Es klingelt, böse Überraschung, Herr Kaiser steht vor der Tür, mein Versicherungsberater! Vor Wochen habe ich mich leichtfertig am Telefon beschwatzen lassen, einen Termin vereinbart – und gleich wieder vergessen. Herr Kaiser hat mich nicht vergessen. Jetzt ist er da und freut sich: „Wir wollten doch mal über Ihre Zahnzusatzversicherung sprechen.“ „Ach so?“ Eine gute Stunde später habe ich eine private Zahnzusatzversicherung abgeschlossen, die ich laut Herrn Kaiser unbedingt brauche, weil mir sonst die Zähne ausfallen. Aber schlimmer noch: Er wird wiederkommen, damit wir über alle meine Absicherungen reden. Ganzheitlich versteht sich, also vermutlich einen ganzheitlichen Abend lang.

Welche Versicherung braucht man überhaupt?

Versicherungen sind den meisten Menschen ein Graus. Als noch schlimmer werden nur die Sprachrohre der Versicherungsunternehmen empfunden, die Versicherungsvertreter, laut „Bild“ der mit Abstand unbeliebteste Berufsstand. Vor Politikern, Landwirten und – wie das? – Straßenfegern. Dabei kann in Deutschland niemand auf Versicherungen verzichten. Manche sind sogar Pflicht, andere wiederum überflüssig. Aber wie trennt man die Spreu vom Weizen? Gar nicht so schwer, denn bei genauem Hinschauen, stellt sich heraus, so viele Versicherungen braucht es gar nicht.

So sind Sie gut versichert:

Es gibt zwar unendlich viele Versicherungen, aber eigentlich sind es nur vier Bereiche, in denen private Absicherung wichtig ist:

  1. Einkommenssicherung
  2. Krankenversicherung
  3. Altersvorsorge
  4. Hab und Gut

Wir haben alle wichtigen Versicherungen zusammengefasst und bewertet: „wichtig“ oder „sinnvoll“. Was weniger wichtig oder gar sinnlos ist, wurde weggelassen. Zum Beispiel die im Handel beliebten Reparatur-, Handy- oder Brillenversicherungen. Sie unnötig und teuer.

1. Einkommenssicherung: Was ist, wenn die eigene Arbeitskraft ausfällt? 

Der Verlust der Arbeitskraft geschieht häufiger, als man denkt. Etwa jeder Vierte wird während seines Berufslebens vorübergehend oder für immer berufsunfähig. Dann versiegt die wichtigste Einnahmequelle.

Einkommenssicherung

BerufsunfähigkeitsversicherungEtwa jeder Dritte wird im Laufe des Berufslebens vorübergehend oder für immer berufsunfähig. Die BU sichert, dass der Lebensstandard erhalten werden kann.wichtig für Berufstätige
Erwerbsunfähigkeits- oder ExistenzsicherungsrenteFür alle, die aus Kostengründen keine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können. Oder die
wegen gesundheitlicher oder beruflicher Risiken keine bekommen.
wichtig für Geringverdiener oder Selbständige
RisikolebensversicherungZahlt eine Versicherungssumme aus, falls der Alleinverdiener einer Familie ausfällt. Sinnvoll für junge Familien oder zur Absicherung eines Immobiliendarlehens.sinnvoll
UnfallversicherungMehr als ein Drittel aller Unfälle passieren in der Freizeit, wenn kein Versicherungsschutz besteht.Die Unfallversicherung schützt gegen die Folgen von Invalidität.wichtig
KinderinvaliditätsversicherungKinder sind besonders unfallgefährdet, in der Freizeit jedoch nicht versichert. Bis zum Ende der Ausbildung ist deswegen eine Absicherung gegen Unfallfolgen wichtig.wichtig
KrankentagegeldversicherungNach sechs Wochen endet die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers. Danach zahlt die Krankenkasse nur etwa 70 Prozent des Nettogehalts, maximal etwa 2500 Euro. Bei längeren Krankheiten fehlt damit viel Geld in der Haushaltskasse.
Sinnvoll für Angestellte mit höherem Einkommen. Oder für Selbständige, denn sie erhalten kein Krankengeld.
sinnvoll
Schwere KrankheitenBei schweren Krankheiten entstehen oft hohe Folgekosten. Zum Beispiel durch teure Therapien, Arbeitsplatzverlust oder Umbaumaßnahmen. Die Versicherungssumme schafft Spielräume dafür.sinnvoll

2. Krankenversicherung: Gesetzlich oder privat?

Wer gut verdient, hat die Wahl und kann sich privat versichern. Aber auch Kassenpatienten können mehr bekommen, als die Kassen bieten. Weil die Kassenleistungen immer mehr eingeschränkt werden, boomen private Zusatzversicherungen.

Gesundheit

Gesetzliche Kranken- und PflegeversicherungPflichtversicherung für alle Beschäftigten mit weniger als 56.000 Euro brutto im Jahr. Kinder sind mitversichert.wichtig
Private Krankenversicherung und PflegepflichtversicherungBessere Leistungen und freie Arzt- und Krankenhauswahl. Für Selbständige und Angestellte ab einem Jahreseinkommen von 56.000 Euro. Kinder müssen jedoch zusätzlich versichert werden.

