Das Pflegestärkungsgesetz II sollte laut Bundesgesundheitsminister Gröhe (CDU) „ein Quantensprung für die Pflege in Deutschland“ sein. Das Ziel der Pflegereform: Pflegebedürftige erhalten in Zukunft mehr Geld. Der Pflegebedarf in Deutschland wird großflächiger abgedeckt. Unabhängig von der Art der Beeinträchtigung. Angehörige und Pflegekräfte werden entlastet. Gleichzeitig verfolgte die Reform das Ziel, die ambulante Pflege zu stärken. Zum 1. Januar 2017 trat das Gesetz in Kraft. Wie hat es sich bis jetzt bewährt?

Mehr Anerkennungen von Pflegefällen

Die Pflegereform hat im ersten Halbjahr von 2017 besonders in der Anerkennungsquote von Pflegebedürftigen ihre Wirkung gezeigt. Die Quote stieg von 75 auf 84 Prozent. Wie der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) mitteilte, erhalten seit Anfang des Jahres 280.000 mehr Menschen Leistungen in der Pflege. Außerdem wurden 57.000 Leistungsempfänger hochgestuft. Vom MDK heißt es in einer Pressemitteilung: “Das Pflegestärkungsgesetz wirkt. Vor allem Demenzkranke erhalten durch die neue Pflegebegutachtung einen gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung.”

Der Effekt ist umstritten

Doch die Reform ist umstritten. Dieter Käufer, Leiter des AWO Wolfratshausen, bewertet im Münchner Merkur die Demenzkranken in Heimen als “die klaren Verlierer” der Reform. Denn für die Betreuung eines Patienten im Heim braucht man mehr Personal als für ambulante Pflege. Und dem Umstand werde in dem neuen Begutachtungssystem keine Rechnung getragen. Das führt dazu, dass Heime Personal abbauen. Darunter leiden vor allem Patienten und Personal. Und obwohl Pflegebedürftige insgesamt mehr Geld erhalten, hat sich ihre persönliche Situation kaum verbessert. Denn viele Heime haben mit dem Jahreswechsel die Selbstbeteiligung erhöht. Sie rechtfertigten das mit erhöhten Investitionen. So ist für viele Pflegebedürftige die Veränderung kaum spürbar.

Die Kosten der Pflegereform

Auch die Beiträge zur Pflegeversicherung wurden ab 2017 angepasst. Eltern zahlen 2,55 Prozent, Kinderlose 2,8 Prozent. Bis zum Jahr 2022 soll der Beitrag stabil bleiben. Doch veranschlagt waren die Mehrkosten der neuen Reform mit 4,4 Milliarden Euro für das gesamte Jahr. Die tatsächlichen Zusatzausgaben belaufen sich breits zur Jahreshälfte auf 5,5 Milliarden Euro. Das entstehende Defizit  soll durch Rücklagen ausgeglichen werden. Experten rechnen laut Spiegel mit bis zu vier Milliarden Euro.

Dein Geld kann mehr

In Deutschland gibt es die so genannte Pflegelücke. Denn die staatlich Pflegeversicherung reicht nicht aus, um sich für den Pflegefall abzusichern. Deshalb ist eine private Pflegezusatzversicherung sinnvoll. Es gibt dafür drei Möglichkeiten: Die Pflegetagegeld-Versicherung, die Pflegerenten-Versicherung und die Pflegekosten-Versicherung. Hier ein Überblick:

  • Pflegetagegeld-Versicherung: Der Versicherungsnehmer kann die Höhe des Tagessatzes frei wählen. Das Tagegeld wird dann ausbezahlt, wenn die versicherte Person pflegebedürftig wird.
  • Pflegerenten-Versicherung:Der Versicherungsnehmer legt einen monatlich zu zahlenden Betrag fest. Wenn die versicherte Person pflegebedürftig wird, zahlt der Versicherer dem Pflegebedürftigen später auf dieser Basis eine lebenslange steuerfreie Rente aus.
  • Pflegekosten-Versicherung: Hier übernimmt der Versicherer für die Pflege einen vorher festgelegten Prozentsatz der tatsächlichen Kosten bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit.

Während viele Versicherer beim der Pflegetagegeld zunächst mit niedrigen Beiträgen locken, warnen Experten mittelfristig vor explodierenden Prämien. Deshalb sollten Versicherungssuchende sich nicht von geringen Einstiegsbeiträgen blenden lassen. Entscheidend sind die Leistungen. Und dass Pflege immer teurer wird: Darüber sind sich alle einig.

Titelbild: ©KION/Fotolia

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