Willkommen zum dritten Teil der aktuellen KASKO-Versicherungsinterview-Serie, in der Gründer und CEO Nikolaus (Nick) Sühr Insidern Einblicke entlockt, die Sie anderswo nicht finden. In dieser Serie befragt er CEOs, Vordenker und Pioniere von InsurTechs über die Vorteile, Herausforderungen und Möglichkeiten der Cyber-Versicherung. Für das Interview sprach er mit Rajasree Variyar von Simply Business.

Nikolaus Sühr: Willkommen Rajasree! Magst Du uns etwas über dich erzählen darüber, was Du tust?

Rajasree Variyar: Ich bin Head of New Insurance Propositions bei Simply Business. Das bedeutet, dass ich die aufregende Aufgabe habe, die Ausweitung unseres aktuellen Versicherungsangebots auf neue Märkte und Produkttypen voranzutreiben. Dabei greife ich auf unserer Expertise in den Bereichen Kleinunternehmen und Vermieterversicherungen zurück.

Vor dieser Position war ich fast zehn Jahre in verschiedenen Bereichen der Industrie tätig, darunter Lebensversicherungen, Krankenversicherungen und gewerbliche Versicherungen.

Nikolaus Sühr: Uns interessiert Deine Meinung zu Cyber-Versicherung und warum wir uns gerade, Deiner Ansicht nach, an einem kritischen Punkt befinden.

Rajasree Variyar: Wir sind immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und die Cyber-Versicherung ist ein Bereich, den wir gründlich erkunden. Seit einiger Zeit schon ist dies ein Gesprächsthema in der Branche, und jüngste Untersuchungen zu den Auswirkungen von Cyber-Risiken deuten darauf hin, dass diese KMU wirklich betreffen. Es ist ein Kundenbedürfnis, für das das gesamte Team eine Lösung sucht.

„Vor allem bei mittelständischen und großen Unternehmen nimmt die Akzeptanz kontinuierlich zu und es gibt Anzeichen dafür, dass die KMU ihnen folgen.

Nikolaus Sühr: Und wie spiegeln die Märkte dieses Bedürfnis aktuell wider?

Rajasree Variyar: Je nachdem, wem man diese Frage stellt oder vielmehr, wo man sie stellt, erhält man eine andere Antwort. Vieles hängt von der Geographie ab. Die Einführung von Cyber-Versicherungen war auf dem britischen Markt eine träge Angelegenheit, langsamer als in den USA. Aus diesem Grund nähern wir uns als Unternehmen vorsichtig dem Markteintritt. Vor allem bei mittelständischen und großen Unternehmen nimmt die Akzeptanz kontinuierlich zu und es gibt Anzeichen dafür, dass die KMU ihnen folgen.

Nikolaus Sühr: Warum glaubst du, dass kleine Unternehmen bisher hinterherhinken?

Rajasree Variyar: Ich denke, das liegt zum großen Teil daran, dass das Bewusstsein für Cyber-Risiken und die Relevanz der Cyber-Versicherung für KMUs sehr gering ist. Insbesondere im Kleinstbereich des Marktes – für diejenigen mit weniger als zehn Mitarbeitern. Der Begriff „Cyber“ spiegelt nicht die Art und Weise wider, wie diese Unternehmen ihre Online-Aktivitäten sehen. Zum Beispiel erwarten sie, dass Cyber-Kriminalität Hacks von Daten großer Unternehmen beinhaltet und nicht Phishing-Betrug und E-Mail-Betrug.

„Ich denke, dies ist ein Beispiel für das mangelnde Bewusstsein des Marktes hinsichtlich der Bedeutung von ‘Cyber’ und der damit verbundenen Risiken.“

Nikolaus Sühr: Das ist verständlich, wenn die Berichterstattung über Cyber-Verbrechen in der Presse meist nur die großen Schockereignisse erfasst, die ‘DNCs’ und die ‘Ashley Madisons’. Was tut Ihr, um die Situation zu verbessern?

Rajasree Variyar: Wir möchten sicherstellen, dass das Produktangebot den Risikominderungsbedürfnissen des Cyber-Marktes genau entspricht und dabei in einem akzeptablen Preisrahmen bleibt. Ich denke auch, dass wir unbedingt eine Content-Strategie einsetzen müssen, um unsere Kunden für Cyber-Risikoprävention und -minderung zu sensibilisieren. Auf diese Weise können wir unsere Kunden über die Risiken aufklären, von denen sie in den täglichen Nachrichten nichts erfahren.

Nikolaus Sühr: Hast Du Feedback erhalten und war Überraschendes dabei?

Rajasree Variyar: Wir verbringen viel Zeit damit, den Markt zu beobachten und die Kundenbasis zu erforschen. Zu diesem Zeitpunkt denke ich, ist das vernünftig.

Es hat Überraschungen gegeben. Wir hatten Kunden, die sagen, dass sie E-Mail, Social Media und Cloud-basierte Speicher für ihre Geschäftsaktivitäten verwenden und trotzdem angeben, dass sie keine Online-Präsenz haben. Häufig, weil sie keine Online-Zahlungen entgegennehmen. Ich denke, dies ist ein Beispiel für das mangelnde Bewusstsein des Marktes hinsichtlich der Bedeutung von „Cyber“ und der damit verbundenen Risiken.

Nikolaus Sühr: Was wird Deiner Meinung nach das nächste Jahr oder die nächsten fünf Jahre für Cyber bringen?

Rajasree Variyar: Ich gehe voll und ganz davon aus, dass der Cyber-Markt im nächsten Jahr oder in den nächsten fünf Jahren wachsen wird. Ich erwarte jedoch, dass sich das Angebot ändern wird, wenn die Versicherer ein besseres Verständnis der Risikotypen und dem Aufkommen von Risiken gewinnen. Dabei werden hoffentlich diejenigen Aspekte des Cyber-Risikos berücksichtigt, die nicht unbedingt auf böswillige Aktivitäten zurückzuführen sind. Ich denke, dass dies ein adäquateres Angebot für KMU und Mikro-KMU sein wird.

Nikolaus Sühr: Rajasree, vielen Dank für das Interview!

Titelbild: © Rajasree Variyar

Rajasree Variyar
Rajasree ist preisgekrönte Versicherungsfachfrau mit einer “geht-nicht-gibt’s-nicht”-Einstellung und weitreichenden Erfahrungen in der Kontrolle von Schlüssel-Metrics. Nach einem beruflichen Werdegang im Produktmanagement und der Produktentwicklung namhafter Versicherer, ist Rajasree heute Head of New Insurance Propositions bei Simply Business. Und verantwortet somit die Markt- und Produktausrichtung des Unternehmens.

Dieses Interview erschien zuerst in englischer Sprache auf KASKOs Blog.

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