Der Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge mit hoher Steuerersparnis: Das Hauptargument beim Verkauf der Rürup-Rente. Besonders Selbstständige, die weder in die gesetzliche Rentenversicherung noch ein Versorgungswerk einzahlen, sollen von dem Steuervorteil profitieren. Aber auch Angestellte oder Beamte können dieses Modell abschließen.

Funktionsweise Rürup: Vor- und Nachteile

Im Vergleich zu anderen staatlich geförderten Produkten ist der maximal geförderte Betrag hoch. Für das Jahr 2015 werden bis zu 22.172 Euro für Singles beziehungsweise 44.344 Euro für Ehepaare vom Finanzamt zusammen mit Beiträgen für gesetzliche Rentenversicherung und berufsständische Förderwerke anerkannt. 80 Prozent können als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Jedes Jahr erhöht sich dieser Anteil um zwei Prozent, so dass in 2025 100 Prozent der Beiträge von der Steuer absetzbar sind.

Im Gegenzug sind die Rentenzahlungen ab Rentenbeginn entsprechend des individuellen Steuersatzes voll zu versteuern – ganz analog der gesetzlichen Rentenversicherung.

Als Nachteil des Produktes muss ganz klar die Starrheit und Unflexibilität genannt werden. Die Sparer sind ähnlich eingeschränkt wie die gesetzliche Rentenversicherung. Es gibt keine Möglichkeit, Geld aus dem Vertrag zu entnehmen – auch nicht, wenn es um einen Teilbetrag geht. Das Geld ist fest im Vertrag gebunden. Zum Ablauf ist zudem nur eine lebenslange Rentenzahlung möglich. Ein Kapitalwahlrecht gibt es nicht.

Der Schein trügt

Neben den steuerlichen Gesichtspunkten wird oftmals die Pfändungssicherheit positiv angeführt. Allerdings kann dieses Argument der Versicherer trügen. In Werbeprospekten wird durchaus leichtfertig mit dieser Zusage umgegangen, denn der Bundesgerichtshof entschied, dass die Rürup-Rente von Hause aus nicht zu den vor Pfändung geschützten Versicherungsverträgen gehört.

Während der Ansparphase sind die Verträge nur innerhalb bestimmter Grenzen pfändungssicher, wenn alle Voraussetzungen der pfändungssicheren Altersvorsorge nach § 851 c der Zivilprozessordnung erfüllt sind. Die pfändungssicheren Grenzen in der Ansparphase und auch später in der Rentenphase sind gering und im Gesetz über die pfändungsfreie Altersvorsorge Selbstständiger geregelt. Diese Beträge sind weit niedriger, als die Höchstbeträge, die steuerlich absetzbar sind. Des Weiteren befreit eine Pfändung der Rente den Versicherungsnehmer nicht von der Pflicht, darauf noch Steuern zahlen zu müssen. Dann droht eine Überschuldung im Alter.

Bei der Einführung der Rürup-Rente wurde laut BGH nicht an Pfändungsschutz gedacht. Gläubiger oder Insolvenzverwalter können über das Vollstreckungsgericht hoheitlich pfänden lassen. Im schlimmsten Fall kann das komplette beim Versicherer gebildete Vermögen weg sein.

Titelbild: © Halfpoint

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