Nachdem das Image durch den millionenfachen Betrug mit Dieselmotoren bereits gründlichst gegen die Wand gefahren wurde, war es wieder an Zeit. Die öffentlichkeitsDer Volkswagen-Dieselmotor musste wieder aufpoliert werden. Wer jetzt große, öffentlichkeitswirksame Umweltschutzkampagnen mit hübschen Hostessen erwartet, liegt leider falsch. VW griff lieber zu chinesischen Javaneraffen.

So fuhr ein VW-Manager vier Stunden lang einen VW-Beetle mit einem Diesel-Motor. Der Schauplatz: Eine Forschungseinrichtung auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Kirtland im Wüstenstaat New Mexico. Einfach so? Nein. Denn der Auspuff des Wagens war über einen Schlauch mit einem Glaskasten verbunden. Und darin saßen die Affen. Die bittersüße Ironie: VW machte jene Tierversuche für die “Clean Diesel”-Kampagne. Nun werden Stimmen gegen diese Art der Versuche laut. Und das zu recht.

Lobbymächte: VW, Daimler, BWM

Aber, Frischluft-Freunde, keine Panik. Wir können beruhigt ausatmen und uns wieder hinter das Steuer unseres heißgeliebten VW-Golf klemmen. Denn Volkswagen entschuldigte sich für die Tierversuche. Und distanziert sich klar von allen Formen der Tierquälerei.

 “Wir sind der Überzeugung, dass die damals gewählte wissenschaftliche Methodik falsch war. Es wäre besser gewesen, auf eine solche Untersuchung von vornherein zu verzichten. Wir entschuldigen uns für das Fehlverhalten und die Fehleinschätzung Einzelner”, teilte der Konzern mit.

Dieser Test waren Teil einer Studie, die beweisen soll, dass die Schadstoffbelastung durch Dieselmotoren dank modernen Abgasreinigungen erheblich abgenommen hat. Auftraggeber: Die EUGT (Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor). Ausführender war das Lovelace Respiratory Research Institute (LRRI). Und wer finanzierte das ganze Affentheater? Die Lobby-Initiative von Volkswagen, Daimler und BMW.

Menschenversuche waren geplant

Doch die Neuigkeiten über die vergasten Affen war nur die Spitze des Eisberges. Denn laut Jacob McDonald, dem Studienleiter am Lovelace Respiratory Research Institute (LRRI), waren anfangs Menschen für dieses Experiment vorgesehen. Warum trotzdem die Affen zum Einsatz kamen? Weil die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Dieselabgase als krebserregend einstufte.

Und die Kirsche auf dem Sahnehäubchen: Der getestete Beetle war mit jener Software zur Abgas-Manipulation an Bord ausgestattet, die Volkswagen im darauffolgenden Jahr in eine der tiefsten Krisen der Konzerngeschichte stürzte. Das muss wohl dieses Schicksal sein, von dem alle sprechen. Zwar einigte sich der Wolfsburger Konzern mit dem Justizministerium in Washington. Aber die Strafe war trotzdem enorm: über 4,3 Milliarden Dollar (4,1 Milliarden Euro). Einen entsprechenden Vergleich bestätigten Ministerin Loretta Lynch und das Unternehmen. Zudem wurden Anzeigen gegen sechs hohe VW-Mitarbeiter bekanntgegeben.

Wie den Gerichtsakten zu entnehmen ist, lieferte kein geringerer als VW-Ingenieur James Liang persönlich das Testfahrzeug ab. Richtig gehört, der James Liang. Derjenige, der nachdem der Diesel-Skandal vor zwei Jahren aufflog, mit der Strafverfolgung kooperierte. Und das als Kronzeuge. Seine Strafe: Drei Jahre und vier Monate Gefängnis. Und eine Geldstrafe von 200.000 Dollar. Da kannten die US-Richter kein Pardon mehr.

Tierversuche: Steigender Trend

Doch nicht nur VW und die Wirtschaftsindustrie bedient sich häufig an der Theke der Tierversuche. Solche Experimente kommen insbesondere bei medizinischen und pharmakologischen Studien zum Einsatz. Und dem öffentlichen Shitstorm, Entsetzen, und allen Petitionen sämtlicher Natur- und Tierschutzorganisationen zum Trotz. Die Zahl der Tierversuche steigt. Auch in Deutschland noch immer. Und nicht nur Affen wie bei VW, sondern Mäuse, Kaninchen, Vögel, Hunde und Katzen werden für die Wissenschaft eingesetzt.

So haben in Deutschland 2016 Wissenschaftler rund 2,8 Millionen Versuche gemacht. Das geht aus den aktuellen Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hervor. Insgesamt nutzten Wissenschaftler damit 50.000 Tiere mehr als im Vorjahr.

Die Bedeutung und vor allem die Anforderungen für Versuche mit und an Tieren ist in Deutschland streng reguliert. Dazu gibt es mehr Informationen beim Deutschen Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften. Die Definition eines Tierversuches unterliegt dem Tierschutzgesetz (TierSchG).

Unerlässlich oder unnötig?

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Denn so einfach lässt sich keine Antwort finden. So kritisieren “Ärzte gegen Tierversuche” Tier-Experimente nicht nur, weil sie grausam sind, sondern auch gefährlich. Denn es kann dadurch eine “falsche Sicherheit“ entstehen.

“Im Tier kann man seit Jahrzehnten Krebs heilen – das hat mit der menschlichen Erkrankung einfach nichts zu tun.” Silke Bitz, Sprecherin von ‘Ärzte gegen Tierversuche’

Rolf Hömke, vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), ist anderer Meinung. So verbessern seiner Meinung nach Tierversuche die klinischen Tests an Menschen. Zu deren Schutz.

“Bestimmte Dinge kann man nur am Gesamtorganismus sehen. Eine Zellkultur hat keinen Blutdruck, eine Zellkultur hat keine Immunsysteme.” Rolf Hömke vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa).

Bild: ©Rainer Fuhrmann/Fotolia

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