Die schlechten Nachrichten scheinen kein Ende zu nehmen, der Niedrigzins der Europäischen Zentralbank sorgt seit Jahren für Frust beim deutschen Kleinsparer. Während Oma und Opa die Wirtschaft verfluchen und schon einmal damit beginnen, den Sparstrumpf für das Weihnachtsfest der Enkel aus Kostengründen selbst zu stricken, lachen sich Besserverdienende ins Fäustchen und investieren lieber in Aktien und Immobilien.

Alles wird teurer

Das große Problem nämlich besteht in einem deutlichen Werteverlust auf klassische Sparanlagen. Kurz gesagt, wollen Europas Währungshüter  durch die anhaltend niedrigen Zinsen einer Deflation vorbeugen und die Konjunktur ankurbeln. In einem Zug gleichen plötzlich aber Renditen, die die Anlage auf Sparbuch, Tages- oder Festgeldkonto bringen, nicht einmal mehr den Wertverlust aus, der durch die Inflation verursacht wird. In der Praxis heißt das dann für alle, mein Erspartes wird zwar monatlich mehr, ist aber real weniger wert, da Miet- und Lebensmittelpreise sowie diverse andere Unterhaltskosten deutlich steigen.

Sparbücher und Tagesgeld

Nichtsdestotrotz ist für 52 Prozent der Deutschen das Sparbuch weiterhin eine der beliebtesten Formen der Geldanlage. Das zeigt der aktuelle „Sparerkompass 2015“, der im Auftrag der Bank of Scotland vom Marktforschungsinstitut forsa das Sparverhalten der Deutschen analysiert hat. Fast ebenso viele Verbraucherinnen und Verbraucher, nämlich 49 Prozent, legen ihr Geld außerdem auf einem Tagesgeldkonto an. Über ein Fest- oder Termingeldkonto verfügen zusätzlich 15 Prozent der Befragten.

 Lebensversicherungen: Klassiker der Altersvorsorge

Ähnlich verhält es sich bei Strategien der Altersvorsorge. Jeder zweite Deutsche besitzt eine klassische Lebensversicherung oder eine private Rentenversicherung und dann oft auch noch gleich mehrere. In Haushalten mit Kindern waren es 2015 gar 70 Prozent der Befragten, obwohl durch die seit Jahren im Tief dümpelnden Zinsen diese Anlageformen stetig unrentabler werden.
Bildschirmfoto 2016-04-15 um 16.57.05 (2)Für einen kurzen Moment schien es, als könnten Verbraucherinnen und Verbraucher aufatmen. Laut eines aktuellen Gesetzesentwurfs kündigte die Bundesregierung an, zum 01. Januar 2016 hin den Höchstrechnungszins – 5 Fakten dazu hier – abzuschaffen, der vom Bundesfinanzministerium festgelegt wird und bisher regelte, wie hoch die Zinsen auf die Sparanteile von Lebensversicherungsverträgen höchstens sein dürfen.

Der Bund der Versicherten befürchtet jedoch, dass durch die Gesetzesänderung zukünftig hauptsächlich neuartige und besonders intransparente Tarife angeboten werden könnten. Verbraucher würden dann zwar weiterhin an der Auszahlung des Höchstrechnungszinses beteiligt, aber da auch Überschüsse seit Jahren rückläufig sind und die Versicherer für alte Lebensversicherungsverträge mit noch sehr hohen Garantieverzinsungen tief in die Tasche greifen müssen, werden die Beteiligungen mit großer Wahrscheinlichkeit unverändert niedrig ausfallen und weiter sinken.