Sinnvoll ist eine Vorsorge gegen Beitragserhöhungen im Alter.

Für Beamte günstiger als die gesetzliche Krankenversicherung.

wichtig
Private PflegezusatzversicherungMehr als jeder Zweite wird zum Pflegefall. Bei den meisten reicht die Rente dafür nicht.
Mitunter müssen die Kinder zahlen.
Zusätzlich mitnehmen: bei der Förderpflege gibt es jährlich 60 Euro Fördergeld vom Staat.
wichtig
ZahnzusatzversicherungFür Kassenpatienten, die mehr Leistungen wollen, als die Krankenkassen bieten.sinnvoll
Stationäre ZusatzversicherungFür Kassenpatienten, die Chefarztbehandlung, Ein- oder Zweibettzimmer und freie Krankenhauswahl wünschen.sinnvoll
AuslandsreiseschutzZum Beispiel für teure Rücktransporte. Sinnvoll für Kassenpatienten, außerdem für Privatversicherte, bei denen keine Kostenübernahme vereinbart ist.sinnvoll

3. Altersvorsorge: Wie sichert man die Rente?

Riester und Rürup sind nicht sexy, aber solide. Sie werden staatlich gefördert, durch Zuschüsse oder Steuervorteile. Auf dieser Basis kann man aufbauen.

Altersvorsorge

Riester-RenteWichtiger Baustein für die private Altersvorsorge. Die staatliche Förderung sollte jeder mit geringem bis mittlerem Einkommen mitnehmen.wichtig
Rürup- oder BasisrenteSinnvoller Baustein für Selbständige und Besserverdienende, die eine lebenslange Rente wünschen. Attraktiv durch steuerliche Förderung. Jedoch nicht flexibel, kann z.B. nicht auf einmal ausgezahlt werden.sinnvoll
Private oder Fondsgebundene RentenversicherungAltersvorsorge sollte auf mehreren Füßen stehen. Private Rentenversicherungen sind gute Ergänzungen, denn sie garantieren eine lebenslange Rente. Ein sinnvoller Baustein, angesichts immer höherer Lebenserwartung.sinnvoll

4. Hab und Gut: Wie schützt man sein Eigentum?

Wohnung, Haus und Garten sind schützenswert. Die KFZ-Versicherung ist gar Pflicht, denn mit einem Auto kann man viel Unheil anrichten.

Hab und Gut

KFZ HaftpflichtPflicht für jeden Fahrzeughalter.wichtig
VollkaskoFür neue Fahrzeuge.wichtig
TeilkaskoFür nicht ganz so neue Fahrzeuge.sinnvoll
HausratFür die Studentenbude ist eine Absicherung nicht unbedingt nötig. Sie wird aber umso wichtiger, je mehr der Wert des Hausrates wächst.
Schützt gegen Blitz, Feuer, Wasserschäden oder Einbruch.
wichtig
HaftpflichtBraucht jeder, denn selbst kleine Missgeschicke können teure Folgen haben. Kinder sind über den Vertrag der Eltern mitversichert.wichtig
Tierhalter-HaftpflichtWichtig, denn Hunde oder Pferde können sehr teure Unfälle verursachen.wichtig
ReiserücktrittSinnvoll für Familien, die mit Kindern teure Pauschalreisen unternehmen.sinnvoll
RechtsschutzViele Verkehrsunfälle enden vor Gericht, deshalb ist Verkehrsrechtsschutz am wichtigsten. Weitere Bausteine lassen sich zu Rechtschutzpaketen ergänzen.sinnvoll
WohngebäudeversicherungFür Immobilienbesitzer und Vermieter:
Schützt gegen alles, was Wohngebäude bedroht. Brand, Blitzschlag, Explosion, Sturm, Hagel, Vandalismus.
wichtig
Haus- und GrundbesitzerhaftpflichtFür Immobilienbesitzer:
Wenn ein Fußgänger auf ungeräumtem Bürgersteig ausrutscht oder ein Baum in Nachbars Garten fällt.
wichtig
GewässerschadenhaftpflichtFür alle Hausbesitzer, die einen Öltank im Keller haben.wichtig
BauherrenhaftpflichtAm Bau kann viel passieren, deshalb wichtig für alle Bauherren.wichtig

Versicherungsberatung ist kein Beliebtheitswettbewerb.

Ob unbeliebt oder nicht, Versicherungsvertreter können sehr wohl hilfreich sein. Und wie es gute Politiker gibt, sympathische Landwirte und liebenswerte Straßenfeger, so gibt es auch vertrauenswürdige Versicherungsvertreter.
Zwar lassen sich immer mehr Versicherungen online abschließen. Doch viele Produkte sind so komplex, dass es jemanden braucht, der die genau passende Variante herausfindet. Auch ist Herrn Kaisers Angebot, ganzheitlich zu beraten, gar nicht so dumm. Das verhindert, dass Risiken doppelt abgesichert sind und an anderen Stellen ein Loch klafft. Also wird der Versicherungsordner durchforstet. Unnötiges wird gekündigt und eingespart, und fehlende Absicherungen werden ergänzt. Und was sind schon ein paar Stunden Beratungsgespräch, wenn man anschließend seine Ruhe hat.

Titelbild: © Halfpoint

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