“So krank ist ihre Lebensversicherung” titelte die BILD gestern und verspricht einen Rendite-Check von 75 Anbietern. Wenn man der Liste glauben schenkt, sind 20 Versicherer nicht in der Lage, ihre Rendite-Zusagen zu erfüllen. Um dies zu unterstreichen, sind diese in rot mit negativen Prozentzahlen zu Kapitalausstattung versehen. Die im Artikel zitierte Rating-Agentur Assekurata widerspricht dieser Darstellung deutlich.

“Assekurata weist darauf hin, dass es nicht sachgerecht ist, die Finanzkraft eines Anbieters alleine anhand dieser Kennzahl zu messen. Bei der Finanzkraft spielen viele Faktoren eine Rolle, welche sich nur mittels eines interaktiven Ratings seriös ermitteln und bewerten lassen,” heißt es in der gerade veröffentlichten Stellungnahme der Assekurata.

Die Kennzahl, die die BILD verwendet, stellt nur einen einzigen Wert dar. Dieser ist ohne Zweifel wichtig. Er stellt die Erträge, die ein Lebensversicherer aus den Kapitalanlagen seiner Kundengelder erwirtschaftet hat, den bestehenden finanziellen Auflagen der Lebensversicherer gegenüber. So entsteht der Eindruck, dass ein hoher Wert eine hohe „Finanzkraft“ widerspiegele und umgekehrt. 20 Unternehmen befinden sich demnach in der „Zins-Falle“.

Interpretation falsch

Auch wenn die Unternehmen sicher – da sind sich alle einig – vor großen Herausforderungen stehen, zeigt der angeführte Wert nur den Status Quo. Und eben nur einen Aspekt der Wirtschaftskraft der Unternehmen. Erstens stehen den Lebensversicherern noch weitere Kapitalanlageerträge zur Verfügung. Reichen die Erträge aus der Kapitalanlage nicht aus, können die Unternehmen auf weitere Einnahmequellen zurückgreifen, wie zum Beispiel Immobilienbesitz, Aktiengewinne des Unternehmens, Aktionärseinlagen und vieles mehr. Das kann Gesamtertrag deutlich stabilisieren.

Die Höhe der Kennzahl hängt außerdem davon ab, ob ein Versicherer 2015 einen großen Teil seiner festverzinslichen Anlagen auflösen konnte. Denn dann steht er tendenziell besser da. Und ganz entscheidend: Wie alt ist ein Unternehmen? Denn ein junger Lebensversicherer hat weniger oder keine Verträge mit hohen Garantiezinsen. Die Altverträge sind die “Übeltäter”, die den Unternehmen in der andauernden Niedrigzinsphase Kopfschmerzen bereiten. Und Lebensversicherer, die ausschließlich Risikolebensversicherungen vertreiben, sind ebenfalls in der Liste aufgeführt – sie leiden aber wenig bis gar nicht unter den niedrigen Zinsen, da die Verträge auf einen Risikobetrag und nicht auf eine laufende Auszahlung ausgelegt sind. In der Liste der BILD werden also Äpfel und Birnen miteinander verglichen.

EKG-Check bei der Lebensversicherung umfassender

In derselben Studie, die die BILD als Grundlage für ihren Artikel genommen hat, gibt es auch eine andere Kennzahl: die Ertragskraft und Garantien-, kurz EKG-Quote. Diese bezieht neben dem gesamten Kapitalanlageergebnis auch das Risikoergebnis, das übrige Unternehmens-Ergebnis und einen Teil der vorhandenen Bewertungsreserven ein. Die „Finanzkraft“-Kennzahl der BILD ist viel zu simpel, um eine wirkliche Beurteilung möglich zu machen.

Dein Geld kann mehr

Lebens- und Rentenversicherungen bleiben die wichtigsten Instrumente der privaten Altersvorsorge! Warum das so ist, zeigt Prof. Dr. Wagner, Leiter des Instituts für Versicherungslehre an der Universität Leipzig, hier einfach und verständlich.

 

Titelbild:©  Foto des BILD Titels/NewFinance, Video: © die Bayerische

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