Das Prinzip „haben wir immer so gemacht“

Warum also halten die Deutschen weiterhin an ihren Verhaltensmustern fest? Ein Grund ist sicherlich die historische Erfahrung des sich „Gesund-Sparens“ der Nachkriegszeit sowie in internationalen Finanzkrisen. Dies ist jedoch kein Patentmittel. Die Börsenexperten der ARD nennen unbarmherzige Sparkurse in Zeiten von Rekordtiefen der Zinslage „zerstörerisch“. Gepaart mit einem Mangel an Risikobereitschaft, erlitten die Deutschen in den letzten fünf Jahren knapp 30 Milliarden Euro an Zinsverlusten. Runtergebrochen auf jedes Konto der Bundesbürger wären das 367 Euro pro Person. Das ist viel zu viel hart erarbeitetes Geld, um es zum Fenster heraus zu schmeißen. Wohin aber dann mit den Ersparnissen?

Es gibt Alternativen

Sie heißen unter anderem Eigentum und Aktien. Diese wecken nur bisher Ängste vor unkalkulierbaren Risiken. Ein Trugschluss, wenn man bedenkt, wer sich am bisherigen Spardiktat bereichert. Gemeinsam mit der Deutschen Bundesbank hat die Universität Mannheim herausgefunden, dass vor allem Bürger mit hohem Einkommen auf  Immobilien und Aktien als Formen der Vermögensvermehrung setzen. Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen wohnen in Deutschland überwiegend zur Miete, setzen auf kurzfristige Anlageformen wie das Tagesgeld und sehen ihrem Erspartem – ob der rasant wachsenden Kosten – damit praktisch beim Verfall zu. Wie in allen Lebensbereichen ist es also wichtig, Alternativen gegenüber offen zu sein, sich gut zu informieren, abzuwägen und zu vergleichen.

Schaffe, schaffe, Häusle baue

Artikel acht des schwäbischen Grundgesetzes untermauert im Kern die Erkenntnis, dass totes Kapital schnell in Eigentum umgewandelt werden sollte. Für Menschen, die also bereits Kapital besitzen oder Zugriff auf günstige Kreditoptionen haben, kann der Kauf einer Eigentumswohnung, eines Grundstücks oder eines Hauses eine attraktive Option darstellen, bei der

raum mit einem sessel mit tisch und lampe

eine hohe Rendite erzielt werden kann. Dabei müssen jedoch gründlich die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden.

Wer in Eigentum investiert, muss sich darüber bewusst sein, dass Immobilien das Kapital langfristig binden, also unter Umständen keinen Raum für andere Sparanlagen lassen. Zusätzlich ist die Lage ausschlaggebend. Aufstrebende Wachstumsregionen mit einer soliden Wertentwicklung sind eine Goldgrube. In weniger aussichtsreichen Gegenden sichert die Vermietung des Wohnobjekts aber zumindest eine regelmäßige Rendite.

Unverändert gilt darüber hinaus die alte Binsenweisheit: „Eigentum verpflichtet“. Langfristig fordern auch die gewinnbringendsten Immobilien definitiv die Investition von Arbeit und Zeit; weiß auch jeder guter Schwabe: „Kehrwoch isch immr“.

Risiko und Chancen von Wertpapieren

Aktien können in der Tat eine riskante Geldanlage sein, im Gegenzug versprechen sie dafür aber die höchsten Gewinne. Längst nicht alle sind dabei wie zwielichtige Sportwetten. Es gibt sehr sichere und riskantere Varianten. Sparer können ihr Risiko beispielsweise durch den Kauf von Fondsanteilen minimieren. Ein Fond ist wie ein Sammeltopf, bei dem mehrere Beteiligte gemeinsam investieren. Wichtig ist die Auswahl der Investitionen.

Wer etwa auf ein unbekanntes, neues Unternehmen setzt, kann bei plötzlichem Erfolg hohe Rendite erzielen, aber eben gleichermaßen tief fallen. Wer eher auf bereits bekannte Unternehmen oder gar Staatsanleihen setzt, wird in geringerem Umfang negativ überrascht. Dafür sind aber auch die Dividenden moderat.

