Am 03. November hat die Mediengruppe ProSiebenSat.1 am Abend überraschend eine Kapitalerhöhung angekündigt. Eine halbe Milliarde Euro sollen zusätzlich für Digitalzwecke investiert werden. Die Summe und die vage Erklärung für die Kapitalerhöhung haben die Anleger offenbar überrascht und das nicht auf eine positive Weise. Innerhalb von wenigen Tagen nach der Nachricht sank der Wert der Aktie von 40,00 Euro auf einen Stückpreis von 36,25 Euro. Für die Sendergruppe bedeutet das einen Tiefststand, wie es ihn zuletzt vor zwei Jahren gegeben hatte.

Dass der Kurs noch stärker sinkt, ist laut Expertenmeinungen trotzdem nicht zu erwarten: „Da ist wohl schon jemand vor der Kapitalerhöhung ausgestiegen“, zitiert die Anlegerseite von n-tv teleboerse.de einen Händler. Zudem seien die zusätzlichen Papiere in einem schwierigen Marktfeld äußerst schnell untergebracht worden. Dies könnte sich auf die weitere Entwicklung durchaus positiv auswirken.

Keiner glotzt TV

Das analoge Fernsehen wandert unaufhaltsam in die digitale Welt. Deshalb verknüpfen sich Sender und andere Medienkonzerne zunehmend mit Online-Plattformen und investieren, wie nun bei ProSiebenSat.1 geschehen, mehr Kapitial. Die Mediengruppe hat dafür bereits 2015 80 Prozent der Anteile des Online-Vergleichsportals Verivox erworben und sich bei den Partnerbörsen Elite-Partner und Parship Anfang 2016 den Großteil der Anteile gesichert.

Die Vergrößerung des digitalen Angebots zahlt sich aus: Der Konzernumsatz wuchs um 15 Prozent auf eine Summe von 857 Millionen Euro. Dass das Kapital grob gesagt für Digitalzwecke gedacht ist, macht also durchaus Sinn. Gerade auch weil die Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen der Sendergruppe Probleme bereitet. Ein Grund mehr das digitale Geschäft zu erweitern, gehören in diese Gruppe auch die Digital Natives, die Fernseher meist komplett gegen Tablet, Smartphone und Laptop tauschen. Eine genauere Erklärung hätte den Anlegern vermutlich trotzdem die anfängliche Skepsis genommen.

Junge Unternehmen sollen auf den Sender abfärben

Mit dieser Art der Investition reiht sich ProSiebenSat.1 in das Wettbewerbsumfeld weiterer Mediengruppen, die für den Markt bestimmend sind. Auch der Axel-Springer-Konzern ist in puncto digitale Aktivitäten laut Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner ein gutes Stück voran gekommen, schreibt teleboerse.de. Dabei sind knapp 85 Prozent der Werbeerlöse wohl auf das digitale Geschäft zurückzuführen. Anders als die ProSiebenSat.1-Gruppe hat Axel Springer sich im digitalen Bereich international aufgestellt und beteiligt sich unter anderem an „Business Insider“ einer Wirtschaftsinformations-Plattform.

ProSiebenSat.1 bleibt vorerst im deutschsprachigen Raum und wagt sich zudem an Start-ups. Großes Interesse hat der Konzern derzeit an dem Münchener Unternehmen Vitafy. Der Online-Shop vertreibt Ernährungsprodukte für den Fitness- und Wellness-Bereich, bisher in Deutschland und Österreich. Mit der zusätzlichen Investition im Digitalbereich begeht der Konzern also auch eine Art Verjüngungskur und fokussiert sich auf die Interessen der Zielgruppe und die sind vor allem eines – digital. Für Anleger bleibt das Papier des Medienkonzerns trotz jüngster Tubulenzen somit langfristig interessant.

Titelbild: © Khorzhevska – Fotolia

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