Fast 10 Jahre nach der Finanzkrise würde man meinen, die Menschen würden sich wappnen, damit so etwas nie wieder passiert. Tatsächlich hat eine Studie der Allianz Ende Januar 2017 festgestellt, dass sich in diesem Zeitraum nichts gebessert hat. 10 europäische Länder wurden auf ihr Finanzwissen untersucht: Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz und Großbritannien. Diese Europäer, die ja nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sonst – siehe Brexit – unter den Folgen leiden, kennen sich immer noch nicht ausreichend aus.

“Auf dem Kontinent sind es Österreich, Deutschland und die Schweiz, wo das Wissen um Finanzen und Risiken am größten ist. Frankreich, Portugal und Italien schneiden in Sachen finanzielle Grundbildung hingegen am schlechtesten ab, so die Studie “When will the Penny Drop: Money, financial literacy and risk in the digital age” (Wann fällt der Groschen: Geld, finanzielle Grundbildung und die Risiken im digitalen Zeitalter).” Allianz, 28.07.2017

Was bedeutet finanzielles Risiko? Weiß nicht …

Es müsste eine Binsenweisheit sein, dass Wissen handlungsfähig macht. Begriffe wie Risikostreuung sagen aber vielen Befragten nichts. Am einleuchtendsten war für alle noch das Risiko, im Alter durch die lange Lebenserwartung nicht mehr genug Ersparnisse zu haben. Dass verschiedene Formen der Kapitalanlage das Risiko eines Kapitalverlustes verringern, ist aber nicht so bekannt.

Junge Leute wissen am wenigsten über Geld

Am geringsten war das Wissen unter jungen Menschen (unter 35 Jahre alt) und Frauen ausgeprägt. Auch eine Studie von Schroders Investment unter Kapitalanlegern zeigt dies. Hier überstrahlt die eigene Wissenseinschätzung bei Menschen, die ja aktiv Geld anlegen, den tatsächlichen Wissenstand. Deutschland kommt in der Allianz-Studie zwar hinter Österreich auf den 2. Platz in puncto Finanzwissen, aber:

Dennoch ist es besorgniserregend, dass nur einer von fünf Deutschen umfassend über die Risiken informiert ist und alle diesbezüglichen Fragen richtig beantworten konnte. Dies wurde in drei Szenarien deutlich, in denen nur 13 Prozent die richtige Lösung für eine finanzielle Herausforderung fanden. Mehr als 17 Prozent konnten nicht einmal eines der Szenarien richtig lösen.

Mangelndes Interesse

Eine ähnliche Studie, die DIE WELT ebenfalls Ende Januar veröffentlichte, kommt zu noch schlechteren Ergebnissen: Hier gaben 13 Prozent der Deutschen an, überhaupt kein Finanzwissen zu haben. Nur 53 Prozent meinten, sie kämen mit Versicherungen und Banken leidlich zurecht. Sogar die befragten Osteuropäer schätzten ihr Wissen besser ein. Auch diese Studie stellt fest, dass das Wissen um die eigene Altersvorsorge bei jungen Leuten wenig ausgeprägt ist. Nur wenige wüssten mit den Begriffen Fonds oder Rendite etwas anzufangen. Grund für alle Wissenslücken sei das mangelnde Interesse, so der Bericht.

“Bei der jungen Generation verstehe ich oft nicht diese Gelassenheit, mit der sie sich gefallen läßt, wie die eigene Zukunft vor ihr hergeschoben wird.” Jens Reich, deutscher Bürgerrechtler und ehemaliger Kandidat der Grünen für das Bundespräsidentenamt.

Dein Geld kann mehr

Diejenigen, die finanzielle und risikobezogene Konzepte besser begreifen als andere, treffen mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit bessere finanzielle Entscheidungen, ist das Fazit der Allianz-Studie. Ganz nach dem Motto von monetary.de: Wer Wesen und Wege des Geldes versteht, hat es leichter im Leben.

Titelbild: © Nataliya/Fotolia

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