Ein Unfall, eine Krankheit, eine Verletzung, und schon ist es passiert. So abstrus die Vorstellung auch erscheint, Berufsunfähigkeit kann jeden treffen, und das ganz plötzlich. Ohne Arbeit können die meisten ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren, und deshalb gilt die BU als eine der wichtigsten Absicherungen nach den gesetzlichen Sozial- und den privaten Haftpflichtversicherungen. Doch eine Studie der unabhängigen Ratingagentur Franke und Bornberg zeigt: Sicher sind nicht alle BU-Versicherungen.

Tendenzen zur Unterkalkulation

In seiner Studie untersucht das Ratinghaus 57 BU-Versicherer auf Stabilität der Tarife und des Unternehmens. In dieser Hinsicht bereitet der starke Wettbewerb Michael Franke, dem Geschäftsführer von Franke und Bornberg, Sorgen.

„Der Markt ist sehr umkämpft, da sich aufgrund der Zinskrise viele Versicherer auf das Biometrie-Segment konzentrieren wollen. Daher wird zunehmend sehr aggressiv kalkuliert. Es gibt Versicherer, die nur die Hälfte der marktüblichen Durchschnittsprämie aufrufen. Ein solches Pricing ist nicht allein mit einer strengen Risikoselektion zu rechtfertigen. Es zeigt deutliche Tendenzen zur Unterkalkulation.“

Das bedeutet am Ende böse Überraschungen für die Kunden, wenn die zunächst so günstigen Beiträge in die Höhe schießen.

Scoring-Modell und Beitragsdynamik

Die Tendenz zur Unterkalkulation der Risiken geschieht laut der Studie vor allem durch zwei Mechanismen. Der erste betrifft die Einschätzung des beruflichen Risikos. Dazu nutzen inzwischen 80 Prozent der Versicherer das sogenannte Scoring-Modell, das sich nicht nur am Beruf an sich, sondern am Anteil der körperlichen und bisweilen auch der Reisetätigkeit orientiert. Dadurch kann zwar knapper, aber nur vermeintlich präziser kalkuliert werden, denn, so Franke und Bornberg, dieses Modell öffne Manipulationen bei den Angaben zur Tätigkeit Tür und Tor. Der zweite Mechanismus ist eine übermäßige Beitragsdynamik: Durch diese erhöht sich jährlich die Versicherungssumme bei gleichzeitig steigenden Beiträgen – jedoch ohne erneute Gesundheitsprüfung. Dabei werden bei höheren Versicherungssummen mehr Leistungsanträge gestellt, das Risiko steigt also, ohne neu berechnet zu werden.

Sinkende Überschussbeteiligungen

Die Unsicherheit für Kunden, die aus dieser aggressiven Kalkulation entsteht, hat vor allem mit der Risikoüberschussbeteiligung zu tun. Wenn die tatsächlichen Fälle von Berufsunfähigkeit unter den Versicherten unter der kalkulierten Wahrscheinlichkeit bleiben, werden Überschüsse auf Beiträge angerechnet. Dadurch entsteht der günstigere Netto-Beitragssatz, mit dem Versicherer oftmals werben, der aber nicht garantiert ist. Je knapper die Risiken kalkuliert sind, desto geringer fallen diese Überschüsse aus, und die Beiträge steigen: „Wir mussten bereits bei 13 Gesellschaften eine Senkung des laufenden Überschusssatzes oder Bonus feststellen. Das ist sicherlich der stärkste Indikator dafür, dass die Kalkulation schon in der Vergangenheit nur teilweise aufgegangen ist“ erklärt Michael Franke.

Augen auf bei der BU-Wahl

Wer bösen Überraschungen entgehen will, sollte sich zum einen mehr an Brutto- als an Netto-Beiträgen orientieren. Zum anderen können Studien wie die von Franke und Bornberg Hinweise auf die Stabilität von Versicherern geben. Denn immerhin zwölf der untersuchten Unternehmen konnten Bestnoten bei ihrer Berufsunfähigkeit über 75 Prozent erreichen, darunter auf den ersten Plätzen die Zurich Deutscher Herold, Swiss Life, Condor und Generali.

Titelbild: © Orlando Florin Rosu/Fotolia

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