Riskante Berufsbilder

Die Wahrscheinlichkeit zwischen 20 und 50, noch vor Rentenantritt berufsunfähig zu werden, liegt laut Berechnungen der Deutschen Aktuarvereinigung zwischen 34 und 43 Prozent. Hauptgrund hierfür sind bei Männern wie Frauen psychische Störungen. Das Risiko, den Beruf frühzeitig aufgeben zu müssen, unterscheidet sich je nach Berufsbild stark. Während zum Beispiel Physiker (3,6 %) und Ärzte (4,1 %) nur einen sehr geringen Anteil der Erwerbsunfähigkeitsrenten ausmachen, ist das Risiko unter anderem für Dachdecker, Maurer, Zimmerer, Fleischwarenhersteller, Bergleute und Pflasterer sehr hoch. Den größten Anteil von 52,5 Prozent macht dabei der Beruf des Gerüstbauers aus.

Problematisch dabei: Gerade für den risikobehafteten Berufen sind die Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung natürlich wesentlich höher, als in den weniger riskanten Jobs. Sichert sich ein Diplom-Ingenieur für eine BU-Rente mit 1.500 Euro ab, zahlt er je nach Anbieter rund 130 Euro ein. Ein Maurer muss für dieselbe Rente einen Beitrag von über 400 Euro zahlen. Ausgerechnet diejenigen Berufsgruppen, die dringend eine gute Absicherung benötigen, können es sich also oft nicht leisten. Oft lehnen Versicherungen sie aufgrund ihres Berufes von vornherein ab.

Mach mehr aus Deinem Geld

Natürlich ist die Berufsunfähigkeitsversicherung eine empfehlenswerte und leistungsstarke Lösung zur Vorsorge. Das stellen unter anderem Stiftung Warentest, die Verbraucherschutzzentralen und der Bund der Versicherten klar. Doch auch andere Lösungspakete sind, gerade für die eben erwähnten risikobehafteten Berufsgruppen, eine erfolgreiche Alternative. Individuelle, maßgeschneiderte Absicherungen sind einfach wirksamer.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) ist ein mit der BU verwandtes Produkt, dessen Versicherungsschutz aber merklich weniger Leistungen bietet. Sie erbringt im Gegensatz zur BU die versicherten Leistungen erst dann, wenn der Versicherte so geschädigt ist, dass er auf keinen Fall mehr arbeiten kann. EUs werden üblicherweise als komplett eigenständige Police und auch als Zusatz zu Risiko-Lebensversicherungen angeboten.

Dread Disease-Versicherung

Die Dread Disease-Versicherung hat weniger damit zu tun, ob der erlernte Beruf noch ausgeübt werden kann, sie leistet bei Eintreten respektive bei Diagnose einer schweren Krankheit. Die Schwere-Krankheiten-Versicherung schützt dann ab sofort vor den finanziellen Folgen von über 40 Krankheiten. Dabei besteht allerdings selten Schutz vor „üblichen“ Krankheitsbildern wie Rheuma oder psychischen Leiden. Sie leistet, wenn den Versicherten eine schwere Krankheit wie Krebs, Herzinfarkt, Multiple Sklerose, Schlagfall oder Demenz trifft.

Grundfähigkeitsversicherung

Auch die Grundfähigkeitsversicherung ist keine echte Alternative zur BU. Sie bietet weder eine erleichterte Gesundheitsprüfung, noch ist sie wesentlich preisgünstiger. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn der Versicherte im Vertrag definierte „Grundfähigkeiten“ wie den Einsatz der Hände, die Sehkraft oder die Sprache verloren hat. Nur wenige Versicherer bieten diese Grundfähigkeitsversicherung an. Sie ist entweder als Zusatz zu einer Risiko-Lebensversicherung oder als eigenständiges Produkt abschließbar.

Pflegeversicherung

Eigenständige Pflegepolicen gibt es üblicherweise in drei unterschiedlichen Varianten. Während private Krankenversicherer Pflegekosten- sowie Pflegetagegeldversicherungen anbieten, greifen private Lebensversicherer auf sogenannte Pflegerenten zurück. Die Pflegetagegeldversicherung leistet einen bestimmten täglichen Beitrag, sobald der Pflegefall anerkannt wurde. Die Pflegekostenversicherung sichert hingegen bis zu einem bestimmten Höchstbetrag die anfallenden Kosten für die Pflege ab. Die dritte Variante, die Pflegerente, zahlt eine monatliche Rente aus, die von der jeweiligen Pflegestufe abhängig ist. Mehr zur Pflegeversicherung hier.

Funktionelle Invaliditätsabsicherung

Eine günstige Alternative zur BU ist die funktionelle Invaliditätsabsicherung, auch als Existenzschutzversicherung, Körperschutzpolice oder Multirente bezeichnet. Sie stellt eine Kombination aus Dread Disease und Unfallversicherung dar. Sie setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen, die sich je nach Anbieter unterscheiden. Leistungen aus Grundfähigkeitsrente, Pflegerente, Organrente und Unfallrente werden von fast jedem Anbieter abgedeckt. Ein Ersatz für die Unfallversicherung ist die funktionelle Invaliditätsabsicherung jedoch auf keinen Fall. Im direkten Vergleich kann die Existenzschutzversicherung nicht mit der Berufsunfähigkeitsversicherung mithalten. Denn sie verfügt über ein wesentlich kleineres Leistungsspektrum. Die im Vertrag festgelegten medizinischen Kriterien müssen genau erfüllt sein, damit die Versicherung greift. Im Normalfall deckt sie keine Invaliditätsleistungen nach einer erfolgreichen Behandlung von Depressionen oder Burnout ab. Doch für Berufsgruppen, die körperlich oder handwerklich gefordert sind, kann sie eine günstige alternative Absicherungsform sein. Einige Versicherer bieten auch die spätere Aufstockung zur BU-Versicherung an.

Je älter Arbeitnehmer werden, desto teurer wird der Abschluss einer Versicherung, die gegen Berufsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit oder Grundfähigkeit versichert. Fragen zu Gesundheitsangaben müssen unbedingt immer wahr und vollständig beantwortet werden, bei einem schwierigeren Gesundheitszustand empfiehlt sich unbedingt eine individuelle Beratung.

Titelbild: © Andrey Bandurenko

 

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