Der Bonner Smoothie-Hersteller true fruits ist bekannt für markige und provokante Werbeslogans. Nun wurden vergangene Kampagnen aber als offen rassistisch kritisiert. Die Reaktion überraschte Viele: Anstatt sich zu entschuldigen, ging der Konzern in die Offensive

Provokation als Stilmittel

Es ist nichts Neues, dass true fruits mit gesellschaftlichen Tabus bricht und spielt, um über Berichterstattung sowie hitzige Diskussionen zusätzliche Bekanntheit zu erlangen. Immerhin gehört Provokation zur methodischen Grundausstattung einer jeden PR-Agentur.

Allerdings sind polarisierende Inhalte immer ein Tanz auf dem Vulkan. Laut der Meinung vieler Kritiker, hat der Smoothie-Hersteller die feine Grenze zwischen Tabubruch und offener Diskriminierung bei ihrem Marketing inzwischen weit überschritten.

Vorwurf: Alltagssexismus und Rassismus

Plakate wie in der Österreich-Kampagne „Noch mehr Flaschen aus dem Ausland“ erzeugten einen Schwall wütender Kommentare . Vice-News titelte:

„Die Instagram-Werbung von True Fruits steht für alles, was man auf Social Media falsch machen kann. Rassismus, Rape-Jokes, Beschimpfung der Kunden: eine Fruchtsaft-Mischung zum Kotzen“.

Keine Konsequenzen

Anstatt sich jedoch zu entschuldigen, ging das Krisenmanagement der Firma in die Offensive:

“Niemand zwingt Euch, unsereren Kram zu kaufen oder unseren Unterhaltungskanälen zu folgen. Euer Puls wird es Euch danken und wir haben unsere Ruhe. Karma tut ihr übriges und alles wird gut. Namaste, ihr süssen Pissnelken.”

In einem Rundumschlag attestierte das Social-Media-Team Kritikern darüber hinaus „wenig Gehirnschmalz“ und versicherte, man werde weiter wie gewohnt werben, denke jedoch darüber nach, in Zukunft Warnschilder mit der Aufschrift „Achtung, diese Werbung könnte von dummen Menschen missverstanden werden“ auf den Smoothie-Flaschen anzubringen.

Jede Publicity = gute Publicity

Von der Reaktion fühlen sich Viele Konsumenten nun erst recht beleidigt. Unter anderem wurde eine Petition gestartet, die Druck auf Handelsunternhemen ausüben soll, Produkte von true fruits aus dem Sortiment zu nehmen. Die emotionalen Reaktionen und aktivistischen Schritte gegen das Bonner Unternehmen werfen die Frage auf: Stimmt es, dass es wirklich keine solche Sache wie schlechte Publicity gibt? Der wohl bekannteste Spruch der PR-Welt von Brendan Behan jedenfalls wird oft nicht zu Ende zitiert. Da heißt es weiter frei übersetzt: „Außer deinen Nachruf“.

Reputation noch zu retten?

Ist die Reputation von true fruits nun nachhaltig geschädigt? Der Konzern jedenfalls nahm die schwarze Flasche jetzt aus dem Sortiment. Erst hieß es, die Kritik ginge ihnen „auf die Nerven“, das aktuelle Pressestatement spricht nun davon, dass schwache Verkaufszahlen der Grund für den Rückzieher seien.

Titelbild: © Miroslava/ Unsplash

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