Jungen bekommen mehr Taschengeld als Mädchen. Nein! Doch! Oh! Zu diesem erstaunlichen Ergebnis kommt die kürzlich veröffentlichte „Kinder-Medien-Studie 2017“. Demnach bekommt ein Junge im Vorschulalter im Monat 20, ein Mädchen 17 Euro im Monat. Auch Grundschuldkinder und Jugendliche im Alter von 10-13 weisen deutliche Unterschiede im Taschengeld auf. Dabei bewegen sich die Differenzen stets zwischen zwei und drei Euro im Monat. Der prozentuale Unterschied in der Altersgruppe 10-13 beträgt 4,3 Prozent. Zu einem ähnlichen Ergebnis war bereits 2009 eine Studie der LBS gekommen

Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern, da war doch was?“

Bei der Lektüre der Studienergebnisse wird man das Gefühl nicht los, dass man etwas Ähnliches in den letzten Jahren schon häufiger gelesen hat. Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern, da war doch was? Richtig, der so genannte Gender Pay Gap. Auch beim Taschengeld?

Was ist nochmal der Gender Pay Gap?

Der Gender Pay Gap beschreibt die Unterschiede des durchschnittlichen Brutto-Stundenlohns zwischen Frauen und Männern. In Deutschland beträgt der unbereinigte GPG Stand 2016 rund 21 Prozent. Demnach verdienen erwerbstätige Frauen 21 Prozent weniger als erwerbstätige Männer. Geht man nach dem bereinigten GPG, sind es Stand 2014 „nur“ rund sechs Prozent weniger Gehalt. Und das bei vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Position.

 

Bereinigter und unbereinigter Gender Pay Gap:

  • Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer beziehungsweise Arbeitnehmerinnen in allgemeiner Form miteinander.
  • Der bereinigte Gender Pay Gap misst den Verdienstabstand von Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiographien.

Quelle: Statistisches Bundesamt

 

Auch bei Fach- und Führungskräften sind die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern deutlich. Am eklatantesten fällt das bei Medizinern auf. Während männliche Mediziner im Jahr durchschnittlich etwa 95.000 Euro brutto verdienen, kommen die weiblichen Kollegen nur auf schlappe 65.000. Das ist ein prozentualer Unterschied von über 30 Prozent. Auch im Vertrieb besteht ein Unterschied von 28 Prozent. Ein ähnliches Bild findet man in der Finanz- und Versicherungsbranche (27 Prozent) und im Marketing (22 Prozent).

Viele Fragen, wenige Antworten

Die Entwicklung der Einkommensunterschiede vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter werfen zahlreiche Fragen auf: Wieso kommt es zu den Unterschieden im Kinder- und Jugendalter? Und wer hat sie zu verantworten? Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Gender Pay Gap (sechs Prozent) und den Unterschieden in jungen Jahren (4 Prozent)? Sind junge Frauen es gewohnt, weniger zu bekommen? Ist die Lohndiskriminierung die konsequente Fortführung einer gesellschaftlichen Grundproblematik? All diese Fragen lassen sich schwer, wenn überhaupt, beantworten. Sicher ist nur: Die Ungleichheit beginnt schon im Kindesalter.

 

Titelbild: (c) katrinaelena/Fotolia

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