Spätestens 2019 ist das Schlagwort „Cyber“ in aller Munde. Grund genug für Nikolaus (Nick) Sühr, CEO und Founder von KASKO, mit anderen Branchen-Experten über die Vorzüge, Erschwernisse und Möglichkeiten der Cyberversicherung zu sprechen. Im ersten Interview sprach er mit Philipp Marty von Baloise.

„Cyber muss wirklich dringend verbessert werden.“

Nick Sühr: Hi Philipp, kannst du unseren Lesern ein wenig erzählen über dich und das, was du tust?

Philipp Marty: Hi! Ich bin Philipp Marty und arbeite als Leiter des Produktmanagements für private Sach- und Haftschäden bei der Baloise Switzerland.

Nick Sühr: Was gab dir das Gefühl, jetzt sei die Zeit, auf Cyber-Versicherungen zu wetten?

Philipp Marty: Wenn du an Konferenzen, Vorstandssitzungen oder Boardmeetings teilgenommen hast, kommst du nicht drumherum festzustellen, wie groß das Thema Cyber ist. Versicherer müssen ihre Kunden schützen, ihre Bedürfnisse voraussehen und sie über Risiken und Lösungen aufklären. Es ist wie die „Einfach Sicher“-Strategie der Baloise – als Versicherer haben wir die Pflicht, die Leute darüber zu informieren, was ihnen bevorsteht.

Ich konnte sehen, dass meine Kunden nicht ausreichend geschützt gewesen wären, wenn ihnen jemand ihre Passwörter oder Bankdaten gestohlen hätte; wenn sie einem betrügerischen Online-Shop aufgelaufen wären; wenn ihr Computer durch schädliche Software beschädigt worden wäre; oder wenn sie Opfer von Cybermobbing geworden wären.

Dies ist keine Modeerscheinung von Influencern und Rückversicherern. Es besteht ein dringender Bedarf für Cyber, sich schnell zu verbessern.

Nick Sühr: Wie hat der Markt bisher reagiert?

Philipp Marty: Der Markt war bisher träge dabei, mit der aktuellen Nachfrage mitzuhalten. Aber in letzter Zeit haben sich die Anstrengungen beschleunigt, und der Markt für Cyberversicherungen wächst scheinbar jeden Tag. Es ist bezeichnend, dass nicht mehr nur unsere direkten Kunden interessiert sind. Uns wird ein bemerkenswert großes Interesse sowohl von unseren B2C- als auch von B2B-Netzwerken entgegengebracht, einschließlich Banken, Telekommunikationsanbietern usw.

Nick Sühr: Was denkst du, warum braucht der Markt so lange?

Philipp Marty: Versicherungen waren immer ein langsames Geschäft, und Cyber ist immer noch ein relativ neues Risiko. Wir sammeln weiterhin Daten darüber, wie diese Risiken adäquat abgedeckt und bewertet werden können. Die Risiken von Cyberangriffen ändern sich ständig und entwickeln sich stetig weiter. Dies wiederum verlangsamt den Prozess – mit jedem Angriff müssen wir mehr Fragen beantworten, aber die Antworten auf diese ermöglichen es uns, unsere Versicherung noch mehr auf die Bedürfnisse unserer Kunden abzustimmen.

Nehmen wir Hausversicherungen als Vergleichsbeispiel: Wir verfügen über einen großen Pool historischer Daten und Erfahrungen, auf die wir zurückgreifen können, wodurch wir Risiken viel leichter entgegenwirken können. Bei Cyber-Risiken müssen wir ständig lernen. Und wir, wie auch andere in der Branche, nutzen dieses neue Wissen, um die bestmöglichen Pläne für unsere Kunden zusammenzustellen.

Nick Sühr: Was kannst du tun, um den Uptake zu verbessern?

Philipp Marty: Entscheidend ist eine gute Kommunikation zwischen Risikobewertern und Vertriebsteams. Jeder muss genau wissen, was abgedeckt ist. Zudem brauchen wir mehr B2B-Partner und wir arbeiten an einer nahtlosen API-Integration.

