Ein Vorbild bei Umwelt, Sicherheit und Integrität“ möchte Volkswagen (VW) laut der Unternehmenswebsite sein. Doch spätestens seit 2015 ist das Bild des größten europäischen Autoherstellers geprägt von Skandalen, von Habgier und unlauteren Methoden. Trotz allem bleibt der Konzern mit 600 000 Mitarbeitern weltweit und 200 Milliarden Euro Umsatz im Jahr eine Institution, die den wirtschaftlichen Aufstieg der Bundesrepublik geprägt hat wie keine andere und die immer noch auch für deutsche Ingenieurskunst und Spitzentechnologie steht.

VW – In den Zeitungen Schlagzeilen, an der Börse Stabilität

Die VW AG – das sind inzwischen zwölf Marken aus sieben europäischen Ländern: Volkswagen Pkw, Audi, SEAT, ŠKODA, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche, Ducati, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Scania und MAN. Darüber hinaus bietet der Konzern ein breites Spektrum an Finanzdienstleistungen an. In den Zeitungen macht der Autobauer Schlagzeilen, an der Börse bleibt Stabilität: Die Aktie zeigt sich resistent gegen langfristige Kursschwankungen. 2008 ließ ein Übernahmekampf zwischen Porsche und VW die Aktie mit einem Wert von über 1000 Euro steigen – die teuerste Aktie im DAX aller Zeiten. Im September 2015 ließ der Abgasskandal den Kurs innerhalb von zwei Stunden um über 20 Prozent sinken. Doch am Ende schrieb VW immer Gewinne und von den kurzfristigen Kursschwankungen blieb wenig übrig. Dieses Unternehmen scheint alles zu überleben, und langfristig zeigt sein Kurspfeil immer nach oben. Lohnt sich die Investition in VW-Anteile also? Was steckt hinter dem Giganten?

Der Traum vom Auto für alle

1938: Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs wird der erste VW gebaut. Noch ist der KdF-Wagen („Kraft durch Freude“) jedoch nur Modell- und Ausstellungsstellungswagen. Entstehen konnte er vor allem dank zwei Personen: Ferdinand Porsche, rennwagenbegeisterter österreichischer Konstrukteur, und Adolf Hitler, selbst Autoliebhaber. Beide wollen einen Wagen nicht nur für die reiche Oberschicht, sondern für das ganze Volk – eben einen Volkswagen.

Doch schon am Anfang geht es bei Volkswagen nicht ganz mit sauberen Dingen zu: Der KdF-Wagen, später weltberühmt als VW Käfer, ähnelt einem Modell des tschechischen Herstellers Tatra – nach dem Krieg muss der Konzern Millionen wegen Verletzung des Patentrechts zahlen. Auch bei der Finanzierung des Autos und des eigens dafür geplanten VW-Werks im späteren Wolfsburg – damals noch Niemandsland auf Wald und Wiese – wird geschludert: 33 000 Sparer legen ihr Geld in Volkswagen an, um später einen KdF-Wagen fahren zu können. Beim Finanzierungsplan wird aber nur der Bau des Werks, nicht die Herstellungs- und Vertriebskosten der Fahrzeuge einberechnet. Hätte das Deutsche Reich den zweiten Weltkrieg gewonnen – wäre das Unternehmen Pleite gewesen und die Anleger leer ausgegangen.

Mit Werbung zum Weltmarkt


Doch es kam anders. Nach Ende des Krieges zieht die britische Militärregierung in Betracht, das Werk zu demontieren und die Käfer-Produktion in andere Länder zu verlegen. Die Rettung für VW ist eine Fehleinschätzung: Ein britischer Untersuchungsbericht gibt dem Käfer eine vernichtende technische Bewertung – und so will niemand die Produktion des Modells übernehmen. Der ehemalige KdF-Wagen kann in Wolfsburg endlich in Serie produziert werden, schon 1955 geht der millionste Käfer vom Band.

In den sechziger Jahren mobilisiert das Auto die Massen, und das nicht nur in Deutschland. Auch dank innovativer Werbestrategien wird der Käfer zum Exportschlager, und VW zum Motor des deutschen Wirtschaftswunders. 1972 wird Volkswagen mit 15.007.034 hergestellten Käfern zum Produktionsrekordhalter (heute ist der Käfer auf Platz drei hinter dem Toyota Corolla und dem VW Golf).

Doch die Ein-Produkt-Politik fällt dem Konzern auf die Füße: 1974 schreibt die Firma einen Verlust von 800 Millionen DM. Mit neuen Modellen wie dem Golf, Passat und Polo arbeitet sich VW aus der Krise. In den Siebzigern entsteht ein Werk in den USA, in den Achtzigern beginnt die Produktion in China – VW wird zum globalen Unternehmen.

Patriarch Ferdinand Piëch und die Politik: Hier geht es zum zweiten Teil.

Titelbild: Bundesarchiv – CC-BY-SA

1 KOMMENTAR

Ihre Meinung zu diesem Beitrag?

Please enter your comment!
Please enter your name here