Umsichtige Autofahrer können bei Schadensfreiheit seit neuestem nicht nur durch Beitragsrückzahlungen bei Friendsurance punkten. Auch die ersten Telematik-Tarife sind auf dem Markt und versprechen lohnenswerte Beitragseinsparungen von bis zu 40 Prozent, sofern das Fahrverhalten positiv eingestuft werden kann. Das große ABER: Telematik steht nun mal nicht nur für verlockende Prämien, sondern vor allem für Überwachung beim Autofahren. Das treibt Datenschützer schon jetzt auf die Barrikaden.

Ein guter und somit umsichtiger Autofahrer erhielt bislang kaum Anerkennung dafür, dass er ein Jahr lang schadensfrei geblieben ist. Die neuen Telematik-Tarife sollen das ändern. Hier werden die Fahrten des Fahreres aufgezeichnet, um die Höhe der Kfz-Versicherung nach dem individuellen Fahrstil des Versicherten richten zu können.

Bislang werden sechs Telematik-Tarife von verschiedenen Anbietern angepriesen. Generell kann zwischen 10 und 40 Prozent gespart werden. Auch das Alter des versicherten Fahrers spielt eine Rolle.

Weitere Besonderheiten:

Bei dem “VHV Telematik-Garant” wird für den Telematik-Stecker mit integriertem Diebstahlschutz eine monatliche Gebühr von 6,99 Euro fällig.

Der “Mercedes Benz Bank Pay how you drive”-Tarif verfügt dagegen bereits über eine fest eingebaute “Telematic Control Unit”, die vom Fahrer selbst über das Mercedes-Kundenportal aktiviert werden muss, sofern er es wünscht.

Der “Axa-Drive-Check” grenzt sich von seinen Konkurrenten ab, da dieser das Fahrverhalten nicht dauerhaft, sondern einmalig zwölf Wochen lang prüft.

Der Tarif “Sijox AppDrive” ist speziell für rasante Fahrer verlockend, denn hier wird keine Geschwindigkeit und auch keine Position des Fahrzeugs aufgezeichnet. Der Fahrer kann entscheiden, wann er diesen Zeitraum wählt.

Die “AdmiralDirekt Telematik Spar-Option” bietet einen besonderen Schutz gegen Diebstahl. Dazu wurde in das Telematik-Modul ein Notrufknopf integriert, der im Falle eines Unfalls oder bei einem Diebstahl durch eine App aktiviert wird. Der Fahrer würde dann per SMS informiert.

Der “Allianz BonusDrive” ist der neueste Tarif und kann erst seit dem 28. April abgeschlossen werden.

Was bedeutet defensiver Fahrstil?

Damit sich ein Abschluss eines solchen Tarifes überhaupt lohnt, sollte sich der Versicherte klar darüber sein, was sich die Anbieter unter defensivem Fahren vorstellen. Denn wird plötzlich wegen eines Rehs scharf gebremst, liegt natürlich längst kein Fehler bei dem Versicherten vor und dennoch wird das rasche Bremsen grundlegend negativ bewertet. Auch schnelles Fahren auf der Autobahn zum Beispiel – selbst ohne Geschwindigkeitsbegrenzung – könnte sich bereits negativ auf die Bewertung auswirken. So zieht die AdmiralDirekt bei Geschwindigkeiten über 160 Kilometer pro Stunde einen Punkt ab.

Wer bei der Bewertung schlecht abschneidet, muss nachher nicht mehr zahlen – kriegt aber möglicherweise auch keinen Bonus.

Was wird noch überwacht?

Einige Versicherer erfassen auch die Uhrzeit, die Wetterverhältnisse und die Straßenart. Schließlich birgt eine Nachtfahrt auf einer verlassenen Landstraße ein höheres Schadensrisiko als eine ebenmäßige Straße bei Tag. Außerdem wird von den meisten Anbietern die gesamte Route aufgezeichnet. Was sich positiv auf die Bewertung auswirken soll, trägt allerdings auch zu einer noch größeren Überwachung der Privatsphäre bei. Der Fahrer selbst kann seine Daten via App oder Webportal abrufen. Eine schlechte Bewertung bedeutet übrigens nicht, dass sich der Beitrag erhöht, sondern dass der Bonus – für den man die Überwachung schließlich in Kauf nimmt – ganz wegfallen kann.

Richtlinien für den Datenschutz

Datenschützer wie die Datenschutzbehörde NRW bemängelt in ihrem Bericht 2015, dass die gesammelten Daten für ein ausführliches Bewegungsprofil genutzt werden könnten. Aus dem Bericht gehen unter anderem folgende Richtlinien hervor:

  • Auch bei einer vertraglich vereinbarten oder von einer Einwilligung getragenen Datenübermittlung an den Hersteller oder sonstige Diensteanbieter sind Fahrerinnen und Fahrer sowie Halterinnen und Halter technisch und rechtlich in die Lage zu versetzen, Datenübermittlungen zu erkennen, zu kontrollieren und ggf. zu unterbinden. Zudem muss Wahlfreiheit für datenschutzfreundliche Systemeinstellungen und die umfangreiche Möglichkeit zum Löschen eingeräumt werden.
  • Schließlich muss durch geeignete technische und organisatorische Maßnahmen Datensicherheit und integrität gewährleistet sein. Dies gilt insbesondere für die Datenkommunikation aus Fahrzeugen heraus.

Um dem Datenschutzmissbrauch vorzubeugen, haben Versicherungen keinen direkten Zugriff auf die einzelnen Fahrdaten, wie zum Beispiel eine konkrete Geschwindigkeitsübertretung. Das Fahrverhalten wird auf einem speziellen Server gespeichert, das dort in sogenannte Scores umgerechnet wird. Und nur diese Infos sind dann für die Versicherer einsehbar. Kritisch wird es dann, wenn der Server gehackt wird. Um noch mehr Sicherheit zu gewährleisten, müssen alle Auswertungen verschlüsselt werden und dienen dann zur Prämienberechnung, nicht aber für die Schadenregulierung.

Telematik nicht immer günstiger!

Bevor der passende Tarif gewählt wird, sollte abgewogen werden, ob eine andere Versicherungsart nicht vielleicht doch sinnvoller wäre. Besteht nur ein kleiner Vorteil, stellt sich die Frage, ob das Geld oder doch die Überwachung das größere Übel ist.

Titelbild: © lassedesignen

 

 

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