Höher, schneller, weiter – das ist scheinbar das Motto für nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum. Denn der aktuelle Jahresbericht des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG) spricht eine klare Sprache. Darin präsentieren die Autoren Hammer-Zahlen.

Wachstum explodiert

Das Jahr 2018 sei demnach von „einer bisher unbekannten Dynamik“ geprägt gewesen. So kletterte das gesamte Volumen in nachhaltigen Anlageformen von 171 Milliarden Euro auf 219 Milliarden Euro. Eine Steigerung von 45 Prozent und ein wahrer grüner Boom. Das Vorjahreswachstum hingegen lag noch bei vergleichsweise geringen neun Prozent. Die am stärksten wachsende Sparte sind dabei nachhaltige Investmentfonds und nachhaltig verwalteter Mandate, die 133,5 Milliarden Euro ausmachen. Und damit einen gesamten Marktanteil von 4,5 Prozent einnehmen. Vorjahreswert: 92 Milliarden Euro. Laut den Autoren des FNG Reports liegt das vor allem daran, dass „gewichtige Marktteilnehmer große Investmentfonds und Mandate auf Nachhaltigkeit umgestellt haben.“

Kohle Top-Five-Ausschlusskriterium

Auch die Strategie der Anleger hat sich verändert. Zwar bleibt der Ausschluss-Ansatz auch 2018 der beliebteste von allen. Aber normbasiertes Screening, ESG-Integration, Engagement und Best-in-Class nehmen prozentual am stärksten zu. Für das FNG klare „qualitative Fortschritte bei der Entwicklung von Investmentprozessen in Bezug auf Nachhaltigkeit“. Bei den Ausschlusskriterien gab es ebenfalls eine eindeutige Entwicklung: „Kohle“ macht einen großen Satz in die Top Five und gilt mittlerweile für Investments in Höhe von rund 73 Milliarden Euro. Noch 2017 schaffte es dieses Kriterium mit knapp 12 Milliarden Euro nicht einmal in die Top Ten.

AusschlusskriteriumGesamtsumme (in Milliarden Euro)
Arbeitsrechtsverletzungen82,9
Korruption und Bestechung77,7
Menschenrechtsverletzungen77,3
Umweltzerstörung75,3
Kohle72,8
Waffen und Rüstung68,4
Tabak52,2
Kernenergie40,2
Pornografie39,8
Alkohol38,7

 

Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen 2019

Institutionelle Player gehen voran

Bei den nachhaltigen Anlegern bleiben die institutionellen Investoren die Treiber, denn sie legten bei den nachhaltigen Geldanlagen um 48 Prozent zu. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 35 Prozent seit 2005. Zum Vergleich: Private nachhaltige Anlagen wuchsen nur um elf Prozent bei einer durchschnittlichen jährlichen Rate von acht Prozent. Darüber hinaus machen institutionelle Akteure mit ihren Investments insgesamt 93 Prozent des nachhaltigen Anlagevolumens aus. Die wichtigsten Anleger aus dieser Gruppe sind kirchliche Einrichtungen und Wohlfahrtsorganisationen, die gemeinsam knapp 40 Prozent ausmachen. Auf Platz drei folgen Versicherungsunternehmen mit 17 Prozent.

Es wächst und wächst weiter

Die Macher der Studie wollten von den Berichtsteilnehmern außerdem Prognosen für die zukünftige Entwicklung des Segments nachhaltige Geldanlagen haben. 50 Prozent der Befragten rechnet demnach mit einer Zunahme von über 15 Prozent. Aber von einem weiteren Wachstum im Jahr 2019 sind alle Teilnehmer überzeugt. Dazu spannend: Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate für Fonds und Mandate betrug zwischen 2005 und 2018 bemerkenswerte 29 Prozent. Damit liegt das Ergebnis am oberen Ende der Schätzung für 2019.

Titelbild: ©quickshooting/fotolia.com

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