Es wird sie wohl immer geben, die Pausenmacher und die überfleißigen Personen, die sich während ihrer Arbeitszeit unentwegt ihren Aufgaben widmen. Doch kann das hohe Arbeitslevel ohne Kaffee- oder Raucherpause zwischendurch wirklich konstant aufrechterhalten werden, was bedeutet effektives Arbeiten wirklich, welche Erwartungen haben Arbeitgeber und mit welchen Dingen wird sich in den rund acht Stunden am Tag tatsächlich beschäftigt?

Pausen machen oder durchpowern?

Ein Beispiel aus der Sicht eines Arbeitnehmers:

Herr Schmitz gönnt sich um Punkt zehn seinen Kaffee, während Arbeitskollegin Frau Schröder die ersten und wichtigsten To-dos bis zum Mittag ohne Pause bearbeitet haben möchte, um sich danach eine Weile entspannt zurücklehnen zu können. Und was macht der gestresste Herr Meier? Er denkt, seine ellenlange Liste nur dann bewältigt zu bekommen, wenn er bis zum Abend durchpowert.

Trotzdem wird er nicht fertig. Ganz abgesehen davon hat er bis zum Abend keinen einzigen Small-Talk mit seinen Kollegen gehalten und sowieso alle privaten Tätigkeiten eingestellt. Nicht wirklich befriedigend, da sich somit gleich drei Dinge weiterhin anhäufen: Die Aufgaben konnten nicht alle erledigt werden, die kollegiale Pflege auf persönlicher Ebene, mögliche Hilfestellungen oder kreativer Input durch andere Mitarbeiter und die kleineren privaten To-dos, wie einen Arzttermin oder Kinobesuch zu planen, müssen warten.

Herr Schmitz und Frau Schröder haben hingegen am Abend alle Aufgaben erledigt und läuten mit einer geringeren Arbeitszeit den wohlverdienten Feierabend ein.

Zu diesem Resultat kamen Emily Wood, Professorin für Management und Unternehmertum an der Baylor Universität in Texas und Cindy Wood, die das Arbeitsverhalten von 95 Arbeitnehmern untersuchten. Ziel dieser Erhebung war es, die Anzahl der Pausen eines jeden Mitarbeiters mit der jeweiligen Arbeitsleistung zu vergleichen. Wie das obige Beispiel vermuten lässt, wiesen Arbeitnehmer mit einer kleinen Pause von rund zehn Minuten (besonders in den Morgenstunden und ungefähr ein bis zwei Stunden nach Arbeitsbeginn) sowie durch kleinere private Tätigkeiten den gesamten Tag über ein wesentlich höheres Arbeitslevel auf, als Herr Meier, der seine eh schon erschöpften Akkus fortlaufend entlädt. Die Folgen sind ersichtlich. Mehr Arbeit und dennoch weniger Produktivität, ein schlechteres Verhältnis zu den Kollegen, da der persönliche Kontakt fehlt und ein vollgestopftes Wochenende, an dem eine Vielzahl privater Dinge erledigt werden müssen.

147 Millionen-Verlust durch Surfen im Internet – täglich

Die Kehrseite der Medaille, aus der Sicht eines Arbeitgebers:

Einer Studie der Online-Kreditplattform Auxmoney zufolge, vergeuden Arbeitnehmer zu viel kostbare Zeit durch Small Talks und kurze Pausen. Hierfür wurden Angaben von Unternehmen, des Statistischen Bundesamtes sowie Schätzungen von Experten gesammelt und auf die Sekunde genau hochgerechnet. Dabei heraus kam eine beachtliche Summe von täglich mehreren Millionen Euro, die deutschen Unternehmen durch “Prokrastination” verloren gehen. Schuld daran seien zum Beispiel 73 Millionen Euro Verlust durch die Pflege des Facebook-Accounts, 147 Millionen Euro Verlust durch das allgemeine Surfen im Internet, tägliche 21 Millionen Raucherpausen und tägliche zwei Millionen Krankmeldungen. Aus der Sicht eines Arbeitgebers gestaltet sich effektives Arbeiten natürlich in keinster Weise durch zu viele Pausen oder aber durch Tätigkeiten, die während der Arbeitszeit für private Zwecke genutzt werden.

Die Mischung macht’s

Dass nicht immer jede Pause gerechtfertigt und effektiv ist und dass auch nicht jeder, der durchpowert, mit der Arbeit hinterherhinkt, ist nachvollziehbar. Vielmehr gilt wie immer: Die Mischung und die beidseitige Betrachtung aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmersicht verhelfen zu einer positiven Arbeitsmoral und zu mehr Leistung. Ein kranker Mitarbeiter ist nun mal keine effektive Hilfe und durch seine Krankmeldung meist wieder schneller einsatzfähig. Arbeitsaufgaben sollten für jeden einzelnen klar definiert sein und die Anzahl der Pausen nicht übertrieben werden. Wenn dies der Fall ist, sollte die Kaffeepause inklusive kreativem Input und ein kurzes Durchschnaufen aus Sicht des Arbeitgebers immer willkommen sein.

Und Herr Meier? Sollte dann doch mal ganz relaxed um zehn einen Kaffee mit Frau Schröder trinken gehen, während Kollege Schmitz aufgrund einer Deadline ausnahmsweise für zwei arbeiten muss. Ihr Vorgesetzter liegt derweil leider mit Grippe im Bett.

Titelbild: © niyazz

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