„Dinge, die man beliebig überall kaufen kann, sehe ich nicht als bedarfsbezogene Produktlösungen für die persönliche Situation des Kunden, sondern als ein Verramschen unserer Produkte.“

Antwortete Ulrich Neumann, Leiter der Partnervertriebe der Gothaer unlängst in der hauseigenen Podcastreihe „Gothaer Persönlich“. Der Sachverhalt: Tchibo bietet nebst Kleidung, Geschirr und Bettwäsche nun auch Krankenzusatzversicherungen der HanseMerkur. Ein kluger Zug, um Kunden besser anzusprechen und neue Vertriebswege zu erschließen oder „ein Verramschen“ der Versicherungsprodukte? Wir schauen uns drei Kandidaten an.

Tchibo und der Kaffee(zu)satz

Tchibo ist längst kein simpler Kaffeehändler mehr. Die Hansestädter bieten in ihrem Onlineshop mittlerweile alles an. Vom Sommerkleid über Gasgrillwagen, von Wintermänteln über Ski und Snowboards bis hin zu Heimtrainern, Sportkleidung und Reisen. Nun ist Tchibo auch unter die Versicherungsvermittler gegangen. So bietet das Unternehmen auf der Webseite die Krankenzusatzversicherungen der HanseMerkur an. Direkt online abschließbar. Mit zweijähriger Laufzeit.

Aufmerksame Teetrinker fragen sich: Gab es da nicht ein Skandälchen? Und Ob! Denn Der Konzern bot bereits 2010 private Haftpflicht- und Tierhalter-Policen des Unternehmens Asstel an. Zwar sind diese von einer Erlaubnispflicht befreit, dürfen aber nur Kontaktdetails von Kundinnen und Kunden an Versicherer weitergeben. Selbst Verträge vertreiben – untersagt. Denn wer in Deutschland als Versicherungsvermittler tätig sein will, muss strenge Anforderungen erfüllen. Tchibo berief sich damals darauf, lediglich als Tippgeber tätig zu sein.

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Alles ziemlich zwielichtig und so klagten bereits 2009 mehrere Verbände Klage vor dem Landgericht Hamburg, um den Verkauf zu stoppen. Darunter der AfW-Bundesverband Finanzdienstleistung und der Wettbewerbsverein WiW. Das Ergebnis: Der Bundesgerichtshof entschied mit einem Urteil vom 29.11.2013 (Az.: I ZR 7/13) – das Geschäftsmodell war illegal. Die Aktivitäten der Hansestädter gingen über das Erlaubte hinaus. Nun hat Tchibo also den Wiedereinstieg ins Versicherungsgeschäft gewagt – und die erforderlichen Mindeststandards nachgeholt. Denn die Tchibo GmbH ist nun als Versicherungsvertreter nach § 34d Abs. 7 der Gewerbeordnung tätig. Das heißt auch, dass andere Tarife anderer Assekuranzen im Sortiment zu finden sind.

Teslas Rundumpaket

Schon immer Lust gehabt für Tesla zu arbeiten? Dann ist das Eure Chance! Denn für Berlin werden Experten für Kfz-Versicherungen gesucht. Zwei Vollzeitstellen für die Region Berlin-Brandenburg, als „Program Manager, Insurance Product & Underwriting (Europe)“. Was sich dahinter verbirgt?

Tesla will den europäischen Automarkt ordentlich durcheinanderwirbeln. Und neben Autos als Gesamtpaket Kfz-Versicherungsprodukte auf diesem Vertriebsweg anbieten. In Kalifornien ist der US-Automobilhersteller bereits unter die Versicherer gegangen.

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Zunächst ist also angedacht, vor allem den eigenen Kundinnen und Kunden eine Versicherung anzubieten. So gibt es in Kalifornien mittlerweile eine Autoversicherung direkt vom Hersteller beim Kauf eines Neuwagens dazu.

Warum der Autobauer auch Ambitionen als Versicherer zeigt, hat Konzernchef Elon Musk in einer Telefonkonferenz: Man habe schlicht einen Informationsvorsprung gegenüber den etablierten Autoversicherern. Denn Tesla verfügt über ausreichend Daten seiner Fahrzeuge und müsse schon “detailliertere Informationen” zu Sicherheitsfragen an Versicherer weitergeben, um ihnen bei der Berechnung von Monatsraten für die Autos zu helfen. Nun wolle man von den Informationen selbst profitieren.

Die gesammelten Informationen der Kundinnen und Kunden bieten einen weiteren Vorteil: sich als Rundum-Dienstleister zu etablieren. Die Autos lassen sich nach einem Unfall in Partner-Werkstätten beordern, zusätzliche Carsharing-Angebote per App versichern, Garantieleistungen für das gekaufte Auto über die Versicherung abwickeln.

Walmart fühlt auf den Zahn

Walmart macht seinen jüngsten Schritt in den Gesundheitsbereich mit einem eigenen Versicherungsgeschäft, teilte das Unternehmen auf seiner Website mit.

Der weltweit größte Einzelhändler hat eine Versicherungsagentur unter dem Namen “Walmart Insurance Services LLC” gegründet und sucht nach Vertretern in der Region Dallas, um ab August Medicare-Versicherungen zu verkaufen. Dies geht aus einem Beitrag auf seiner Karriereseite hervor. Der US-amerikanischer Einzelhandelskonzern betreibt derzeit vier Gesundheitszentren in den USA, die preisgünstige medizinische Dienstleistungen wie Zahnpflege und Beratung für Kunden anbieten.

Titelbild: © PhotoSG / stock.adobe.com

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