Hunderte, manchmal Tausende Euro Zuzahlung kostet Eltern die kieferorthopädische Behandlung ihrer Kinder. Oft ein Dilemma: Das Kind soll die beste Behandlung bekommen, aber die Kassen übernehmen nur einen Teil der Kosten. Gerade wenn es um die Wahl der Zahnspange oder Brackets geht, ist es schwierig zu entscheiden, was notwendig und was Luxus ist. Wer optimale Versorgung zum bestmöglichen Preis will, der stößt auf widersprüchliche Informationen und streitende Experten. Wann reicht die Kassenleistung, wann ist es empfehlenswert draufzulegen?

Teurere Lösungen effektiver?

„Wirtschaftlich, ausreichend und zweckmäßig“ soll die Therapie sein, die die Krankenkasse finanziert. So schreibt es der Gesetzgeber vor – und erachtet zum Beispiel stählerne Brackets als angemessene Behandlung für Fehlstellungen. Alles darüber hinaus zahlt die Kasse nicht. Die Industrie bietet aber viel mehr an, Kunststoff- und Keramikbrackets etwa, die weniger auffallen, theoretisch zumindest. In der Praxis können Keramikbrackets dem Zahn schaden und Brackets aus Plastik sich verfärben.

„Selbstligierende Brackets“ ohne die auffälligen Gummis empfehlen viele Kieferorthopäden, andere raten ab. Studien deuten darauf hin, dass sie kaum besser wirken als die Kassenmodelle. Ähnlich ist es bei Zahnspangen, wo sich zu Beginn meist die grundsätzliche Frage stellt, ob ein festes oder herausnehmbares Modell sinnvoller ist. Experten bewerten die meisten Kassenlösungen als effektiv, aber es gibt teurere Lösungen, die höheren Tragekomfort und schnelleren Erfolg versprechen.

Fehlstellungen nehmen zu

Exzessives Daumen- oder Schnullerlutschen, Zähneknirschen oder Nägelkauen können den Kiefer verformen. Fehlstellungen entstehen, die sich vermeiden ließen – und rechtzeitig behandelt werden sollten. Die Zahl der kieferorthopädischen Behandlungen steigt, fast jedes zweite Kind trägt zeitweise Brackets oder Spange. Die Evolution trägt ihren Teil dazu bei: Der moderne Mensch kaut weniger als seine Vorfahren, deswegen schrumpft der Kiefer, und die Zähne haben es schwerer, sich in Reih und Glied anzuordnen. Für den anderen Teil ist der Gesetzgeber verantwortlich, der kieferorthopädische Leistungen seit Jahren geringer bewertet. Kieferorthopäden suchen seitdem Wege, den weggebrochenen Umsatz zu kompensieren.

Dein Geld kann mehr

Entscheidend für die Beteiligung der Krankenkasse ist der Schweregrad der Fehlstellung, den der Orthopäde in einer „kieferorthopädischen Indikationsgruppe“ (KIG) von 1 bis 5 kategorisiert. Ab Stufe drei zahlt die Kasse. Die Einstufung geht meistens mit einer Behandlungsempfehlung einher, aber die ist nicht bindend. Eine Zweitmeinung einzuholen, kostet nichts, dafür gibt es zahnärztliche Beratungsstellen. Auch für Zahnreinigung und Prophylaxe zahlt oft die Kasse, die Leistung muss nur angefragt und in Anspruch genommen werden.

Titelbild: © alimyakubov

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