Ursprünglich wollten wir ein Cyber-Versicherungsprodukt, das in vier Wochen stehen sollte, und unser erster Versuch war ziemlich gut. Nichtsdestotrotz, am Ende änderten wir jeden Monat das Produkt und die Konditionen, um alles richtig zu machen.

Nick Sühr: Wenn es um Cyber geht, welche Lektionen habt ihr als Versicherungsunternehmen für euch gelernt?

Philipp Marty: Die Bedeutung von Daten niemals zu unterschätzen. Sie ermöglichen es uns, eine hervorragende Cyber-Richtlinie für unsere Kunden zu entwickeln und zu bewerten. Die Verwendung einer Lösung wie die von KASKO ermöglichte es uns, schnell großartige neue Cyber-Produkte auf den Markt zu bringen. In dem Moment, als Daten zu uns zurück kamen, konnten wir unsere Produkte täglich verfeinern und verbessern.

„Die Nachfrage nach einer gut durchdachten Cyber-Versicherung für sicheres Surfen im Internet und Online-Zahlungen durchläuft eine schnelle Transformation.“

Nick Sühr: Hast du in der Zeit, als du Cyber-Versicherungen gepitched hast, interessantes oder überraschendes Feedback von potenziellen Kunden erhalten?

Philipp Marty: Wir haben unser Produktkonzept mit einem tatsächlichen Kundenfokus getestet. Wir haben eine Vielzahl von Cyber-Versicherungsprodukten gesehen, die rechtlich geschützt waren oder eine regionale Abdeckung hatten. Da sich das Internet jedoch weltweit erstreckt, konzentrieren wir uns auf Lösungen mit globaler Abdeckung.

Die generelle Resonanz war eigentlich ziemlich interessant. Die erste Reaktion der Menschen lautete: „Nein, danke, ich brauche keinen Cyber-Schutz.“ Mit zunehmender Bildung des Marktes über Cyber-Risiken, ändert sich die Denkweise jedoch schnell. Dies beinhaltet sowohl finanzielle Risiken als auch rechtliche Konsequenzen. Die Nachfrage nach einer gut durchdachten Cyber-Versicherung für sicheres Surfen im Internet und Online-Zahlungen durchläuft eine schnelle Transformation.

Nick Sühr: Was, denkst du, werden die nächsten Jahre bringen?

Philipp Marty: Es heißt ja, die einzigen zwei unvermeidbaren Dinge im Leben, seien der Tod und Steuern. Leider können wir dieser Liste noch etwas hinzufügen – viele neue, anspruchsvolle Cyberangriffe. Diese wiederum werden das Cyber-Risiko stärker bekannt machen.

Cyber-Angriffe können jederzeit an jedem Ort erfolgen. Im Gegensatz zu Einbrüchen, reicht es nicht, einfach in ein neues Haus umzuziehen, um eine Wiederholung zu verhindern. Das Internet ist zudem für unser modernes Leben zu wichtig, als das wir einfach auf seine Nutzung verzichten könnten.

Aber die gute Nachricht im Angesicht auftretender Angriffe und Probleme ist: Versicherungsunternehmen sollten und werden sich der Herausforderung stellen und neue und verbesserte Lösungen finden. Ich vermute, dass diese Policen so notwendig und vorherrschend sein werden wie die Hausratversicherungen, auf die wir uns heutzutage verlassen.

Nick Sühr: Ich bin froh, dass wir mit einem positiven Fazit enden konnten. Nochmals vielen Dank für deine Zeit und die Problemlösungen!

Titelbild: ©Philipp Marty

Philipp Marty
Philipp Marty ist End-to-End-Verantwortlicher für Sach / Haft Privatkunden (Haushalt, Gebäude, Rechtsschutz, etc.) und arbeitet seit 23 Jahren bei der Baloise in der Schweiz. In seiner jetzigen Tätigkeit hat er als erster Produktmanager ein Produkt auf Guidewire (Gebäudeversicherung) implementiert und innovative Deckungen wie die Sicherheitsbausteine in Haushalt und Gebäude erfolgreich eingeführt.

Dieses Interview erschien zuerst in englischer Sprache auf KASKOs Blog.

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