Nach dem undenkbaren Wahlsieg Donald Trumps traf der von Bankanalysten, Wirtschaftsprofessoren und Investmentspezialisten vorhergesagte Börsencrash, ähnlich wie beim Brexit, wider erwarten nicht ein. Statt eines Falls stieg der US-Leitindex Dow Jones am Donnerstag um 1,2 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 18808 Punkten. Der befürchtete Abrutsch des Dax fiel immerhin kleiner aus als angenommen und reagierte mit einem Minus von knapp 3 Prozent. Ein Rückfall unter die 10.000er-Marke blieb dem Dax aber erspart. Doch die ersten Reaktionen geben keine genaue Auskunft auf die weltweite wirtschaftliche Entwicklung. Die USA sind mit einem Anteil von 25 Prozent an der weltweiten Wirtschaftsleistung die mächtigste Volkswirtschaft und Trumps Programme sorgen weiterhin für große Verunsicherung. Mit welchen wirtschaftspolitischen Folgen muss nach seinem Einzug ins Weiße Haus gerechnet werden? Lohnt sich noch eine Investition in Gold und wie sieht es mit Risikoanlagen aus?

  1. Laut des FOCUS-Online-Experten Chris-Oliver Schickentanz bewirke Trumps Präsidentschaft einen Unsicherheitsfaktor für die Wirtschaft in Europa. Die EZB dürfe sich darin bestärkt sehen, das Anleihekaufprogramm zu verlängern.
  1. Die kurzfristige Reaktion der Börse auf die US-Wahl 2016 lässt laut Schickentanz noch keine Schlüsse auf die Entwicklung für die kommenden 12 Monate zu. Seit 1928 sind an 15 von 22 Börsentagen nach der jeweiligen Wahl Verluste gemacht worden. In neun von 15 Fällen ging darauf der Kurs wieder (teil kräftig) nach oben.
  1. Der neue Präsident sorgt speziell in puncto realwirtschaftlicher Risiken außerhalb der USA  für große Skepsis. Zuwachsraten innerhalb der Weltwirtschaft könnten daher sehr niedrig ausfallen. Dies wirkt sich auch auf die Jahresrenditen der Aktienmärkte aus. Grund dafür sind unter anderem Trumps Pläne im Bereich der Handelspolitik. Laut Christophe Bernard, Vontobel-Chefstratege, würden seine massiv geplanten Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben das Haushaltsminus und damit die Inflation vergrößern.

„Trumps Wahlkampfversprechen zu deutlichen Steuersenkungen und höheren Militärausgaben deuten darauf hin, dass die USA in den kommenden Jahren eine deutlich expansivere Fiskalpolitik verfolgen werden“, meint auch Larry Hatheway, Chefökonom bei GAM. (Quelle: AssCompact)

  1. Ebenfalls werden immer wieder Phasen hoher Schwankungen bei den Wertpapierkursen befürchtet, die sich durch die Entwicklung der letzten Jahre nachvollziehen ließe und einen engen Zusammenhang zwischen der unsicheren politischen Situation der USA und der Kursentwicklung europäischer Aktien zeige.

Wenig Risiko, mehr Gold

Experten gehen davon aus, dass nach den ersten Befürchtungen und dem Schock der Markt im Bereich der Risikoanlagen wieder zurück auf ein weitgehend ausgeglichenes Niveau finden wird, da aufgrund der politischen Lage auch weiterhin weniger in riskante Aktien investiert wird. Die Goldquote soll sich dagegen moderat erhöhen. Und die US-Wahlen werden nicht der einzige Grund dafür sein, dass Risikoanlagen auch in naher Zukunft nicht zur beliebtesten Anlageform zählen werden. Denn in Europa wird gewählt und damit werden neben den Engländern und Amerikanern weitere politische Entscheidungen folgen, die den Investmentbereich ebenfalls beeinflussen.

Titelbild: ©  Phoenixpix / Fotolia.com

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