Egal, ob in München, Frankfurt, Berlin oder Hamburg: Die Mietpreise steigen ins Unermessliche. Trotz der 2015 von der Bundesregierung eingeführten Mietpreisbremse wird bezahlbarer Wohnraum immer knapper. Die neue Studie „Wohnen und Leben 2017“ im Auftrag von immowelt.de zeigt, dass, Wunder oh Wunder, vor allem beliebte Ballungszentren von dem Mietwucher betroffen sind. Doch hilft alles nichts: Wen es beruflich in eine andere Stadt verschlägt, der muss eben zahlen. Da wird schnell an anderen Stellen gespart: An der Lebensqualität, jetzt und ebenso im Alter.

Das Zentrum des Irrsinns

Auf Platz 1 im bundesweiten Vergleich: Na klar, München. Die bayerische Landeshauptstadt führt seit Jahren die Rankings der teuersten Mietpreise an. 900 Euro warm für ein WG-Zimmer in München ist keine Seltenheit mehr. Der beliebteste Wohnungstyp der Deutschen – eine 3- bis 4-Zimmer-Wohunung mit 81 bis 105 Quadratmetern – kostet in München laut immowelt.de durchschnittlich 1.500 Euro Nettokaltmiete. Tendenz steigend. Bei einer 90 Quadratmeter großen Wohnung wären das umgerechnet etwa 16,67 Euro pro Quadratmeter. Je nach Lage lässt sich dieser Preis noch steigern! Im bundesweiten Vergleich kostet eine Wohnung gleicher Größe lediglich 670 Euro kalt. Doch Frankfurt am Main (1.170 Euro), Hamburg (1.030 Euro) und Stuttgart (1.080 Euro) können für denselben Wohnungstyp mit den Münchner Preisen durchaus mithalten.

Ich habe heute leider keine Wohnung für dich …

Wohnungssuchende kennen das Gefühl: Beim Durchstöbern der Immobilienplattformen kann einem schon mal übel werden. Wie soll man das bezahlen? Jeder dritte Deutsche hat im Jahr 2015 unter 2.400 Euro brutto verdient. Nach allen Abzügen bleiben etwas 1.600 Euro übrig. Mehr als eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung ist da in München nicht mehr drin. Unverschämt! Das weiß auch Harald Martenstein im Tagesspiegel:

“Unsere Münchner Wohnung war, fast bis auf den Quadratmeter genau, halb so groß wie die Berliner Wohnung und kostete das Doppelte. Nach Abzug der Monstermiete hatte ich weniger als vorher und musste trotzdem zehn Stunden länger arbeiten. Das fand ich nach einer Weile richtig gut. In dem Büro war so viel mehr Platz als in der kleinen Wohnung, wo ich beim Kochen immer mit dem Ellenbogen an die Dunstabzugshaube gestoßen bin.”

Doch ganz nebenbei, so wichtig ist den meisten Mietern eine Küche gar nicht. Entscheidend für die Anmietung einer Wohnung sind andere Kriterien. Was laut der Studie “Leben und Wohnen 2017” den deutschen Wohnungssuchenden besonders wichtig an der neuen Wohnung ist, verraten wir Ihnen hier:

 

7. Abstellfläche

Lediglich 12 Prozent der befragten Wohnungssuchenden ist ein Dachboden oder ein Kellerabteil besonders wichtig. Stauraum brauchen die Deutschen also weniger.

Bild: ©photo 5000

6. Garten

Ebenfalls weniger wichtig bei einer neuen Wohnung ist ein Garten. Lediglich 14 Prozent der Befragten wollen in einer neuen Wohnung ihren grünen Daumen ausleben.

Bild: ©mirkorrosenau4

5. Garage / Stellplatz

Immerhin schon 19 Prozent der Wohnungssuchenden ist eine Garage / Stellplatz besonders wichtig. Verständlich: In den großen Ballungszentren herrschaft Parkplatznot!

Bild: ©GM Photography

4. Haustierhaltung erlaubt

Young funny kitten cat meowing in the green grass

Einem Viertel aller Befragten war die Möglichkeit zur Haustierhaltung in der neuen Wohnung wichtig. Fiffi und Co. müssen schließlich auch mit!

Bild: ©Andrey Kuzmin

3. Küche vorhanden

Lediglich auf Platz drei: die Küche. 27 Prozent der deutschen Wohnungssuchenden finden es wichtig, dass die neue Wohnung eine Einbauküche besitzt. Zusätzliche Kosten und Stress können so vermieden werden.

Bild: ©imagewell10

2. Energieeffizienz

41 Prozent der Befragten wollen, dass ihre neue Wohnung besonders energieeffizient ist. Das Ziel dahinter: günstige Nebenkosten. Bei den ohnehin hohen Mietpreisen nachvollziehbar!

Bild: ©maho

1. Balkon / Terasse

Mehr als die Hälfte aller Befragten gaben an, dass ein Kriterium zur Anmietung der Wohnung ein Balkon ist. Der ist wichtig, denn immerhin 23 Prozent der Deutschen verbringen ihren Urlaub auf Balkonien.

Bild: ©Fabian

 

Dein Geld kann mehr – Oder doch nicht?

Was hilft gegen die Wuchermieten? Mit dieser Frage setzt sich die Bundesregierung seit mehreren Jahren auseinander. Das Ergebnis bisher: die Einführung der Mietpreisbremse im Jahr 2015. Neu daran ist, dass die Miete lediglich 10 Prozent über den ortsüblichen Vergleichsmieten liegen darf, mit der Ausnahme von Neubauwohnungen und umfassend sanierten Bestandswohnungen. Doch es gibt eine Lücke: Da Neu-Mieter oftmals mehr zahlen müssen als ihre Vorgänger, steigen die Bestandsmieten insgesamt an. Diese liegen jedoch der Preisentwicklung als Referenzwert zugrunde, der somit ebenfalls in die Höhe geht. Gegen die zunehmenden Mietpreise kann man also nichts machen. Wer sich aus beruflichen Gründen in den teuren Ballungszentren aufhalten muss, muss wohl in Schneewitchens Apfel beißen. Dass man am Ende in einem Schloss erwacht, ist da wohl unwahrscheinlich.

Das hat jetzt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erkannt und erklärt auf einer Wahlkampfveranstaltung ihrer Partei in Koblenz: „Wohnungsknappheit wird am besten dadurch beantwortet, dass ich neue Wohnungen baue“. Es zeigt sich, dass die Mietpreisbremse „das Problem nicht löst“.

Dennoch müssen sich in vielen Fällen Vermieter an die Mietpreisbremse halten. Doch will der Mieter zu seinem Recht gelangen, wird diesem zunächst Eigeninitiative abverlangt. Mietrechner sind eine gute Möglichkeit um örtliche Mietpreise zu vergleichen. Ob Ihre Wohnungsmiete zehn Prozent über dem lokalen Mietspiegel liegt, können Sie hier herausfinden. Liegt ihre Miete über dem zulässigen Preis, können Sie ihren Vermieter darauf aufmerksam machen. Sollten Probleme auftreten bieten regionale Mietervereine ihre Hilfen an.

Titelbild: ©llhedgehogll

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