Stricken, Häkeln und Schneidern: ein weitverbreitetes Hobby, meistens mit einem hübschen Ergebnis. Doch jeder, der dem Freizeitspaß nachgeht, weiß: Das bleibt nicht lang geheim. Alles beginnt mit einem Paar selbstgestrickter Babysöckchen für die schwangere Freundin. Die frischgebackene Mutter freut sich, samt dem Baby. Auf dem Kinderspielplatz und im Café werden die selbstgemachten Produkte bewundert.

Und ehe man sich versieht, platzen die Aufträge für allerlei Strick- und Häkelwaren ein. Der passende Account im Onlinehandel ist schnell erstellt und so wird das, was mit einem Geschenk begann, zum lukrativen Nebengeschäft. Stellt sich nur die Frage, ob diese Verkäufe steuerfrei sind? Oder ab wann kommt man mit Babysöckchen in den Knast?

Ein Privatverkauf ist nicht immer ein Privatverkauf

Mit Privatverkäufen – besonders auch im Onlinebereich – lassen sich ganz hübsche Nebenverdienste erzielen. Woran die meisten nicht denken: Irgendwann ist das Geschäft mit Strick & Co. nicht mehr steuerfrei? Denn der Fiskus lauert überall.

„Die Grenze zwischen steuerfreien Privatverkäufen und Steuerhinterziehung bei gewerbsmäßigem Handel ist schnell überschritten”, meint Markus Deutsch, Vizepräsident des Steuerberaterverbandes Berlin Brandenburg.

Besonders im Internet auf Handelsplattformen wie Ebay, Amazon oder mobile.de wird viel Schindluder getrieben. Deshalb haben Fahnder die Seiten schon lange im Visier. Überführten Schwarzhändlern drohen hohe Nachforderungen. Doch ab wann muss man Steuern zahlen? Fünf Steuerfallen, auf die Sie bei Ihrem Nebenverdienst unbedingt beachten sollten!

Steuerfalle 1: Der Fiskus hat Adleraugen
Und zwar ziemlich wachsame. Steuerfahnder sind mit modernsten Techniken ausgestattet, um im Internet auf die Jagd zu gehen. Mit Hilfe der Suchmaschine „Xpider“ kommen die Beamten gezielt Schwarzhändlern auf die Schliche. Besonders im Visier sind Händler, die über einen längeren Zeitraum viel Neuware auf Online-Handelsplattformen anbieten. Sollte sich der Verdacht erhärten, kann das Finanzamt Einsicht in persönliche Daten und in die Auflistung aller Verkäufe beim Portalbetreiber beantragen. Den Händlern droht dann eine hohe Nachzahlung.
Steuerfalle 2: Privat oder Gewerblich?
Die Grenze ist fließend. Doch allein die Behauptung, privat zu handeln oder sich über ein Privatkonto bei den Online-Handelsplattformen anzumelden, reicht nicht aus. Die Faustregel: Wer Keller entrümpelt, die alte Uhr vom Großvater gegen ein Höchstgebot versteigert oder das eigene Auto verkauft, gilt erst einmal als Privatverkäufer und ist damit steuerfrei unterwegs. Ähnlich wie bei Flohmarkt-Einnahmen lässt der Fiskus den Kleinhandel unter Privaten zu, selbst wenn höhere Einnahmen erzielt wurden.

Aber Vorsicht: Als gewerblich bewertet das Finanzamt dauerhaft ertragreiche oder gewinnbringende Geschäfte. Wer also etwa mehr als 40 Verkäufe – seien es auch nur Babysöckchen – im Monat tätigt, wird bereits von den Fahndern kritisch begutachtet. Im konkreten Einzelfall entscheiden aber immer die Gerichte. Als Indizien für ein Gewerbe gelten ein regelmäßiger Verkauf, hohe Umsätze, das Anbieten von gleichartigen Produkten und Neuwaren oder der Verkauf für Dritte.

Steuerfalle 3: Aus Alt mach Neu
Aber selbst als Privathändler ist man nicht in jedem Fall vor der Steuer geschützt. Besonders im Falle eines Wiederverkaufs müssen Abgaben gezahlt werden. Waren, zuvor absichtlich zum Weiterverkauf erworben, müssen als Einkünfte aus privatem Veräußerungsgeschäft bei der Steuererklärung angeben werden. Inklusive Gewinn, Preis, Datum der Anschaffung und des Verkaufs.
Steuerfalle 4: Spekulation
Zudem ist das Finanzamt auch an Spekulationsgütern interessiert. Stellt sich Frage, welche Waren unter ein solches Spekulationsgeschäft fallen? Besonders häufig sind Spekulationsgüter Schmuck, Gold, Münzen oder andere Antiquitäten. Also alles, was schnell und mit großem Gewinn verkauft werden kann. Aber keine Sorge, in zwei Fällen muss der Gewinn nicht versteuert werden: Zum einen, wenn die Güter bereits länger als ein Jahr Eigentum sind. Und zum anderen, wenn der Gesamtgewinn unter 600 Euro liegt. Ausnahme: Bei Immobilien fällt eine Spekulationssteuer an, insofern diese unter 10 Jahren im Besitz des Verkäufers waren.
Steuerfalle 5: Zahlen über Zahlen
Liegt beim Verkauf der Babysöckchen nun ein Gewerbe vor, kann der Fiskus gleich mit drei Steuern zuschlagen. Neben der Einkommenssteuer fallen auch die Umsatz- und Gewerbesteuer an.

Die Einkommensteuer wird auf jeden einzelnen Euro des gewerblichen Gewinns berechnet, insofern das gesamte Einkommen nicht über dem Jahresgrundfreibetrag von 8.820 Euro für Ledige liegt. Bei selbständigen Nebenberuflern, also solchen Leuten, die noch einen anderen Arbeitgeber haben, liegt die Steuerfreigrenze für den Gewinn nach Abzug aller Kosten bei 410 Euro pro Jahr. Höhere Nebeneinkünfte müssen in der Steuererklärung angeben werden. Weitere Steuern müssen aufgrund der Kleinunternehmerregel bis zu einem Umsatz von 17.500 Euro brutto nicht gezahlt werden.

Übersteigen die Nebeneinkünfte im zurückliegenden Jahr die Umsätze von 17.500 Euro brutto und werden voraussichtlich im laufenden Jahr mehr als 50.000 Euro erzielt, muss auch Umsatzsteuer abgeführt werden. Dies hebelt nämlich die Kleinunternehmerregelung aus. Die Gewerbesteuer bei den örtlichen Kommunen fällt für Einzelunternehmen erst bei einem jährlichen Gewinnen von über 24.500 Euro an.

Dein Geld kann mehr

Ob ein Nebenverdienst als Privatverkauf oder Gewerbe gilt, hängt also vom Einzelfall ab. Die Babysöckchen in kleinen Mengen unter Freundinnen sind wohl kein Problem, blüht der Online-Handel jedoch richtig auf und wird damit viel Geld verdient, muss der Verkauf steuerlich geltend gemacht werden. Im Zweifelsfall einfach einen Experten hinzuziehen und mit allen erforderlichen Unterlagen ab zum Steuerberater. Bevor am Ende die netten Stricksöckchen zum Verhängnis beim Finanzamt werden.

Titelbild: ©LEX

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