In den meisten Augen sieht die heraufziehende Welt mit einem US-Präsidenten Donald Trump düster aus. Die Sorge um Werte wie Solidarität, Respekt und Gleichberechtigung, um faktenbasiertes Handeln, Sicherheitspolitik und den globalen Markt treibt die Menschen zu lautstarkem Protest. Doch aus einem Bereich kommt vorsichtiges Frohlocken über den Ausgang der Präsidentenwahl: von der amerikanischen Börse. Warum freut sich die US-Börse?

Hoffnung und Unsicherheit

„Eine positive Überraschung“ hält Kevin Gardiner, globaler Anlagestratege bei Rohtschild Wealth Management, in der Neuen Züricher Zeitung für möglich, „wenn die Ausformulierung der amerikanischen Außen- und Wirtschaftspolitik endlich die 140 Twitter-Zeichen überschreitet.“ In der Aussage stecken Hoffnung und Unsicherheit gleichermaßen, und diese beiden Pole beschreiben die Stimmung der Anleger insgesamt. Auf der einen Seite erwarten viele eine anziehende Konjunktur durch von Trump angekündigte Steuervergünstigungen und Investitionen in die Infrastruktur. Auf der anderen Seite weiß niemand, wie genau Trumps Pläne für die Wirtschaftspolitik aussehen – und ob er überhaupt genaue Pläne hat.

Gute Aussichten für amerikanische Banken

Nach der Finanzkrise erfährt der amerikanische Markt seit 2009 einen kräftigen Aufschwung. Von Trump angekündigte Deregulierungsmaßnahmen und eine deutliche Senkung der Gewinnsteuer könnten das nun bestärken. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die weniger Umsatz im Ausland erzielen, würden von der protektionistischen „America First“-Politik des neuen US-Präsidenten profitieren. Gute Aussichten gibt es auch für die amerikanischen Banken: Zum einen haben sie ihr Vorkrisenniveau noch nicht erreicht und somit Luft nach oben. Zum anderen wirkt sich der anziehende Leitzins in den USA positiv auf die Gewinnspanne aus. Das unruhige politische Feld unter der Regierung Trump hat für die Banken ebenfalls Vorteile: Die zu erwartende höhere Volatilität mit mehr Kauf und Verkauf an der Börse würde Geld in die Kassen der Banken spülen. Diese Hoffnung spiegelt sich jetzt schon im Wertpapiermarkt: Die Goldman-Sachs-Aktie hat beispielsweise seit Trumps Wahl um Rund ein Drittel zugelegt.

Verlierer der „Trumpflation“

Doch dieser erhoffte „Trumpflation“-Trade hat auch Verlierer. Die US-Pharmaaktien sind nach Trumps erster Pressekonferenz, auf der er die hohen Preise für Medikamente und deren Produktion im Ausland kritisierte, eingesackt. Auch ausländische Konzerne zittern vor hohen Importsteuern, allen voran die deutsche Autoindustrie mit ihren Werken in Mexiko. Trump droht ihnen mit Strafzöllen von 35 Prozent, wenn sie ihre Produktion nicht in die USA verlegen.

Langfristig europäische Aktien im Kommen

Trotz der guten Aussichten an der amerikanischen Börse setzen viele Experten für die Zukunft auf europäische Aktien. Zum einen seien die amerikanischen Wertpapiere in Erwartung des Konjunkturaufschwungs schon recht teuer. Zum anderen wirke sich das anziehende Wachstum der Weltwirtschaft stärker auf die europäischen Wertpapiere aus, wie Timo Schwietering, Kapitalmarktstratege des Bankhauses Metzler, in der FAZ erklärt. Das Wachstum kommt den vielen Value-Aktien, wie Industriewerten und Banken, in Europa mehr zu gute als den Growth-Aktien, wie zum Beispiel Technologiewerten, in den USA. Auf eine Sicht von fünf bis sieben Jahren werde mit den europäischen Aktien deutlich mehr Gewinn zu machen sein als mit den amerikanischen, urteilt der Experte. Auf den X-Faktor Trump will er sich wie die meisten seiner Kollegen aber nicht verlassen.

Titelbild:© By Dean Franklin – 06.04.03 Mount Rushmore Monument. (Resized by User:ComputerHotline, 20:17, 12. Mai 2007.), CC BY 2.0

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