Kaum eine Meldung erzeugte im vergangenen Jahr in der Branche mehr Resonanz als der geplante Verkauf des Vergleichers Softfair. Es sollte der große Coups der Fonds Finanz Chefs Norbert Porazik und Markus Kiener werden. Der ambitionierte Plan: Man wollte Softfair zu einer AG umwandeln und in möglichst vielen kleinen Anteilen an Versicherer, Pools, Vertriebe und andere Marktteilnehmer verkaufen. Knapp neun Monate später aber die große Wende. Denn der geplante Deal ist vom Tisch. Die offizielle Begründung: „nicht akzeptable Bedingungen“ der eingegangenen Angebote, wie es von Seiten der Softfair Konzernmutter Finanzsoft am Montag hieß

Nachfrage zu gering?

Zur Anzahl der Bieter äußerte sich Finanzsoft zunächst nicht. Aus dem Markt war jedoch zu hören, dass insgesamt nur zwölf Gebote eingegangen sein sollen. Wenn das zuträfe, wäre das Ziel, bis zu 100 Marktteilnehmer zu gewinnen, deutlich verfehlt worden. Spannend ist vor dem Hintergrund auch, dass Porazik noch im September 2019 gegenüber der Procontra erklärte: „Ein Direktversicherer möchte nur über seine Muttergesellschaft einsteigen. Ansonsten sind uns keine Versicherer bekannt, die nicht mitmachen wollen.“

Echo aus dem Markt

Aber wie reagiert eigentlich der Markt auf die aktuellsten Entwicklungen? Aus dem Kreise der befragten Entscheider der Branche hielten sich auf Anfrage hin viele bedeckt und wollten sich nicht äußern. Einige Stimmen konnten wir aber dennoch einfangen.

Dr. Klaus Möller / Foto: defino

Dr. Klaus Möller, DEFINO, drückt es salomonisch aus, aber ist mit dem Ergebnis offenbar nicht unzufrieden: „Softfair ist eine der führenden Marken im Bereich des Ratings und des Produktvergleichs von Versicherungen. Das höchste Gut eines solchen Unternehmens ist seine Neutralität und Unabhängigkeit von denen, die es bewertet.“

Markus Kruse / Foto: assekurata

Markus Kruse, assekurata Solutions, erklärte: Aus meiner Sicht zeigt dieser Vorgang zunächst nur, dass es offenkundig schwierig ist eine gemeinsame Sicht unter allen relevanten Beteiligten zu entwickeln. Welche Gründe hierfür im Detail ausschlaggebend sind, bleibt ungewiss, beziehungsweise wird aus den bisherigen Meldungen auch nicht deutlich. Insofern ist aus unserer Sicht auch die weitere Entwicklung dieses Themas nur schwierig einzuschätzen.“

Dr. Sebastian Grabmeier / Foto: JDC

Dr. Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender Jung, DMS & Cie., sieht keine größeren Implikationen in dem Vorgang: „Die Absage der Transaktion heißt doch nur, dass die jeweiligen konkreten Bedingungen für die individuellen (potentiellen) Vertragspartner nicht gepasst haben. Ich denke nicht, dass sich daraus eine Ableitung auf die Gesamtbranche machen lässt.“

„Die Erkenntnis, dass Unabhängigkeit ihren Preis hat, ist allerdings eine nicht neue und manchmal unbequeme Wahrheit.“ Dietmar Diegel, Vorstand CHARTA AG

Dietmar Diegel / Foto: Charta

Dietmar Diegel, Vorstand CHARTA AG, wertet den geplatzten Deal als eine verpasste Chance für die Branche:

„Ob das Scheitern angesichts der Größe, Tragweite und Komplexität des Vorhabens tatsächlich überraschend kam, sei dahingestellt. Unter dem Strich ist es – unabhängig von den spezifischen Interessenlagen – aus meiner Sicht kein gutes Signal. Eine branchenweite Lösung zum Datenaustausch wäre eine wichtige Voraussetzung zur Digitalisierung des Marktes. Und die wird kommen – die Frage ist nur wann und von wem.

