Schon seit der Aufklärung träumt man vom Menschen als Maschine – und fürchtet sich davor. Die menschlichen Maschinen könnten Menschen sämtliche Arbeiten abnehmen, sich aber auch verselbstständigen, so die Vision. Diese Vorstellung bleibt Science-Fiction, aber schon heute spielen Technologien, die im Bereich der Erforschung künstlicher Intelligenz entwickelt wurden, eine große Rolle – auch im Finanzsektor.

Starke und schwache künstliche Intelligenz

In den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurde erstmals der Begriff der Künstlichen Intelligenz (KI) für ein Gebiet der Informatik gebraucht. Was künstliche Intelligenz genau ist, bleibt jedoch bis heute schwammig, da schon allein der Begriff Intelligenz unscharf ist. Man unterscheidet grob zwischen starker und schwacher künstlicher Intelligenz. Starke KI ist die menschliche Maschine, die denkt, fühlt, kreativ ist und Bewusstsein hat. Das ist – wenn überhaupt möglich – ferne Zukunftsmusik.

Intelligenz simulieren, statt intelligent sein

Die schwache KI dagegen soll konkrete Anwendungsprobleme selbstständig lösen und muss dabei nur Intelligenz simulieren, statt intelligent zu sein. Als Maß dafür gilt häufig das Bestehen des sogenannten Turing-Tests. Dabei stellt ein Mensch über eine Computer Fragen und bekommt Antworten. Kann er anhand der Antworten nicht unterscheiden, ob sie von einem Menschen oder eine Maschine kommen, gilt der Test als bestanden. Vollumfänglich hat das bisher aber noch keine Maschine geschafft.

Expertensysteme im Finanzsektor

Ein Feld aus dem Bereich der KI-Forschung spielt auch im Finanzbereich eine besonders große Rolle: die Expertensysteme.  Der Begriff steht für wissensbasierte Systeme, die in einem bestimmten Bereich Urteile fällen und Problemlösungen anbieten können, die denen von Experten gleichwertig sind. Dafür ist in einem solchen System das gesamte Wissen aus einem Spezialbereich repräsentiert und über logischen Wenn-Dann-Verknüpfungen verbunden, z.B.: Wenn der Kurs einer Aktie eine bestimmte Marke erreicht, dann verkaufen.

Finanzmanagement, Robo-Advisor, Hochfrequenzhandel

Die Anwendungsbereiche für Expertensysteme sind vielfältig. Medizinische Diagnose werden mit ihrer Hilfe gestellt, Meßdaten in der naturwissenschaftlichen Forschung mit ihnen interpretiert, die Entwicklungen komplexer wirtschaftlicher Zusammenhänge vorausgedeutet. Auch im Finanzsektor gibt es unzählige Anwendungsbereiche. Internationale Konzerne verwalten mit Hilfe von Expertensystemen ihre Steuern, auch bei der Bilanzpolitik und Abschlussprüfungen kommen sie zum Einsatz. Versicherungsunternehmen bewerten Risiken anhand komplexer Expertensysteme. An der Börse wird beim Hochfrequenzhandel in rasender Geschwindigkeit durch Expertensysteme gekauft und verkauft. Und auch der Bankkunde kommt mit ihnen in Kontakt, wenn er sich online durch einen Robo-Advisor beraten lässt. So hat die KI-Forschung bereits Auswirkungen auf unser Alltagsleben, auch wenn es noch keine künstliche Intelligenz im engeren Sinne gibt.

Titelbild: © storm/fotolia

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