Im Schuljahr 2014/2015 wurden an deutschen Schulen insgesamt fast 2,8 Millionen Schüler gezählt. Geht es nach dem Statistischen Bundesamt, sind die 950.000 Realschüler schon jetzt von Armut bedroht, wenn sie nicht einen höheren Abschluss als den Realschulabschluss wählen. Denn dieser wird als niedrige Qualifikation angesehen.

Je höher der Abschluss, desto besser die Verdienstchancen

Wie für fast alle Bereiche des Lebens gibt es auch eine EU-Definition für Armutsgefährdung. Als “armutsgefährdet” gilt, wer mit weniger als 60 Prozent des geschätzten Medianeinkommens auskommen muss. Hier spielen aber auch noch zwei weitere Sozialindikatoren eine bedeutende Rolle. Als armutsgefährdet gilt auch, wer erhebliche materielle Entbehrungen erleiden muss oder aus einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbstätigkeit kommt. Und hier schließt sich der Kreis, denn Deutschland zählt zu den Spitzennationen in der Produktion hochwertiger Güter. Deshalb werden vor allem Fachkräfte gesucht, die mindestens Abitur oder sogar einen Hochschulabschluss haben und anschließend mit einem guten Gehalt rechnen können. Für Schüler mit einem Hauptschul- oder Realschulabschluss bleiben in vielen Fällen nur Berufe im Dienstleistungssektor, die erheblich niedrigere Löhne bieten. Verdient dann nur ein Mitglied der Familie oder handelt es sich um einen Alleinstehenden, sind die Kriterien für Armutsgefährdung nach EU-Definition sehr schnell gewährleistet.

Erhöhtes Armutsrisiko in den neuen Bundesländern

60 Prozent des Medianwertes entsprechen 917 Euro im Monat. Diese Summe und zum Teil geringere Löhne sind gerade für Berufe aus dem Dienstleistungsgewerbe ein normaler Monatsverdienst. Das macht sich später auch bei der Rente bemerkbar, wodurch immer mehr Pensionäre von Altersarmut gefährdet sind. Im Osten des Landes liegt die Armutsquote bei 19 Prozent, im Westen sind es immerhin noch 15 Prozent. Das bedeutet im Bundesdurchschnitt 15,4 Prozent. Und obwohl im deutschen Bildungsatlas die pro-Kopf-Ausgaben der Bundesländer in den östlichen Bundesländern am höchsten sind, sind hier die Chancen, einen technischen Beruf zu finden, geringer. Der Bildungsmonitor 2015 hat zudem ergeben, dass die Schulqualität in den neuen Bundesländern sehr hoch ist. An erster Stelle steht hier Sachsen mit 95 von 100 möglichen Punkten, gefolgt von Bayern und Sachsen Anhalt.

Wie Bildung bezahlbar wird

Bildung ist teuer. Das könnte einer der Hauptgründe sein, dass viele Schüler bereits nach der Realschule eine Berufsausbildung anstreben. Jedoch erhöhen sich mit einem höheren Abschluss auch die Chancen auf einen besser bezahlten Beruf. Neben den Rentnern sind laut Auskunft der Sozialverbände ganz besonders Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende und körperlich oder geistig beeinträchtigte Menschen von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Gefordert werden deshalb Programme, die sich gerade an Bildungsverlierern, Rentnern und Alleinerziehenden orientieren. Finanzdienstleistern haben bereits auf die gestiegenen Bildungserwartungen mit speziellen Studentenkrediten reagiert, die ein relativ sorgenfreies Studium und einen höheren Abschluss ermöglichen.

Titelbild: © Djiduha

 

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