Endlich selber Chef sein: Die unternehmerische Selbstständigkeit bietet Freiheit und die Verwirklichung der eigenen Ideen. Eine rege Gründerkultur hat viele positive Auswirkungen auf die Wirtschaft, nicht nur was die Leistungsfähigkeit der Gesamtwirtschaft und Arbeitsplätze angeht. Gründer bringen Bewegung auf dem Markt. Die neuen Unternehmen stehen in Konkurrenz zu den alten Firmen und regen durch ihre innovativen Projekte auch in etablierten Branchen Veränderung an. Doch die Zahl der Gründer in Deutschland ist laut dem aktuellen Gründungsmonitor der KfW-Bankengruppe rückläufig – was allerdings dennoch kein schlechtes Zeichen ist.

Weniger Gründer als im Vorjahr

Die Gründerquote 2016 insgesamt ist im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent auf 763 000 Personen gesunken. Damit setzt sich ein Abwärtstrend fort, der bereits seit 2005/06 zu beobachten ist. Die Ursache dafür ist jedoch erfreulich: die anhaltend gute Situation auf dem Arbeitsmarkt. Die Erwerbslosenquote in Deutschland sank zuletzt auf 4,2%. Dadurch sinkt vor allem die Zahl der Notgründer, also der Menschen, die aufgrund mangelnder Jobalternativen ein Unternehmen gründen. Sie sank um 28% auf 207 000, nur 10% der Gründer waren vor der Unternehmensgründung arbeitslos – ein historisches Tief.

Mehr Gründer aus Innovationslust

Die Chancengründer, die eine explizite Geschäftsidee umsetzen wollen, machen inzwischen die Hälfte der Gründer aus. Ein leichter Anstieg von 6% ist im Bereich der innovativen Gründer zu beobachten, die Neuheiten auf den Markt bringen und damit den technologischen Fortschritt und den strukturellen Wandel vorantreiben. Der Anteil von Gründerinnen ist auf einem Rekordhoch von 43%, wobei Frauen häufiger nur zum Nebenerwerb gründen als Männer. Auch die Zahl der Akademiker unter den Gründern ist mit 32% so hoch wie noch nie.

Jeder fünfte ist digitaler Gründer

Erstmals hat die Studie auch die Zahl der digitalen Gründer erfasst. Jeder fünfte gibt an, dass seine Kunden sein Angebot nur durch digitale Technologien nutzen können. Zu den digitalen Gründern gehören App-Anbieter, Betreiber von Webportalen und Webhosting-Diensten genauso wie Onlinehändler oder Gründer, die Produkte auf Online-Marktplätzen anbieten. Durch die vielen digitalen Gründer macht sich auch die Globalisierung unter den Gründern stärker bemerkbar: Jeder fünfte innovative oder digitale Gründer zielt auf den Weltmarkt.

Bessere Finanzierungsmöglichkeiten

Trotz der rückläufigen Zahlen hat sich die Situation für Gründer gebessert, gerade was die Finanzierung angeht. Nur noch 15% der Gründer haben Finanzschwierigkeiten (statt 20% wie im Vorjahr), obwohl Gründer es deutlich schwerer als etablierte Unternehmen haben, sich zu finanzieren. Zwei Drittel finanzieren sich aus Eigenmitteln, nur 23% durch Fremdfinanzierung wie Venture-Kapital-Firmen, Business Angels oder Kreditinstitute. „Das Gründungsgeschehen hat an Quantität verloren, aber strukturell an Qualität gewonnen“, bilanziert Chefvolkswirt der KfW Jörg Zeuner.

Titelbild: © Tamara Kulikova

 

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