Mit Blick auf die oben genannten Eigenschaften des Vorhabens und die damit verbundenen Investitionen ist eine branchenweite Initiative, die maßgeblich von einer Vielzahl von Versicherungsgesellschaften und großen Marktteilnehmern getragen werden müsste, vorteilhafter, als es die Alternativen sind. Diese bestehen aus meiner Sicht zunächst darin, dass hier weiter an Insellösungen gearbeitet werden, deren Nutzung zu teils kritischen, individuellen Abhängigkeiten führt.“  

Mit Blick auf die Zukunft gibt Diegel zu bedenken: 

„Langfristig sehe ich die Gefahr, dass ein solches Vorhaben tatsächlich von einem einzelnen, großen Marktteilnehmer realisiert und durchgesetzt wird, der dann als „man in the middle“ eigene Bedingungen formuliert und sich nachhaltig zwischen den Vermittler (oder die Pools und Verbünde, denen sie angeschlossen sind) und die Versicherungsgesellschaften stellt. Die aus einem solchen Szenario resultierenden Abhängigkeiten beurteile ich negativer, als die hier – zumindest in der Außendarstellung – angestrebte Allianz vieler unabhängiger Teilnehmer. Die Erkenntnis, dass Unabhängigkeit ihren Preis hat, ist allerdings eine nicht neue und manchmal unbequeme Wahrheit.“  

Hans Peter Wolter / Foto: VSAV

Hans Peter Wolter, Mitglied im Beirat des VSAV e.V., sieht in dem Scheitern einen normalen marktwirtschaftlichen Prozess ohne größere Signalwirkung: „Strategische Gedankenspiele beim Kauf oder Verkauf eines Unternehmens gibt es immer. Und die kommen selten in Gänze ans Tageslicht. Welches Ziel der kleinteilige Verkauf auch immer haben sollte, der Markt mit all seinen komplexen gegenseitigen Verknüpfungen hat das Vorhaben nicht akzeptiert. Das ist weder gut noch schlecht, so funktioniert einfach marktwirtschaftlicher Wettbewerb. Sollten wirklich Marktstandards gesetzt werden, so geht dieser Prozess nur im Konsens mit den anderen Branchenteilnehmern und Mitbewerbern.“

Tino Skraback / Foto: Resultate Institut

Tino Scraback, Mitinhaber der ZVO GmbH, erkennt im geplatzten Deal ein symptomatisches Verhalten der Branche: „Softfair damals zu kaufen war ein sehr cleverer Schachzug. Dann zu sagen, dass sie eine Brancheninitiative starten und Anteile an Softfair zu verkaufen, fand ich noch cleverer. Schließlich haben sich ja viele Marktteilnehmer über die Machtbündelung von Softfair bei der Fondsfinanz aufgeregt. Ich bin ziemlich enttäuscht, dass der Verkauf jetzt nicht geklappt hat. Die Branche hat wieder einmal gezeigt, dass sie es nicht schafft, gemeinsam so etwas umzusetzen. Als unabhängiger Makler hätte ich mich gefreut, wenn die Softfair statt einem einzigen Marktakteur 50 bis 60 verschiedenen gehört hätte.“ 

Christian Schwalb / Foto: Scala Holding

Christian Schwalb, Gründer und Geschäftsführer BSC und 1. Vorsitzender des Vereins ZUKUNFT FÜR FINANZBERATUNG, hätte einen erfolgreichen Deal befürwortet: „Dass die Verkaufs-Verhandlungen zu Softfair gescheitert sind, ist sehr bedauerlich. Für die Glaubwürdigkeit des Vergleichsangebots wäre selbstverständlich eine Veränderung der Inhaberstruktur von Vorteil. Seit der letzten Veränderung auf Eigentümerebene haben sich bereits verschiedene große Kundengruppen genau aus diesem Grunde von Softfair getrennt. Die Bestrebungen die Eigentümerebene auf viele Teilhaber der Branche zu verteilen, unterstütze ich ausdrücklich, auch wenn der bisherige Verlauf von Verkaufsverhandlungen eher unüblich war.“

Trotzdem geht Schwalb davon aus, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist:

„Die Kundenanzahl von Softfair ist noch immer signifikant und die Technik ist nach meiner Kenntnis auch uptodate. Von daher sollte einem Verkauf von Unternehmensanteilen an andere Marktteilnehmer nichts im Wege stehen. Ich bin sicher, dass es genügend Interessenten dafür geben wird. Vielleicht war die öffentliche Plattform für einen Deal dieser Größe der falsche Rahmen, sodass dies im zweiten Anlauf sicherlich anders laufen wird. Norbert Porazik ist als Geschäftsmann in der Art erfolgreich, dass ihm auch hier eine sehr gute Lösung gelingen wird. Da bin ich mir sicher.“

Titelbild: © Fonds Finanz Maklerservice GmbH

Text/Recherche: Dr. Rainer Demski & Konstantin von Essen

Ihre Meinung zu diesem Beitrag?

Please enter your comment!
Please enter your name here