Wer kennt sie nicht? Die Hymne aller Nachbarschaftsstreitigkeiten. Zwei Nachbarn, ein Knallerbsenstrauch, ein beschädigter Maschendrahtzaun. Und geebnet ist der Gerichtsstreit.

 

Gründe? In vielen Fällen wissen wohl selbst die Beteiligten nicht mehr, wie der Streit am Gartenzaun so eskalieren konnte. Absurde Geschichten schaukeln sich hoch bis hin zum großen Knall. Schuld? Hat natürlich der Nachbar! Olaf Riecke, Richter am Amtsgericht Hamburg-Blankenese stellt in einem ZEIT-Interview fest: „Es geht oft um Egoismus, Rechthaberei.“ Jährlich landen über eine halbe Million Gerichtsverfahren mit zerstrittenen Nachbarn vor Deutschlands Richtern.

Schnipp schnapp, Äste ab!

Doch wie sieht es eigentlich wirklich rein rechtlich aus, wenn Pflanzen über die Grundstücksgrenze wachsen: Kann ich die Hecke des Nachbarn auf meiner Seite des Zauns so zuschneiden, wie ich es möchte?

Ganz so einfach ist es nicht! Steht ein Baum so nah an der Grundstücksgrenze, dass die Sonne kaum durchkommt und der Baum ständig Schatten wirft, ist rechtlich von einer „wesentlichen Beeinträchtigung“ die Rede. So besagt das Nachbarschaftsrecht, dass überhängende Äste zwar nicht geduldet werden müssen, wenn sie die eigene Grundstücksfläche wesentlich beeinträchtigen. Doch bevor ich handele, muss ich meinen Nachbarn darauf hingewiesen haben und ihm eine angemessene Frist gewähren, den Überhang selbst zu beseitigen.

Was dein ist, ist auch mein?

Nicht anders ist es bei Bäumen, deren Früchte über den Zaun hängen. Wer darauf spekuliert im Herbst Äpfel zu ernten, ohne auch nur selbst einen Apfelbaum im Garten stehen zu haben, sollte aufpassen! Denn: Früchte, die über den Zaun hängen, dürfen nicht einfach geerntet werden. Erst, wenn sie von selbst auf den Boden gefallen sind, dürfen sie genommen werden. Aber auch umgekehrt darf der Nachbar zur Ernte nicht einfach über den Zaun steigen. Nur wenn der Baum genau auf der Grundstücksgrenze steht, dürfen beide Nachbarn die Früchte abernten.

Gewinner oder Verlierer?

Laut Rudolf Stürzer, Anwalt und Leiter des Münchner Haus- und Grundbesitzervereins, gibt es juristisch nach einem Rechtsstreit mit dem Nachbarn zwar „einen Sieger und einen Verlierer“. Doch eigentlich kann sich danach keiner als Gewinner sehen, „nachdem sie ja weiter nebeneinander wohnen müssten.“ Ziel sollte also stets eine einvernehmliche Lösung sein. Da das Nachbarschaftsrecht von jedem Bundesland individuell geregelt wird, haben einige Länder mittlerweile ein außergerichtliches Mediationsverfahren vor ein mögliches Gerichtsverfahren gesetzt. Reden und der Versuch, einen Kompromiss zu finden, haben auch nicht geholfen? Sollte der Streit doch vor Gericht landen, deckt eine Rechtsschutzversicherung mögliche finanzielle Risiken ab.

Titelbild: © costadelsol, Video: © MySpassde

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