Der Mensch hält sich gerne für rational. Spätestens seit René Descartes „Cogito ergo sum“ zollen wir pragmatischen Fakten und Zahlen Tribut. In Wahrheit ist der Mensch alles andere als rational. Zufällige Ereignisse und natürliche Faktoren „vernebeln“ unser Denken. Deswegen sollten wir Licht in die Sache bringen. Wie? Wortwörtlich!

Alles Glänzende ist Gold

Weil es eben glänzt. Die Tatsache alleine macht es für den Menschen wertiger. Eine Studie der New York University und der University of Sydney hat jetzt Erstaunliches festgestellt. Auch bei finanziellen Entscheidungen ist die Intensität des Lichtes ein wichtiger Faktor. Die Professoren Paul Glimcher und Agnieszka Tymula ließen 2.530 Menschen an einem Glücksspiel teilnehmen. Probanden konnten sich zwischen drei verschiedenen Gewinnszenarien entscheiden:

  • Mit 100-prozentiger Sicherheit 5 US-Dollar gewinnen
  • Gewinn einer großen Summer mit geringen Chancen (Lotterie-Option)
  • Bei verschiedenen Gewinnchancen zwischen 5 und 125 US-Dollar gewinnen

Wohlhabende Vampire

Das Verhalten der Teilnehmer und ihre Entscheidungen wurde zur gemessenen Helligkeit des Tageslichtes in Verhältnis gesetzt. Das Ergebnis: Wenn es draußen hell ist, neigen Leute dazu, bekannte Risiken zu vermeiden. Bei der Wahl zwischen den sicheren fünf Dollar und einer 50-Prozent-Chance auf 20 Dollar entschieden sie sich für die sichere Variante. Auf der anderen Seite entschieden sich die Teilnehmer bei großer Helligkeit häufiger für die 20 Dollar als für die sicheren fünf, wenn sie nicht wussten, wie groß die Gewinnchance ist.

Im Klartext: An Tagen mit höherer Lichtintensität treffen Menschen öfter schlechtere Entscheidungen. Bei den nächsten Entscheidungen rund um das Thema Geld und Finanzen, das nächste Mal einfach die Vorhänge zuziehen. Soll Wunder bewirken. Was für Finanzfragen eher schlecht ist, funktioniert beim Arbeitsplatz umso besser.

Und Gott sprach, es werde Licht!

Bläuliches Licht am Morgen, warmweißes, helles gegen Mittag und abends ein Schuss mehr gedämpftes Rot. Das soll Wohlbefinden und die Effektivität und Freude an der Arbeit der Mitarbeiter steigern und gleichzeitig die Konzentration am Arbeitsplatz erhöhen. Durch einen vorprogrammierten Einheitsplan, beruhend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, wechselt die Innenbeleuchtung der Philips GmbH in Hamburg. Sowohl die Lichtintensität als auch die Verhältnisse. Denn je harmonischer Tageslicht auf den Biorhythmus des Menschen eingestellt ist, desto entspannter ist er am Arbeitsplatz. Für ein Unternehmen Gold wert.

Die natürlichen Ticks und Tocks

Die biologische Uhr eines Menschen steuert im Tages- und Jahresverlauf Biorhythmen. Körpertemperatur, Aufmerksamkeit und die Wechselwirkung von dem Schlafhormon Melatonin mit dem Stresshormon Cortisol. Während blaues, kühles Licht am Morgen aktiviert, indem es dafür sorgt, dass statt des Schlafhormons Melatonin nun vermehrt Cortisol im Körper ausgeschüttet wird, sollte die Beleuchtung nach dem hellweißen Mittagslicht zum späten Nachmittag hin in seiner Farbe immer wärmer werden. Dann fühlt sich der Mensch am wohl und arbeitet konzentrierter.

Mehr Lust mit mehr Lux

Richtig geplant kann die Beleuchtung einen stimulierenden Effekt haben. Gutes Licht gehört zu jedem guten Arbeitsschutz. Gemäß der Arbeitsstättenverordnung heißt es:

  • Für einen Arbeitsplatz in Fensternähe die optimale Beleuchtungsstärke 300 Lux
  • Bildschirmarbeitsplätze benötigen 500 Lux
  • In Großraumbüros ist eine Stärke von 750 Lux angebracht
  • Zum Lesen von Schriftstücken sind 800 bis 1000 Lux optimal

Ein blaues Licht geht auf!

Fest steht, dass überwiegend blaues Licht sich auf die Wach- und Ruhephasen des Körpers und somit auf den circadianen Rhythmus auswirkt. Dieser Prozess beeinflusst stark die zeitlich festgelegten und immer wiederkehrenden Abläufe im Organismus.

“Das blaue Licht spielt eine ganz besondere Rolle, weil diese Zellen, die wir im Auge haben, maßgeblich für blaues Licht empfindlich sind und wir wissen eben, wenn wir viel von diesem blauen Licht dem Auge verabreichen, dann wirkt sich das so aus, dass durch das Schlafhormon Melatonin verursachte Müdigkeit unterdrückt wird und wenn wir wenig blaues Licht verabreichen, wird man müder.”, so der  Jürgen Spitz, diplomierter Innenarchitekt und Lichtplaner.

Das Flackern des Erfolgs

Lichtquellen mit einem hohen Anteil kurzwelliger, blauer Strahlung beeinflussen den Hormonhaushalt. Dabei geht es um die Zirbeldrüse und das Schlafhormon Melatonin, dessen Produktion bei Tages- oder sehr blauem Licht stoppt. Chronobiologen warnen: Wer abends zu viel Blaulicht oder LED-Licht sieht, schläft anschließend schlecht. Das Zusammenspiel zwischen hellem Licht und ungünstigen Finanzentscheidungen nutzt insbesondere das TV aus. Vor allem Teleshopping. Das dient als mögliche Erklärung für den starken Umsatz der verkaufsorientierten Programme (1,9 Milliarden Euro Umsatz 2016). Bevor also das nächste Billigprodukt aus dem TV-Angebot bestellt wird, erstmal eine Nacht drüber schlafen. Ohne Nachtlicht.

Bild: © kieferpix/ fotolia.com

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