Ende Juni hat der Deutsche Bundestag neue Regeln zum Vertrieb von Versicherungen beschlossen. Mit dem sogenannten IDD-Beschlusses sind auch neue Regeln für Restschuldversicherungen (RSV) entstanden. Die Regierung lobt ihren Vorstoß, während die Änderungen der Opposition und den Verbraucherschützern nicht weit genug gehen. Und der Verbraucher? Der ein oder andere versteht nur Bahnhof. Und fragt sich: Was in Gottes Namen ist eine Restschuldversicherung und was hat es mit den neuen Regeln auf sich?

Mehr Sicherheit bei der Kredit-Rückzahlung

Leihen Menschen sich Geld, gehen sie als Kreditnehmer mit dem Kreditgeber einen Vertrag ein. Sie verpflichten sich, die geliehene Summe bei einer bestimmten Zinshöhe innerhalb eines festgelegten Zeitraumes zurückzuzahlen. Das Kreditinstitut bekommt dank der Zinsen nach der vereinbarten Zeit einen höheren Geldbetrag zurück, als er dem Schuldner geliehen hat. Ein Gewinn also für den Kreditgeber.

Doch in dieser Zeit kann einiges passieren. Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Tod erschweren oder verhindern eine vertragsgerechte Fortzahlung der Raten. Gegen solche Fälle kann sich der Schuldner mit einer RSV absichern. Und die Kreditinstitute sehen dies gern.

Die Höhe der monatlichen RSV bemisst sich an vier Kriterien:

  • Alter der des Versicherten
  • Versicherungssumme
  • Versicherungsumfang
  • Laufzeit des Darlehens

Die Prämie zur RSV wird auf den Kreditbetrag aufgeschlagen. Die Bank kooperiert in der Regel mit einer Versicherung. Es handelt sich bei Kredit und RSV um zwei voneinander zu trennende Produkte von zwei verschiedenen Anbietern, die hier verschmelzen. Die Folge: Die Prämie der Restschuldversicherung fließt nicht in den effektiven Jahreszins des Kredites ein. Dabei sind die unterschiedlichen Kosten im Vertrag nicht deutlich getrennt ausgewiesen. Die RSV bekommt der Kreditnehmer ohne eigene Beratung quasi mit untergeschoben. Kritiker bemängeln, dass die Kreditlast durch eine RSV um bis zu 20 Prozent steigen kann. Dabei ist sie ist nicht obligatorisch. Jeder Kreditnehmer kann sie auch getrennt vom Vertrag bei einem Anbieter seiner Wahl abschließen.

Mehr Transparenz: “richtig und wichtig”

Ziel der neuen Regularien ist es, sich auf eine allgemeingültige Transparenz- und Beratungspflicht zu einigen. Mehr Schutz für Verbraucher. Laut Barbara Lanzinger von der Unionsfraktion sind Restschuldversicherungen nicht per se schlecht. Der Verbraucher müsse nur wissen, welches Produkt er kauft und welche Kosten damit verbunden sind. Außerdem habe er ein Recht darauf, seine Widerrufsrechte zu kennen.

Für Nicole Maisch von Bündnis90/Die Grünen geht die Transparenz nicht weit genug. Sie fordert sogar ein zweites Preisschild, das den Effektivzinssatz einmal mit und einmal ohne Restschuldversicherung ausweist. “Dann sehen die Kunden schwarz auf weiß, wie ihnen das Geld aus der Tasche gezogen wird”, so Maisch.

 

Titelbild: (c) freephotos

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