Rechtlich gesehen zählt das Pokerspiel in Deutschland zumeist zum Bereich der Glücksspiele. Doch anders sieht es das Finanzamt bei Pokerspielern, die nicht nur ihre privaten Spielbedürfnisse befriedigen, sondern professionell auf Turnieren antreten. Denn mittlerweile gibt es immer mehr Poker-Profis, die auf Turnieren so viel Geld verdienen, dass sie sogar davon leben können. „Das Finanzamt darf Pokergewinne als gewerbliche Einkünfte behandeln, da aufgrund wissenschaftlich-mathematischer Untersuchungen feststeht, dass Pokern weniger mit Zufall und Glück, sondern vielmehr mit Geschick und Erfahrung des Pokerspielers zu tun hat“, so die ARAG in einer aktuellen Mitteilung.

Glück im Spiel, Pech mit der Steuer

Einen entsprechenden Streitfall hatte das Finanzgericht Köln bereits 2012 vorliegen. Die Kölner Richter begründeten ihre Entscheidung, dass die Poker-Gewinne versteuert werden müssen, damals damit, dass der Pokerspieler die Preisgelder überwiegend dank seiner Fähigkeiten gewonnen habe. Das Pokerspiel sei bei dem betreffenden Spieler kein Glücksspiel, sondern ein Geschicklichkeitsspiel. Auch der Bundesfinanzhof, Deutschlands höchstes Gericht für Steuern, bestätigte diese Entscheidung: Gewinne aus der Teilnahme an Pokerturnieren können als Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb der Einkommensteuer unterliegen.

Das Finanzgericht in Münster musste sich mit diesem Thema ebenfalls auseinandersetzen. Ein Pokerspieler, der über mindestens neun Jahre hinweg an Pokerturnieren, Cash-Games und Internetveranstaltungen teilnahm, hatte sich bei seinem Arbeitnehmer unbezahlten Urlaub genommen. Seinen Lebensunterhalt verdiente er also mit den Preisgeldern. Doch die Gewinne wies er in seiner Steuererklärung nicht aus. Das Finanzamt führte bei ihm eine Betriebsprüfung durch und schätzte seine Umsätze. Mit der Teilnahme an den Turnieren hatte er laut Finanzamt eine Leistung erbracht, mit der Absicht Geld zu gewinnen. Dadurch sei er als Unternehmer anzusehen, der Umsatzsteuer zahlen muss. Das Urteil des Bundesfinanzhofs steht in diesem Fall noch aus.

Dein Geld kann mehr

Hobbyspieler müssen sich aber keine Sorgen machen. Die Richter in Köln begründeten ihre Entscheidung damit, dass der Pokerspieler „über Jahre hinweg erfolgreich an namhaften, mit hohen Preisgeldern dotierten Turnieren“ teilgenommen hatte. Damit sei er ein Profispieler und seine Gewinne steuerpflichtig. Gewinnt ein Hobbyspieler zufällig, bleibt sein Gewinn von der Steuerpflicht ausgeschlossen.

Unklar ist jedoch: Wenn das Pokern als steuerpflichtiges Gewerbe angesehen wird, können dann auch mögliche Verluste in die Steuererklärung eingetragen werden? Damit müssen sich die Richter noch eingehend beschäftigen.

Titelbild: © LIGHTFIELD STUDIOS

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