Die österreichische Schokoladenmanufaktur Zotter steht nunmehr seit über einem Jahrzehnt für erfolgreiches nachhaltiges Unternehmertum. Der internationale Konzern, der klimafreundlich produziert und vertreibt, erwirtschaftete im letzten Geschäftsjahr 22 Millionen Euro. Zotter ist ein Paradebeispiel dafür, wie ethisches Wirtschaften mit Blick auf die Zukunft gestaltet werden kann.

Gesamtheitliches Konzept

Nachhaltigkeit im Produktionsprozess beginnt bei der Energieversorgung. Zotter betreibt neben dem Hauptschokoladenwerk einen energetisch komplett autarken „essbaren Tierpark“. Eine Photovoltaikanlage erzeugt 100.000 Kilowattstunden, deren Überschüsse in das Werk fließen. Die restlichen 40 Prozent für die Manufaktur werden von einem regionalen Ökostrombetreiber eingespeist. Darüber hinaus hat das Unternehmen eine eigene Warmwasserversorgung, versorgt die Mitarbeiter kostenlos mit eigenem Bio-Essen und verzichtet auf Plastik. Selbst überschüssiger Biomüll wird im hauseigenen Dampfkraftwerk wieder in Wärme umgewandelt.

Hinter jedem Unternehmen steckt ein Unternehmer

Verantwortlich für die nachhaltige Geschäftsphilosophie ist Josef Zotter und seit wenigen Jahren auch seine Tochter Julia. Der Entrepreneur ist privat Selbstversorger, kommt jeden Morgen mit seinem Opel Ampera zur Arbeit und ermöglichte seiner Tochter 2014 die Gründung eines ökologischen Schoko-Start-Ups in China. Die starke eigene Überzeugung hebt Zotter ab von anderen Unternehmern, die Nachhaltigkeit eher als PR-Stunt einsetzen.

Lorbeeren für Investitionen

Der Erfolg gibt ihm Recht; mit 646 Tonnen produzierter Schokolade und 4.000 Vertriebsstellen weltweit, hat sich der Konzern nicht nur in der österreichischen Unternehmenslandschaft fest etabliert. Zusätzlich zum wirtschaftlichen Erfolg, gewinnen das Geschäftskonzept und der Mensch im Hintergrund konstant Preise und Auszeichnungen. Darunter der Trigos-Preis für Unternehmen mit Verantwortung, die EMAS-Zertifizierung, eine Nominierung für den European Business Award in der Kategorie Nachhaltigkeit, das Prädikat „hervorragend“ des Greenpeace-Marktchecks, sowie eine Auszeichnung als Klimabündnis-Partner.

Ohne Zipp und Zapp

Trotz der beachtlichen Leistungen, beim genaueren Hinsehen wird deutlich, dass Zotter sich nicht auf schönen Preisen ausruht. Konstant arbeitet er ohne Schnörkel daran, seine Marke ökologischer und damit zukunftsfähiger zu gestalten. Mit seiner Überzeugung eckt er auch an: Unlängst kritisierte er das weltweit anerkannte Fairtraide-Logo und ließ sich kurzerhand sein eigenes Gütesiegel patentieren.

Bean-to-Bar-Linie

Mit der Bean-to-Bar-Linie ist Zotter nun einer der ganz wenigen Chocolatiers weltweit, die alle Herstellungsprozesse im eigenen Haus haben. Alles andere bezeichnet er als „Beschiss am Kunden“.

Schritt um Schritt zur Nachhaltigkeit

Auch die Unternehmensgeschichte lässt bereits vermuten, dass der Weg zur grünen Vorzeigemarke nicht immer nur geradeaus ging. Langsam und mühsam wurde aus der ursprünglichen Konditorei die heutige Manufaktur. Wie bei allen Pionieren, erhielt auch Zotter anfänglich starken Gegenwind. Und auch weiterhin gibt es Hürden und Herausforderungen. Auf der Unternehmensseite heißt es:

„Durch die Umstellung von Hochglanz auf Natur-Papier ist tatsächlich der Umsatz eingebrochen, wir haben es trotzdem durchgezogen, bis sich alles wieder normalisiert hat.“

Der Entrepreneur lässt sich jedoch nicht beirren. Um seinen Betrieb vollständig nachhaltig zu gestalten, braucht es wohl selbst heute noch eine Prise Mut und vor allem einen starken Willen. Zotter zeigt jedoch eindrucksvoll, dass es funktioniert und auch wie eine solche Vision in der Realität aussehen kann.

Titelbild und Beitragsbilder: © Zotter

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