Es wurde Geschichte geschrieben! Nicht mitbekommen? Wahrscheinlich war die heiße Luft um die GroKo, das Wirtschaftsforum in Davos und Trumps mögliche Ehekrise – weil ohne Begleitung von Melania gekommen – nicht nur heiß, sondern auch laut.
Denn die beiden Vorzeigedemokratien Russland und Türkei haben die erste Warenabwicklung mit Bitcoin beglichen. Befördert: 3000 Tonnen Weizen mit einem Container-Schiff von Rostow nach Samsun.

Und noch eine schleichende Sensation: Amazon eröffnet den ersten Supermarkt – ohne Kassen! Der Siegeszug der Kryptowährungen? Und, sind bald alle Kaufgeschäfte bargeldlos?

Um Sanktionen herumgeschippert

Letzten Monat wickelten das Unternehmen Prime Shipping Foundation (PSF), zusammen mit dem gibraltarischen Quorum Capital und dem Frachtunternehmen Interchart ein ganz spezielles und experimentelles Geschäft ab. So wurden Frachtgut erstmal mit Bitcoins von der Plattform CME Group bezahlt. Der erste Güterverkehr der Geschichte, finaziert mit Kryptogeld. Bargeldlos. Aber warum eigentlich? Hatte niemand ein Geldbeutel dabei?

“Wir versuchen hier ein grenzübergreifendes Zahlungssystem zu nutzen, das einfacher und schneller abläuft als alles, was bisher möglich war. Soweit wir wissen, ist dies der erste Handel, der mit Kryptowährung abläuft.”, so Ivan Vikulov, CEO von PSF.

Frachtschiff
Quelle:©Unkas Photo/Fotolia

Ist die russische Regierung derart innovativ und zukunftsweisend? Nicht unbedingt. Denn nachdem Russland internationale Sanktionen auferlegt wurden, sucht die Regierung händeringend nach alternativen Zahlungssystemen. Not macht erfinderisch.

Der Ivan und der Yankee. Und der Fritz?

Der Vorteil der digitalen Münzen: Es wird weder Dollar, noch Euro benötigt und alles läuft schneller ab als je zuvor. UND: Durch die Blockchain, der Technologie hinter den meisten Kryptowährungen, kann jeder Beteiligte die gesamte Transaktion einsehen. Korruption adé! Der große Nachteil: Der Bitcoin und andere virtuelle Moneten unterliegen starken Kursschwankungen.

Doch die Russen sind nicht die einzigen, die dazu beitragen, dass Kryptowährungen sich ihren Weg in den öffentlichen und globalen Markt bahnen. So plant ebenfalls das US-Unternehmen Louis Dreyfus Co. – einer der größten Nahrungsmittelhändler der Welt –  sich die Lieferung amerikanischer Sojabohnen nach China mit Kryptowährungen bezahlen zu lassen.

Noch erkennen viele Akteure aus dem traditionellen Finanzgeschäft das Cybergeld nicht an. Stattdessen: Vorsicht, sogar Misstrauen. So behauptete der Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber erst kürzlich, dass die auf Software basierende Währung keine richtige sei, da sie nicht als Wertaufbewahrungsmittel dienen könne. Aber die Krypto-Akzeptanz wächst. So gehören Big-Player wie:

  • Steam (Valve) – Gaming Plattform
  • Mozilla – Internetbrowser Anbieter
  • Microsoft – Softwareunternehmen
  • Time – Verlag
  • Expedia – Reiseplattform
  • Newegg – Online Gigant für Hard- und Software
  • Dell – Computergigant
  • Alienware – Gaming Systeme
  • Takealot – Unterhaltungselektronik
  • airBaltic – lettische Fluggesellschaft
  • Greenpeace
  • Wikipedia
  • Mozilla – Open Source Software Firefox
  • Showroomprive
  • Hotel Schani – Modernes Hotel im Herzen Wiens

Bereits dazu. Mehr Stellen akzeptieren mittlerweile Kryptocoins, auch in Deutschland. Mehr als Ihr ahnt! Hier gibt es eine kilometerlange Liste dazu, vielleicht gibt es ein Café, Geschäft, Bar oder Händler in Deiner nähe!

Bargeldlos in Seattle

Hereinspaziert und zugegriffen! Amazon Go, so das bargeld- und kassenlose Projekt von Amazon, eröffnete in Kanada am Montag seine Pforten. Die Vision dahinter: Der Käufer legt die Waren direkt in die Einkaufstaschen – und am Ende verlässt er das Geschäft einfach. Der Betrag wird dann automatisch vom Amazon-Konto des Nutzers abgebucht. Einzige Voraussetzung: Ladenbesucher müssen die “Amazon-Go”-App herunterladen und das Smartphone an eine Eingangsschranke vor dem Laden halten.

Von da an registrieren Kameras und Sensoren im Laden, welchen Artikel jeder Einzelnen aus dem Regal holt und einpackt. Bedenken? Eher keine. Denn das System komme ohne Gesichtserkennung aus, betont Amazon. Stattdessen werden Menschen vom System als vereinfachte “3D-Objekte” wahrgenommen. Am Ausgang hält der Ladenbesucher wiederum das Telefon an eine Schranke, um “auszuchecken”. Simple as that.

Amazon Go- somit ein Fest für Kleptomanen? Eher nicht. Auch, wenn die Technologie anfangs noch ihre Probleme mit Menschenmassen hatte. Denn etwas zu klauen, sei schwer, so der Proband aus der “New York Times” Redaktion. Das Viererpack Softdrink-Dosen, das der Reporter noch im Regal in eine Tüte einwickelte und sich unauffällig unter den Arm klemmte, wurde trotzdem berechnet.

Klamme Finger am Klimmpergeld

Doch der Trend, bargeldlos bezahlen, scheint in unseren Gefilden noch nicht angekommen zu sein. Denn die Deutschen lieben ihr Bargeld – und die zugehörigen Automaten. Das zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage. So heben 38 Prozent der Befragten wöchentlich Geld am Automaten ab. “Frisches” Geld holen sich 27 Prozent. Und, dass alle zwei Wochen. Dabei werden durchschnittlich 248 Euro abgehoben.

Umfrage Zahlungsverhalten

Mit mobile-Payment haben die Deutschen immer noch Berührungsängste. So gaben 97 Prozent der Befragten an, nie diese Art der Zahlung zu benutzten. “Möchten Sie mit Karte zahlen?”- das geht schon eher. 16 Prozent bezahlen so, mindestens einmal täglich. Und 33 Prozent sogar mehrmals pro Woche.

Bild: ©nuvolanevicata/Fotolia

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