Direktversicherung, Versicherungsvertreter, Versicherungsmakler, Versicherungsberater. Online oder offline? Gegen Honorar oder für Provision? Deutschlands Versicherungslandschaft ist verwirrend für den Kunden. Versicherungsvermittlung: Wer darf jetzt eigentlich was, wer ist was und wer bezahlt’s?

Wer in Deutschland eine Versicherung abschließen will, hat viele Möglichkeiten. Die einfachste ist, es direkt im Internet zu tun. Bei Standardverträgen wie Haftpflicht oder Kfz oder auch Rechtsschutz ist das kein Problem. Keine Beratung, ein paar Klicks und schon beginnt der Versicherungsschutz. Doch auch hier geht es schon los mit den unterschiedlichen Vertriebsarten.

Direkt online beim Versicherer

Da gibt es die Direktversicherer. Hier geht es direkt auf die Website des Versicherers – Formular ausfüllen, abschicken, fertig. Anschließend bekomme ich die Vertragsunterlagen zum Unterschreiben zugeschickt oder direkt den Versicherungsschein. Diese Verträge gibt es ohne eingerechnete Provisionen für den Vertrieb.

Vergleichsportale bekommen Provisionen

Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox zeigen die kostengünstigsten Varianten verschiedener Versicherer an. Es gibt auch Online-Makler wie Knip, Clark oder WeFox. Alle diese Portale sind im juristischen Sinn Versicherungsmakler und erhalten bei Vertragsabschluss eine Provision vom Versicherungsunternehmen. Auch Check24 handelt als Versicherungsmakler und muss dies laut einem aktuellen Gerichtsurteil jetzt noch deutlicher machen. Denn ein Makler braucht ein unterschriebenes Mandat seines Kunden, damit er – wie ein Rechtsanwalt oder Steuerberater auch – im Namen des Kunden sprechen und handeln darf. Damit darf er Verträge des Kunden bei einer Versicherung einreichen – und wird vom Versicherer per Provision bezahlt.

Offline beim Versicherungsvertreter

Ein Versicherungsvertreter verkauft die Policen von einem oder mehreren Versicherern. Wie der Name schon sagt, vertritt er den Versicherer – entweder angestellt gegen Gehalt oder selbständig für eine Provision. Ist er angestellt, braucht er nicht einmal eine Gewerbeerlaubnis und muss dafür auch nicht nachweisen, dass er sich in seinem Metier auskennt (der sogenannte Sachkundenachweis). Er berät also in erster Linie im Sinne des Unternehmens, das ihn bezahlt und nicht unbedingt im Sinne des Kunden.

Versicherungsmakler: Sachwalter des Kunden?

“Der Versicherungsmakler ist im Gegensatz zum Versicherungsvertreter von Versicherern unabhängig und steht als Sachwalter des Versicherungsnehmers in dessen Lager. Nur diesem schuldet der Versicherungsmakler aus dem Maklerauftrag die Besorgung und Auswahl eines bedarfsgerechten Versicherungsschutzes sowie die Betreuung von dessen Versicherungsinteressen.” Gablers Wirtschaftslexikon.

So weit, so gut. Doch wer zahlt, schafft an. Und genau das ist das viel diskutierte Problem rund um Versicherungsmakler. Sie werden in der Regel vom Versicherer in Form von Provisionen und Courtagen bezahlt. Kritiker unterstellen, dass sie eben das für ihre Kunden aussuchen, womit sie selber am meisten Geld verdienen. Viel Provision, viel Empfehlungen. Für den Makler selbst, der seine Kunden langfristig binden will, ist diese Zwitterposition ebenfalls ein Problem. Denn es kommt vor, dass ein Versicherungsunternehmen einem Makler kündigt, wenn dessen Kunden zu viele Schäden produzieren. Und wie will man die Interessen seines Mandanten glaubwürdig vertreten, wenn man doch von der Versicherung bezahlt wird?
Die wichtigsten Unterschiede zwischen Versicherungsvertreter und Versicherungsmakler im Video:

Versicherungs- und Honorarberater

Versicherungsberater sind von Versicherungsunternehmen gänzlich unabhängig, denn sie werden, wie ein Steuerberater oder Rechtsanwalt, vom Kunden bezahlt. Für sie gilt sogar ein Provisionsannahme-Verbot! Auch eine Beratung bei einer Verbraucherzentrale gehört hier dazu. Versicherungsberater vermitteln in der Regel Netto-Tarife, also solche Policen, aus denen die Provision und Courtage für den Vermittler herausgerechnet wurden.

Problem: Nicht alle Versicherer bieten Netto-Tarife an. So kann es sein, dass man den leistungsstärksten und damit besten Vertrag nicht bekommt, weil es keinen Nettotarif dazu gibt. Bei einer Vergleichsrechnung könnte ein Tarif mit eingerechneter Provision vielleicht mehr abwerfen. Bei Lebensversicherungen oder auch Berufsunfähigkeit kann das durchaus vorkommen, bezogen zum Beispiel auf die Renten- oder Auszahlungshöhe.

Dein Geld kann mehr – was tun?

Was also tun? Alle suchen nach einer wirklich unabhängigen Beratung, die möglichst objektiv das Beste für sie auswählt. Dabei kann die Digitalisierung helfen, weil einfach mehr Daten für einen Vergleich zur Verfügung stehen. Bei komplexen Produkten ist ein menschlicher Berater sicher immer noch hilfreich. Und der kostet Geld und Vertrauen. Ist Deutschland bereit, für seine Beratung zu zahlen?

Titelbild:© leungchopan/Fotolia

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