Das Insurtech-Start-Up Knip hat sich, wie es sich für ein Unternehmen aus der Digitalbranche gehört, dem Pokémon Go-Hype angeschlossen und eine Unfallversicherung für das Augmented-Reality-Spiel auf den Markt gebracht. Aus Sicht der Nutzer der App mag dies ein verlockendes Angebot sein, denn diese Police ist schließlich interessanter, anstatt eine gewöhnliche Unfallversicherung abzuschließen. Makler hingegen wittern schnell, woher der Knip-Wind weht und sehen in der Police eher einen Marketing-Gag als einen sinnvollen Schutz.

Rund 10 Millionen Menschen erliegen derzeit der Pokémon-Sucht. Und genau so viele sind stärker unfallgefährdet als zuvor. Die Pokémon-Police soll Unfälle, die durch Unachtsamkeit entstanden sind, abdecken. Bei Invalidität des Versicherten zahlt diese 30.000 Euro, im Todesfall 10.000 Euro und sofern der Interessent zum Knip-Neukunden wird, gibt es die Police bis Mitte August sogar kostenfrei, womit 35 Euro Jahresgebühr gespart werden können.

Was spricht gegen die Police?

Laut Versicherungsmakler Sven Hennig gibt es fünf plausible Gründe, wieso die von der Barmenia in Auftrag gegebene Pokémon-Police bei dem Insurtech-Unternehmen Knip nicht abgeschlossen werden und eine klassische Unfallversicherung vorgezogen werden sollte. Ganz hartnäckigen “Fällen” bietet er sogar 35 Euro, damit sie die Gag-Police nicht abschließen und sich von ihm stattdessen ausführlich beraten lassen und eine bedarfsgerechte Unfallversicherung vorziehen. (Quelle: Pfefferminzia.de)

      1. Der Versicherungsabschluss ist nur durch eine Anmeldung bei Knip und die Einwilligung eines Maklermandats des Start-Ups möglich. Dieses Mandat bedeutet, dass sich der Versicherte von seinem bisherigen Berater im “real Life” verabschieden muss und die Verträge ab jetzt ausschließlich durch das Insurtech-Unternehmen verwaltet werden. Bereits zu Beginn muss mindestens eine Police in der App sein, die dann von ihnen betreut wird.
      2. Und selbst wenn der Kunde von der digitalen Verwaltung und Betreuung eines Insurtech-Unternehmens überzeugt ist, rät Sven Hennig, die Angebote zu vergleichen. So bot Clark für eine Kundenempfehlung bis zu 150 Euro Prämie für den Werbenden. Insgesamt wurden nach dem Start der App vier Unfallversicherungen dieser Art (mit 35 Euro Jahresbeitrag) ins Rennen geschickt.
      3. Ein weiterer negativer Aspekt verbirgt sich in den Versicherungsbedingungen der Unfall-Police. Denn diese leistet nur bei Invalidität und somit muss eine dauerhafte Beeinträchtigung vorliegen. Dann greift die sogenannte Gliedertaxe, die gerade mal einen Bruchteil der maximalen Versicherungssumme ausmacht und den schlimmsten Fall, wie zum Beispiel eine vollständige Erblindung mit maximal 24.000 Euro abdeckt. Noch fragwürdiger wird es bei einem Hörverlust. Hier greift die Police bei einem einseitigen Hörverlust mit 50 Prozent und bei einem beidseitigem mit 80 Prozent der maximalen Versicherungssumme. Und selbst wenn man diese 24.000 Euro langfristig und mit jährlich drei Prozent Zinsen anlegt, entspräche dies gerade mal 720 Euro Zinsen jährlich und 60 Euro pro Monat.
      4. Bei einer klassischen Unfallversicherung wird dagegen eine weitaus höhere Auszahlungssumme bei Invalidität geleistet. Laut Hennig ist dabei der Irrglaube geläufig, diese sei viel zu teuer. Seine Beispiel-Rechnung: “500.000 Euro bei Vollinvalidität ist problemlos bei guten Bedingungen für 85 Euro Jahresprämie, also 7 Euro im Monat zu bekommen, verbesserte Bedingungen, mehr Leistung und weniger Ärger”, so der Versicherungsmakler.
      5. Für alle bereits Unfallversicherten gilt außerdem: Finger weg, von der Pokémon-Police! Denn meist greift diese bereits bei Unfällen, die durch das Pokémon Go-Spielen eingetreten sind. Hier sollten sich Kunden allerdings noch mal genauer über mögliche Ausschlüsse oder Einschränkungen bei ihrem Versicherer erkundigen.

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Titelbild: © thekob5123/fotolia

 

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