Ohne Zweifel, es bleibt stets ein Restrisiko, aber Selbiges gilt ausnahmslos auch bei Banken und deren Spareinlagen, auch wenn viele hier lieber weghören. Es gilt die Faustregel, too big to fail ist keine Garantie, weder bei Banken, noch an der Börse.

Börse auch für Nicht-Börsianer

Im Falle von Kursabfällen fangen innerhalb eines Fonds alle Investoren den Verlust kollektiv auf und minimieren damit wiederum das Risiko. Für Menschen, denen es zu riskant ist, auf Kursentwicklungen von Firmen mit Wachstumspotential wie google oder Tesla zu setzen, ist es ratsam, sich ein Portfolio aus Aktien mit „sicherer“ Dividendenzahlung zusammenzustellen, das auch bei geringem Kapitaleinsatz eine breite Streuung möglich macht. Leider werden Dividendenzahlungen kurzfristig zugesichert und davon abgesehen müssen Verbraucher nichtsdestotrotz auf zwischenzeitliche Kursverluste gefasst sein.

Sich beraten lassen

Wem die Thematik insgesamt zu komplex ist, kann sich in der Bank seines Vertrauens beraten lassen oder die Geschäfte mit Wertpapieren zur Gänze in die Hände von unabhängigen Fachleuten legen. Im ersten Szenario fallen dann zwar Kosten beziehungsweise Provisionen an, bei guten Experten ist dies aber sinnvoll investiertes Geld. Die Schwierigkeit liegt hier allem voran darin, eine vertrauensvolle und kompetente Anlaufstelle zu finden.

Der Vorteil von bankeigener Beratung ist der Rückgriff auf Erfahrungswerte früherer Kunden. Aber gerade bei Banken ist es zusätzlich unerlässlich, Leistungen und Angebote zu vergleichen, denn ihre Finanzfachleute gelten laut diverser Studien als weniger erfahren und sind in der Regel an die Finanzprodukte des eigenen Hauses gebunden.

Altbewährtes bewahren

Wer auf sein Tagesgeldkonto trotzdem nicht verzichten möchte, sollte gezielt nach Neukundenangeboten mit Zinsgarantie suchen und gegebenenfalls nach Ablauf dieser Zeit zu einem besseren Angebot wechseln. Ebenso kann mit dem Festgeldkonto umgegangen werden: Sparer sollten hier gut vergleichen und ein Festgeld wählen, das zumindest die Inflationsrate übertrifft.  Auch hier bleibt Laien zunächst nur ein Vergleich übrig. Wer sein Geld hier jedoch mit zu langer Laufzeit anlegt, kann im Fall eines Zinsanstiegs nicht darauf zugreifen, um es zu besseren Konditionen anlegen zu können. Fachleute empfehlen eine Vertragslaufzeit von höchstens zwei Jahren.

Die Alternativen zeigen, dass zu den jetzigen Bedingungen klassische Sparanlagen einen schmerzhaften finanziellen Verlust bedeuten. Jeder Mensch, der sein Geld hart erarbeitet, sollte langfristig davon profitieren.

Immobilien, Aktien oder neue Sparbücher bieten hierfür Möglichkeiten. Welche Variante auch immer im persönlichen Fall am lukrativsten und passendsten ist, gemein haben alle Alternativen, dass es unabdingbar ist, Angebote, Leistungen, Erfahrungen und Kosten individuell miteinander zu vergleichen.

Dein Geld kann mehr

Wichtig ist, niemals auf nur ein Pferd zu setzen. Eine gesunde Mischung aus Immobilien, Aktien, Fonds und Spareinlagen können heute als sichere und verantwortungsvolle Methode gelten, sein Geld anzulegen. So kann sichergestellt werden, dass Verbraucher sich für ihre Mühen am Ende auch selbst belohnen, anstatt sich arm zu sparen.

Titelbild: © Tomasz ZajdaStatistik: GDV Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V., Bilder: 2mmedia,

 

 

 

 

 

 

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