Wer heute ein ethisch-ökologisches Start-Up gründen will, ist längst nicht mehr alleine. Das kompetitive Moment veranlasst manchen Gründer zu kreativen Hochleistungen. Wir haben fünf außergewöhnliche Konzepte herausgesucht, die erfolgreich funktionieren.

Wird mein Start-Up nachhaltig oder nicht?

Im Vorjahr geschahen laut GreenStartup Monitor 26 Prozent der Startup-Gründungen in nachhaltigen Bereichen. Öko ist schon lange kein Nischensegment mehr. Obwohl das Konzept für hochqualifizierte Leute attraktiv ist, scheuen sich andererseits viele Investoren, denn grüne Gründungen haben oft einen hohen Kapitalbedarf und lange Entwicklungszeiten. Entsprechend stark ist die Konkurrenz, entsprechend einfallsreich müssen die Gründer sein. Diese fünf Start-Ups haben es geschafft:

1. Knuspriges Tabu: Bug Foundation

In manchen Ländern und Regionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas gehören traditionelle Gerichte mit Insekten zum normalen Speiseplan. Im Rest der Welt tun sich Menschen noch schwer mit den knusprigen Krabblern. Zwei Freunde wollen das in Deutschland ändern und fordern die Grenzen kulinarischer Konventionen heraus mit einem Insektenburger.

„Eine knusprige, saftige und geschmackliche Offenbarung“, so beschreiben Baris und Max aus Osnabrück ihr Fast-Food-Produkt aus Buffalowürmern mit Biosoja. Trotz des kulturellen Speisetabus überzeugen die Argumente europäische Kunden: Der Insektenburger ist Reich an Proteinen und ungesättigten Fetten, frei von künstlichen Zusatzstoffen und verbraucht in der Produktion drastisch weniger Ressourcen als Rindfleisch. Das Start-Up Bug Foundation wächst stetig und der Insektenburger wird unter anderem bei REWE vertrieben.

2. Gegen Wasser und Energieverschwendung

Wir sind es in Deutschland gewöhnt, dass jederzeit Leitungswasser zur Verfügung steht. Allerdings kommt ein Großteil des aufbereiteten Trinkwassers gar nicht in den Haushalten an. Auf der ganzen Welt versickert gut ein Drittel bereits unterwegs, in anderen Ländern ist die Zahl teils noch viel höher. Hauptgrund dafür sind kleine Risse in den Leitungen.

Um dem entgegenzuwirken, pumpen Wasserversorger mit großem Energieaufwand, damit auch in den entlegensten Regionen der gleiche Druck zur Verfügung steht. Dieser Verschwendung wollten Mulundu und Felix den Kampf ansagen. Sie gründeten in Hamburg die Pydro GmbH und vertreiben seitdem eine kleine Turbine, die sich den schwankenden Strömungen der Trinkwasserleitungen anpasst und stetig den Druck in Strom umwandelt.

3. Nachhaltig zum Höhepunkt

Ethischer und ökologischer Konsum ist längst auch im Intimbereich angekommen. Die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, Sexualität und der Umwelt schafft eine Nachfrage für nachhaltige Sexualprodukte. Diese nutzten Waldemar und Philip und gründeten in der Hauptstadt das ausgefallene Start-Up Einhorn, das sich auf die Herstellung ethisch-ökologischer Kondome und Periodenprodukte spezialisiert hat. Die Gummis werden schließlich in Designer-Chipstüten verpackt, um Kunden die Scham vor den Verhütungsartikeln zu nehmen.

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Vertrieben werden solche Produkte von Initiativen wie Other Nature. Der Berliner Sexshop rund um Gründerin und Geschäftsführerin Sara konzentriert sich auf feministische, queere, sex-positive, umweltfreundliche und vegane Sextoys und Hygieneartikel.

4. Mist zu Gold machen in Brandenburg

Selbstständig sein und etwas gutes für die Umwelt tun, das war Florian, Stefan und Cornelius besonders wichtig, als sie in Eberswalde das Start-Up Öklo gründeten. Der Name ist Programm, Öklo vermietet Komposttoiletten, zum Beispiel für Festivals. Die sind deutlich umweltfreundlicher als Dixiklos. Das Konzept ist so alt wie die Menschheit: Anstatt mit Wasser und Chemikalien zu spülen, kommen Sägespäne zum Einsatz. Der Kot wird anschließend zu Dünger verarbeitet. Das Ziel ist eine Kreislaufwirtschaft, die Unmengen an Wasser einspart.

5. Iss deine Flasche einfach auf!

In Indonesien, den Niederlanden, Großbritannien, den USA, Österreich und vielen anderen Ländern gibt es bereits zahlreiche Start-Ups, die erfolgreich alternativen für Plastik vertreiben: Pilze, aus denen Styropor gemacht wird, Algen als Basis für Plastik oder Leder aus Obst. Die Ideen sind so genial wie simpel – aus natürlichen Materialien entstehen kompostierbare, nicht selten sogar essbare Produkte.

In Deutschland ist die Szene noch verschlafen, was an starken Regularien liegt, die Gründern ihre Arbeit erschweren. Patrick ließ sich davon nicht unterkriegen und gründete Bio4Pack. Die deutsch-holländische Kooperation stellt aus Zucker und Zellulose Plastik her, das sogar den wichtigsten Industrie-Standards entspricht. Obendrein ist das ganze kompostierbar und verursacht in der Herstellung etwa 50 Prozent weniger CO2 als Petroleumplastik.

Titelbild: © Karina Tess / Unsplash

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