Wie geht es weiter, wenn der Hauptverdiener einer vierköpfigen Familie ganz plötzlich berufsunfähig wird oder sogar verstirbt? Laut neuester Zurich-Studie macht sich im Vergleich zu anderen Ländern die deutsche Bevölkerung wenig bis gar keine Gedanken über ihre Einkommensabsicherung. Woran liegt es, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Nationen den letzten Platz belegt? Sie vertrauen noch immer auf das deutsche Sozialversicherungssystem. Und das in Zeiten, in denen die gesetzliche Rentenversicherung nichtmals mehr für den “geplanten” Lebensabend reicht …

Die Zurich-Studie “Lücken bei der Einkommensabsicherung – die Verringerung des Haushalteinkommens als Folge von Erwerbs- und Berufsunfähigkeit oder des frühzeitigen Ablebens eines Hauptverdieners” wurde von der Smith School der Universität Oxford durchgeführt. Sie basiert auf repräsentative Stichproben von 11.000 Befragten im Alter zwischen 25 und 60 Jahren in elf Ländern, darunter Deutschland, Spanien, Italien, Australien, Schweiz, Malaysia, Hongkong, Brasilien und die USA.

Zurich Studie

Berufsunfähigkeit unbekannt?

Laut Studie ist nicht mal ein Fünftel der Deutschen gegen das finanzielle Risiko einer Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit abgesichert. In Hongkong oder Malaysia sind es dagegen über 60 Prozent, die aktiv Vorsorgen.

Obwohl mehr als ein Drittel der in Deutschland Befragten über eine Risikolebensversicherung verfügt und damit nur hinter Hongkong und Malaysia auf dem dritten Platz liegt, haben mehr als die Hälfte wenig bis gar keine Kenntnisse zu Risikolebensversicherungen. Genauso grenzwertig ist das Wissen, wie sich das Einkommen gegen die Erwerbsunfähigkeit oder schwere Krankheiten (Dread Disease-Versicherung) absichern lässt. Auch hier tappt jeder zweite Befragte im Dunkeln.

Deutsche zu naiv

Einer der Gründe, wieso die deutsche Bevölkerung zu fahrlässig mit der eigenen Absicherung umgeht, liegt am deutschen Sozialversicherungssystem. Dieses ist zwar umfassender, als in anderen Ländern, aber impliziert leider auch eine große Naivität. Bedenkt man, dass die Nullzinsproblematik neben der Rentendebatte zum täglichen Brot der Presse, Wirtschaft und Politik geworden ist, fällt dieses Vertrauen unweigerlich in das Gebiet der Naivität. Denn wenn das derzeitige Rentensystem schon nicht in der Lage ist, die monatlichen Fixkosten (bei einem Renteneintrittsalter von rund 65 Jahren) zu decken, wie sollen dann Zusatzausgaben für Therapien oder häusliche Umbauten finanziert werden? Ganz zu schweigen von dem Risiko, bereits in den 30ern oder 40ern in die Berufsunfähigkeit rutschen zu können?

Absicherung zu teuer

Eine Vorsorge-Trägheit kann in jedem Fall ausgeschlossen werden, denn 52 Prozent der Befragten ohne Absicherung würden gerne aktiv vorsorgen. Immerhin zeigt sich ein weiterer Grund für die Ahnungslosigkeit der Deutschen. Viele Befragten, unabhängig aus welchem Land, wünschen sich für den Abschluss einer Versicherung nähere Informationen. Dazu gehört auch eine realistische Vorstellung von der Prämienhöhe. Laut Zurich-Studie sind zwei Drittel der deutschen Befragten dazu bereit, zwischen 1 und 5 Prozent ihres Einkommens für eine Absicherung auszugeben. Einer von fünf Befragten würde sogar mehr als 10 Prozent investieren. Auch hier wird die Wissenslücke deutlich, denn eine Police kann bereits mit weniger als fünf Prozent des Einkommens eine gute Absicherung für den Risikofall sein. Es liegt also ganz konkret an der Bevölkerung selbst, sich die Informationen aktiv einzuholen und an den Versicherern, den Irrglauben zu entkräften, dass eine Absicherung für den Risikofall nicht finanzierbar sei.

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Titelbild: © ah_fotobox


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