250.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Krebs. Tendenz steigend. Eine Krebstherapie ist für jeden Betroffenen beschwerlich und verlangt den Patienten in der Regel alles an Kraftreserven ab. Auch finanziell wird die Erkrankung zur Belastungsprobe. Der Ausfall im Beruf und teure Medikamente nagen am Guthaben. Was es braucht, ist eine gute Vorsorge und zwar für Körper und Konto. Das Problem, die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Sporttherapien fast nie.

“Raus aus der Schockstarre” bei Krebs

Sport ist Mord, zumindest für Tumorzellen: Ausdauersport ist zwar kein Garant für einen schnellen Genesungsprozess, er hilft jedoch, sich aus der anfänglichen Schockstarre zu befreien und sich selbstbewusst der Krankheit zu stellen. Von den positiven Einflüssen des Sports auf den Krankheitsverlauf ist Professor Martin Halle von der Technischen Universität München überzeugt. Mit Sport sollte seines Erachtens nicht erst in der Therapie begonnen werden. Bereits nach der Diagnose sollte Sport verordnet werden, um jeglichen Anflug von aufkommender Passivität entgegenzuwirken. “Der Patient soll wissen, dass er seine Krankheit in der Hand hat und dafür verantwortlich ist, dass seine Therapie optimal wirkt“, so Halle (27.02.2016/ Die Welt).

Adrenalin: Der Turbo für Immunzellen?

Dass Bewegung den Körper während der Krebs-Therapie unterstützen kann, davon sind Forscher überzeugt. Wie, das zeigte erst eine kürzlich im Fachmagazin Cell Metabolism veröffentlichte Studie. In einem Experiment wurde die Tumorentwicklung bei Mäusen untersucht. Das Ergebnis: Bei den Nagetieren, die regelmäßig im Hamsterrad liefen, schrumpften die Tumore im Gegensatz zu ihren untätigen Artgenossen um 50 Prozent. Forscher schließen daraus, dass das durch Bewegung freigesetzte Adrenalin krebsbekämpfende Immunzellen mobilisiert und die Tumore bekämpft. Von einem ähnlichen Effekt sei ebenso im menschlichen Organismus auszugehen, so die Meinung deutscher Forscher.

“Sporttherapien müssen zum Standard gehören”

Das Ergebnis ist richtungweisend, meint auch Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln. (27.02.2016 / Die Welt) Die Studie zeigt seines Erachtens nur ein vereinfachtes Schema auf. Zudem wurden Faktoren wie beispielsweise der Einfluss von Bewegung auf die Metastasenbildung nicht berücksichtigt.

Bloch ist dennoch davon überzeugt, dass Sporttherapien zur Behandlung von Tumoren unbedingt einbezogen werden sollten. Neben dem Immunsystem werden ebenso Mechanismen wie Entzündungsreaktionen begünstigt. Ein Problem sieht Bloch noch bei der Kostenübernahme. Bisher erklären sich nur wenige Krankenkassen bereit, für die Kosten einer Sporttherapie aufzukommen. Um die Chance auf einen Zuschuss durch die Krankenkasse zu erhöhen, sollten Betroffene ausgewiesene Kurse, die von der Zentrale Prüfstelle Prävention anerkannt werden, besuchen. Dabei müssen 80 Prozent der Sporttermine wahrgenommen werden, damit ein Anspruch auf Bezuschussung entsteht. Erst nach Abschluss des Kurses kann die Teilnahmebescheinigung dann bei der Krankenkasse eingereicht werden, der Patient muss also in Vorleistung gehen.

Für Patienten ist wichtig, sich von all dem nicht beirren zu lassen. Gerade Nordic-Walking, Ski fahren oder Schwimmen und Wassergymnastik sind Sportarten, die das Wohlbefinden steigern und kostengünstig sind. Bei Sporteinheiten an der frischen Luft und in der Sonne produziert der Körper Vitamin D. Das hebt die Stimmung und gibt Betroffenen das Gefühl, aktiv etwas zur Genesung beitragen zu können. Eine positive Einstellung des Patienten wirkt unterstützend auf die Therapie und steigert die Heilungschancen.

Titelbild: ©Andrii IURLOV

Ihre Meinung zu diesem Beitrag?

Please enter your comment!
Please enter your name here