Linus Torvalds drückte in einem Interview mit Robert Young für das Linux-Journal seine Abscheu gegenüber sozialen Medien aus. Für ihn sind Facebook, Twitter und Co. das Gegenteil von sozial; sie förderten Missverständnisse und den ungestraften Ausdruck von Aggressionen.

„Ein Freak. Ein Nerd. Ein Geek.“

Torvalds legte als Student der Universität Helsinki bereits den Grundstein für seine Freeware-Erfolge Linux-Kernel und Git. Der Finne wird als einer der einflussreichsten Programmierer, Entwickler und Hacker der Welt gefeiert.

Torvalds ist aber auch bekannt für seine klaren Worte. Er kann austeilen, aber auch einstecken. In seinem Buch „Just for Fun“ beschreibt er sein junges Selbst unbarmherzig:

„Ich war ein Freak. Ein Nerd. Ein Geek. Praktisch von klein auf. Ich habe meine Brille nicht mit Klebeband zusammengehalten, aber ich hätte es ebenso gut tun können, denn alle anderen Merkmale waren vorhanden. Gut in Mathe, gut in Physik, null soziale Kompetenz.“

„Das ganze Modell ‘Teilen’ und ‘Liken’ ist einfach nur Müll“

Mit der gleichen Härte, mit der Torvalds sich selbst charakterisiert, urteilte er nun über die großen Social-Media-Plattformen ab. Twitter, Facebook und Instagram schürten und vereinfachten schlechtes Verhalten, weil die Interaktion von Angesicht zu Angesicht fehle. „Das ganze Modell des ‘Teilens’ und ‘Likens’ ist Müll“, sagte er Young. Dies liege vor allem daran, dass User so keinen Aufwand betreiben müssten, um Content zu verfassen. Viele Inhalte zielten lediglich auf eine emotionale Reaktion ab, insbesondere Wut und Verärgerung. Als Beispiel dafür nannte er Click-Bait.

Anonymität macht es nur noch „widerlich“

In Kombination mit hasserfüllten Botschaften, deren Verfasser unerkannt blieben, werde dieser Effekt nur noch verstärkt, so Torvalds:

„Füge Anonymität hinzu und es ist nur noch widerlich. Wenn du nicht einmal deinen echten Namen unter deinen Müll schreibst (oder den Müll den du teilst und likest), hilft das wirklich nicht.“

Anonymität würde hier allzu oft fälschlicher Weise mit Privatsphäre verwechselt:

„Anonymität ist wichtig, wenn du ein Whistle-Blower bist, aber wenn du deine Identität nicht nachweist, sollte deine verrückte Schimpftirade nicht sichtbar sein und du solltest nicht in der Lage sein, sie zu teilen oder liken.“

Zwischenmenschliche Kommunikation

Hinzu komme, das betonte Torvalds, dass die feinen sprachlichen Nuancen bei der Kommunikation auf Social Media oft gänzlich verloren gingen. Humor und Sarkasmus seien so sehr schwer nur erkennbar und oft nicht von sachlichen Aussagen trennbar. Darüber hinaus mache das System es Nutzern leicht, auch die Reaktion der Empfänger zu übersehen.

Feuer auch aus anderen Lagern

Bei anderen Branchen-Größen rennt Torvalds mit seiner eigenen, gar nicht anonymen Schimpftirade offene Türen ein. Whatsapp-Mitgründer Brian Acton wiederholt unlängst seinen Aufruf, Facebook zu löschen. Er stellte seine Botschaft in den Kontext einer ausführlichen Kritik über den Silicon-Valley-Kapitalismus und Gewinnmodellen von Tech-Konzernen wie Google. Auch Whistle-Blower und Netzaktivist Edward Snowden attackierte den Konzern von Zuckerberg. In der laufenden Debatte um die unerlaubte Analyse von Nutzerprofilen, tweetete er, soziale Netzwerk agierten wie eine Überwachungsfirma.

Titelbild: © Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

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