Wer kennt sie nicht? Die Drängler und Raser auf der Autobahn oder den Autofahrer, der den sicher geglaubten Parkplatz vor der Nase wegschnappt. Ruhe bewahren ist in diesen Situationen gar nicht so einfach. Wer sich provozieren lässt, dem drohen teilweise hohe Geldstrafen. Doch was gilt im Straßenverkehr überhaupt als Beleidigung? Und mit welchen Strafen werden Stinkefinger oder das Vogelzeigen belegt?

Direkte und indirekte Beleidigungen

Zunge rausstrecken, den Vogel oder den Stinkefinger zeigen: Juristisch gesehen, handelt es sich bei all diesen Gesten um eine Beleidigung, die nach dem Strafgesetzbuch eine Straftat darstellt. Beleidigungen können mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr belegt werden. Doch Vorsicht! Nicht nur das offensichtliche Zeigen oder Aussprechen einer Beschimpfung ist strafbar. Auch indirekte Beleidigungen können geahndet werden! Fällt im Parkplatzstreit beispielsweise die Aussage: „Am liebsten würde ich Sie jetzt einen Idioten nennen“, droht ebenfalls eine Geldstrafe. Einige Gesten hingegen sind in der Rechtsprechung bisher nicht als Beleidigung gewertet worden und daher noch straffrei. Dazu zählen: Sich mit der Hand gegen die Stirn schlagen oder die Hand vor die Augen halten.

Vogel, Scheibenwischer, Stinkefinger: Geldstrafe oder Fahrverbot?

Für Beleidigungen im Straßenverkehr existiert kein einheitlicher Strafenkatalog, weshalb das Strafmaß variieren kann. Bei der Festlegung spielen vor allem die Tatumstände, also Zusammenhang, Tonfall oder Person des Beleidigten, eine Rolle. Durchschnittlich werden für Beleidigungen Geldstrafen mit zwischen zehn und 30 Tagessätzen verhängt. Für den ausgestreckten Mittelfinger wurden jedoch auch schon 40 Tagessätze verlangt. Wird der „Vogel“ gezeigt, kostet das den Beschuldigten 20 bis 30 Tagessätze. Das bedeutet: 1.000 bis 1.500 Euro werden fällig, geht man von einem monatlichen Nettoeinkommen von 1.500 Euro aus. Verhältnismäßig günstig ist die rausgestreckte Zunge. Hier wurde mit durchschnittlich 150 Euro zur Kasse gebeten. Die „Scheibenwischergeste“ kostet bis zu 1.000 Euro.

Doch das ist im Zweifel noch nicht alles. Der Richter kann den Täter bei einer Verurteilung wegen Beleidigung im Straßenverkehr auch mit einem Fahrverbot als Nebenstrafe belegen. Punkte in Flensburg sind jedoch nicht mehr fällig. Seit der Punktereform im Jahr 2014 werden im Fahreignungsregister nur noch sicherheitsrelevante Verkehrsverstöße erfasst.

Titelbild: © freshidea

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