85 Prozent der deutschen Haushalte verfügen heutzutage über einen Internetzugang. 77,6 Prozent der Deutschen nutzen das Internet nahezu täglich. Der größte Teil der Zeit wird mit Informationssuche verbracht. Glaubt man den Experten, wird es gerade in der Nutzung in nächsten Jahren zu einem Wechsel kommen. Denn die Möglichkeiten, die vernetzte PCs, ein World Wide Web und hohe Rechenkapazität bieten, werden gerade erst entdeckt.

Mit Bitcoins fing alles an

Das Zauberwort heißt Blockchain und lässt die Finanzbranche aufhorchen. Auf der einen Seite wird zwar müde gelächelt, auf der anderen möchte man aber auch keinen Trend oder keine neue Technologie verpassen. Mit der Einführung der Bitcoins, einer digitalen Währung, die im Jahre 2008 erstmals vorgestellt wurde, entstand zum ersten Mal eine sogenannte Kryptowährung, die keiner Regulierung unterworfen war. Der Preis für diese Währung errechnet sich aus der Nachfrage. Gehandelt werden Bitcoins über eine dezentrale Datenbank. Alle Transaktionen werden in langen Datenblöcken festgehalten. Dezentral bedeutet, dass die Informationen auf verschiedene Stellen aufgeteilt werden. Eine Manipulation ist also schwer möglich, da hier mehrere Datenbanken zur gleichen Zeit geändert werden müssten. Bei Blockchain geht es nun um Block-Ketten, die beliebig lang ausgebaut werden können und jegliche Information enthalten. So lassen sich verschiedene Variablen und Handlungsmodi einbauen, die bei einem Was-wäre-wenn-Fall automatisch ausgeführt werden.

Dezentrale Datenbanken = Hohe Sicherheit

So wie Bitcoins über die dezentrale Datenbank gehandelt werden können, könnten auch andere Transaktionen wie Käufe, Verkäufe, Kredite, Wertpapiere und jeglicher Finanzvertrag über Blockchain abgewickelt werden. Ein einfaches Beispiel: Schon jetzt bieten verschiedene Versicherungen an, günstigere Telematiktarife für vorsichtiges Fahren zu gewähren. Dafür wird eine App oder eine Telematikbox im Auto installiert. Diese sammelt Daten und leitete diese automatisch an die Versicherung weiter. Hierbei handelt es sich bereits um Block-Ketten, in denen verschiedene Informationen verarbeitet sind. Die Box oder App meldet zum Beispiel, wie der Fahrer bremst, mit welcher Geschwindigkeit und zu welcher Tageszeit er unterwegs ist, den Straßentyp, Leerlaufzeiten und Bremsverhalten. Daraus errechnet die Versicherung das prozentuale Risiko und legt einen spezifischen Tarif fest.

Raten nicht bezahlt? Auto „stillgelegt“

Mit einem globalen Blockchain könnte sich nun folgendes Szenario ergeben. Wer zum Beispiel ein Auto kaufen möchte, müsste nicht mehr umständlich einen Kredit beantragen. Die Daten des Käufers liegen dezentral auf verschiedenen Rechnern. Ein Abgleich über Liquidität, Kontenbewegungen und bestehende Kredite würde nur Sekunden dauern. Die Kreditbank könnte in diesem Daten-Block hinterlegen, wie hoch das monatliche Einkommen sein müsste, inwieweit der Kreditnehmer schuldenfrei sein sollte, Alter, Lebenssituation und vieles mehr. Innerhalb weniger Minuten erhält der Käufer Bescheid, ob der Kredit gewährt wird oder nicht, wie hoch die Raten sind und vieles mehr. Diese Zahlungen werden ebenfalls automatisch überwacht. Auch hier kann der Kreditgeber im Grundvertrag verschiedene Optionen festlegen. Sollte der Käufer zum Beispiel eine beliebige Anzahl von Raten nicht zahlen, wird das Auto online „stillgelegt“. An den Halter geht eine Nachricht, dass die Wegfahrsperre erst wieder aufgehoben wird, wenn die ausstehenden Raten gezahlt werden. Ein weiterer Schritt könnte das automatische Auslösen einer Klage sein.

Weniger Kosten mehr Effizienz

Hier lässt sich das Potenzial von Blockchain relativ leicht erkennen. Es wird aber auch klar, dass mit dieser neuen Technologie ein Ruck im Finanzmarkt entstehen könnte. Weniger Vermittlertätigkeit, weniger administrative Aufgaben und für Banken erheblich niedrigere Kosten im IT-Bereich. Experten erwarten Einsparungen in Höhe von 50 bis 70 Prozent. Blockchain ist auf viele Bereiche anwendbar. So könnten damit Wertpapierkäufe und -verkäufe in wenigen Minuten abgewickelt werden. Zurzeit dauern die noch mehrere Tage. Ebenso könnte es zur Schaffung digitaler Wertgegenstände kommen. Musik, Fotografien, Filme und andere Kunstgegenstände könnten mit einem digitalen Code versehen und jederzeit dem Urheber zugeordnet werden. Diese könnten unter anderem auch als Sicherheiten für Kredite genutzt werden. Ob das denn nun Wirklichkeit wird, steht noch in den Sternen. Aber die Möglichkeit zur Einsparung an Personal- und IT-Kosten lässt die Banken- und Finanzbranche eben doch nicht nur müde lächeln, sondern ganz konkret nachforschen.

Titelbild: © EpicStockMedia

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