen gegründete Institutionen verwiesen wurde.

Die ersten Volksbanken kündigten letztes Jahr an, dass sie als Reaktion auf den negativen Einlagenzins für Banken der Europäischen Zentralbank in Höhe von 0,4 Prozent auch von Privatkunden negative Zinsen auf Einlagen verlangen. Da beteuerte der Sparkassenverband noch: „Sparkassen tun alles in ihrer Macht stehende, um Strafzinsen auf Sparer zu verhindern. Das bleibt auch so.“ Davon rückt KölnBonn nun ab. Der Fokus liegt vor allem auf institutionellen Anlegern, gewerblichen Kunden und sehr vermögenden Privatkunden mit Einlagen in einer Höhe von mehreren Millionen Euro.

„Deshalb werden wir alles tun, um die privaten Sparer vor Negativzinsen zu schützen – in Teilen auch zu Lasten der eigenen Ertragslage.“ Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon im vergangenen Jahr auf dem Sparkassentag in Düsseldorf.

Negativzinsen trotz Millionen-Gewinn

Warum sind die Negativzinsen gerade jetzt nötig? Die zweitgrößte Sparkasse in Deutschland verbucht für das Jahr 2016 zwar zurückgehende Gewinne. Das Ergebnis fällt dennoch besser aus als erwartet: 70 Millionen Euro Gewinn vermeldete die Sparkasse Köln-Bonn in ihrem Geschäftsbericht. Im Vorjahr standen hierbei noch 100,8 Millionen Euro zu Buche. Mit einem Bilanzgewinn von 13,2 Millionen Euro, der zur Erhöhung des Eigenkapitals verwendet wird.

Fest steht: Nach der Sparkasse KölnBonn werden weitere Häuser nachziehen. Die Sparkasse Hamburg (Haspa) hat bereits feste Pläne: „Wir beginnen mit sehr vermögenden Privatkunden individuelle Gespräche über alternative Anlagemöglichkeiten zu führen“, so Stefanie von Carlsburg, Sprecherin der Haspa. „Wir werden aber alles daran setzen, Negativzinsen auf Spareinlagen im breiten Privatkundengeschäft so lange wie möglich zu vermeiden.“

Auch das Münchner Kreditinstitut hat angekündigt, dass es nachziehen wird, wenn die erste Sparkasse Negativzinsen einführt: „Sobald der erste große Marktteilnehmer Negativzinsen für Privatkunden erhebt, werden auch wir gezwungen sein nachzuziehen“, kündigte Stadtsparkassen-Chef Ralf Fleischer an. Und so schnell wird aus dem stets beteuerten „Negativzinsen vermeiden“ folgende Formulierung im Geschäftsbericht der Sparkasse KölnBonn:

„Wir wollen auch weiterhin alles daran setzen, Negativzinsen bzw. Verwahrentgelte von der großen Mehrheit unserer Kunden fernzuhalten“, sagte Grzesiek. Zwar könne man nicht unabhängig von der Marktsituation handeln und erhebe ein Verwahrentgelt derzeit für einige größere Einlagen im Millionenbereich, insbesondere von institutionellen Kunden. Dies gelte jedoch nicht für den überwiegenden Teil der Kundschaft. (Anm.: Artur Grzesiek, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse KölnBonn)

Titelbild: von ZH2010 – NewFinance,  Video: Sparkasse / YouTube

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