Sneaker begleiten uns täglich auf den unterschiedlichsten Wegen: Zum Sport, auf Festivals, im Urlaub, auf Reisen und mittlerweile sogar in die Arbeit. Weiße Sneakers zum Anzug? Kein Problem. Klar, dass die Treter sich mit der Zeit abnutzen. Doch wohin mit den ausgelatschten Dingern?

Das Geschäft mit den Schuhen

Weltweit werden jedes Jahr 24 Milliarden Paar Schuhe produziert und allein in Deutschland landen 10.000 Tonnen davon im Müll. Ein Mann, der etwas dagegen hat, heißt Hagen Matuszak. Beruflich ist der gelernte Orthopädie Schuhmacher in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Der Junior denkt aber einen Schritt weiter und macht das Familien-Handwerk zukunftsfähig. Mit „Sneaker Rescue“ hat sich Matuszak darauf spezialisiert alte, kaputte Sneakers zu reparieren. Und trifft damit einen Nerv.

Erfolgsformel Vintage + Sneakers + Nachhaltigkeit

Dass sich mit Sneakern Geschäft machen lässt, ist unübersehbar. Der Schuh, der ursprünglich als Sportschuh gedacht war, ist mittlerweile standardmäßig in den verschiedensten Ausführungen bei fast jeder Marke erhältlich. Ein Lifestyle-Produkt, das futuristisch designed auch in den Schaufenstern von Gucci, Dolce & Gabbana und Valentino einen prominenten Platz findet. US-Musiker wie Kanye West und Rihanna haben eigene Sneaker-Linien kreiert und machen den beliebten Sportschuh damit zum Fashion-Symbol. Es gibt sogar eine internationale Messe, die sich ausschließlich um den Kult-Schuh dreht: Die Sneakerness. Unzählige junge Menschen drängen sich hier in Konzertatmosphäre um die neue Ware – stets auf der Suche nach dem neuesten IT-Piece.

In der Popkultur werden sie schon lange besungen – die schicken Sneakers, die den Style komplett machen:

„Nikes on my feet make my cypher complete“ (US-RAPPER MAC MILLER, RIP)

Oder zynisch wie bei Deutsch-Rapper Marteria:

„Ich hab‘ dem Teufel meine Seele verkauft, gegen ein paar neue Nikes eingetauscht.“

Hagen Matuszak bildet mit „Sneaker Rescue“ einen Gegenpol zur Konsum-Kultur und hat damit eine Marktlücke für sich entdeckt: Er flickt gerissene Stoffe, färbt Schuhe neu ein, erneuert das Innenfutter oder tauscht brüchige Sohlen aus. Im Schnitt kostet eine Reparatur bei „Sneaker Rescue“ fünfzig Euro, Rückversand inklusive. Zugegeben, ein Schnäppchen ist das nicht. Aber rein ressourcentechnisch ist es um ein Vielfaches „günstiger“ als den Schuh neu zu produzieren. Wasser, Chemikalien und Rohstoffe wie Gummi, Leder und Kunststoff werden so eingespart.

Treuen Begleitern neues Leben schenken

Für manche von uns haben Schuhe durchaus einen emotionalen Wert: Immerhin begleiten sie uns tagein tagaus auf Schritt und Tritt. Wer an seinen täglichen Weggefährten hängt und sich nicht trennen möchte, kann zu Hagen in die Werkstatt kommen. Alternativ kann man ihm das ausgediente Paar Schuhe auch per Post zuschicken. Mittlerweile kommen Lieferungen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sein Ziel: Jeden Schuh so auszubessern, dass am Ende der Unterschied zum neu produzierten Markenschuh nicht mehr erkennbar ist. Das Fair Trade-Label Ethletics liefert hierfür nachhaltige Materialen aus zertifizierter Biobaumwolle. Auch die Pflegeprodukte wie Schuhcreme bezieht Sneaker Rescue regional von dem Berliner Traditionsunternehmen Collonil.

Ein Zeichen gegen Überkonsum

Seit diesem Jahr spendet Sneaker Rescue vom Erlös jeder Sneakerreparatur 1 € an den gemeinnützigen Verein Südwind. Dieser setzt sich seit mehr als 30 Jahren weltweit für wirtschaftliche, soziale und ökologische Gerechtigkeit ein. Eines der Projekte schafft verbesserte Arbeitsbedingungen für die Schuhproduktion. Somit schließt sich der Kreis und ein Teil der Reparatureinnahmen der „Sneaker Rescue“ landen bei den ArbeiterInnen, die neue Schuhe herstellen. Damit trifft der gelernte Orthopädie Schuhmacher den aktuellen Zeitgeist wie nur wenige Startups.

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Titelbild: © splitov27 / stock.adobe.com

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