Die Situation ist wie ein verflixter Ouroboros. Datenskandale um die Telekom (2009), um Sony (2011), oder Cambrige Analytica und Facebook (2018). Der permanente Heilungsversuch: Datenschutzgesetze. Zuletzt mit der DSGVO. Mitte Mai soll die Verordnung in Kraft treten. Dabei sind es nicht nur Unternehmen, die dreckige Datendeals machen. Bereits die Suchmaschinen greifen viel ab. Privatsphäre beim Suchen? Fehlanzeige.
Aber welche Daten werden von welcher Suchplattform erfasst? Googlen, bingen, yahooen wir mal.

„Google, wer ist Gott?“

Ziemlich philosophische Frage. Gehen wir von der Annahme aus, dass die Figur Gottes eine Allwissende ist, so müsste die Antwort heißen: Google. Und so ist es. Denn laut StatCounter-Statistik war 2014, 2015 und 2016 mit über 90 Prozent Marktanteilen Google die meistgenutzte Suchmaschine in Deutschland. Zudem mit 88 Prozent weltweit und mit großem Abstand Marktführer. Im asiatischen Raum dagegen werden gerne lokale Suchmaschinen wie das chinesische Baidu oder das russische Yandex verwendet. Sehr patriotisch.

Doch Googles Anteil wird abermals astronomischer, wenn die mobile Google-Suche zu den restlichen Marktanteilen dazugezählt wird. Stolzer Marktanteil: Über 94 Prozent. Und das weltweit. Hut ab. Aber welche Daten greifen nun die drei größten und beliebtesten Suchmaschinen (Google, Bing, Yahoo) ab?

Google

Entwickelt und veröffentlicht 1998 von den beiden Studenten Larry Page und Sergey Brin. Eine einfache Darstellung der Suchergebnisse und eine ausgeklügelte Relevanzbewertung von Webseiten und Informationen (aufgrund deren Verlinkung, auch PageRank genannt) katapultierte Google am Rest vorbei auf den Olymp der erfolgreichsten Suchmaschinen der Welt. Laut den Privacy-Richtlinien von Google selbst erhebt der Dienst folgende Daten über Euch:

  • Suchanfragen
  • Besuchte Webseiten
  • Angesehene Videos
  • Angeklickte Werbung
  • Euren Standort
  • Geräteinformationen
  • IP-Adresse und Cookiedaten

Solltet Ihr zusätzlich ein Google-Konto haben, so werden Daten wie:

  • Name
  • E-Mail-Adresse und Passwort
  • Geburtsdatum
  • Geschlecht
  • Telefonnummer
  • Land
  • E-Mails, die Ihr sendet und erhaltet
  • Eure Kontakte
  • Kalendertermine
  • Hochgeladene Fotos und Videos
  • Dokumente, Tabellen und Präsentationen in Google-Drive

Das ist ganz schön viel und beinahe eine ganze Menge. Wie das Unternehmen aber versichert, habt Ihr die komplette Kontrolle über Eure Privatsphäre.

Bing

Knappe elf Jahre später (2009) legte Microsoft mit der hauseigenen Suchmaschine Bing nach. Und dabei wohl noch ein Schippchen darauf. Denn die Bing-Entwickler bezeichnen ihr Produkt nicht als marginales Tool für die Internetsuche, sondern als Entscheidungsmaschine. Ihr Vorteil gegenüber anderen: Sie soll nicht nur stumpf Suchergebnisse liefern, sondern dem Nutzer zusätzlich Entscheidungshilfen anbieten. In Deutschland ist derzeit nur eine eingeschränkte Version der Suchmaschine verfügbar.
Ähnlich dem großen Vorbild sammelt Bing folgende Daten laut Datenschutzerklärung:

  • Name und Kontaktdaten
  • Anmeldeinformationen
  • Demografische Daten
  • Zahlungsdaten
  • Geräte- und Nutzungsdaten
  • Interessen und Favoriten
  • Kontakte und Beziehungen
  • Positionsdaten
  • Inhalte
  • Videos

Microsoft nutzt die erfassten personenbezogenen Daten für drei grundlegende Zwecke:

(1) für die Geschäftstätigkeit und zur Bereitstellung (einschließlich Verbesserung und Personalisierung) der angebotenen Produkte,
(2) zum Senden von Mitteilungen, einschließlich Werbenachrichten, und
(3) zum Anzeigen von Werbung in einigen Produkten, die durch die Werbung z. B. von MSN und Bing, oder denen von Drittanbietern, unterstützt werden.

Auch Bing bietet die Möglichkeit über das Microsoft-Datenschutz-Dashboard diese zu verwalten.

Yahoo

Mal mit, mal ohne Ausrufezeichen wurde Yahoo(!) von Jerry Yang und David Filo 1994 gegründet. Zunächst als reines Webverzeichnis. Mittlerweile bietet die Suchmaschine und das dazugehörige Internetportal verschiedene Dienste und Produkte in über 50 Sprachen an. 2009 ist das Unternehmen eine Kooperation mit Microsoft eingegangen und hat mittlerweile die Suche von Bing in deren Portal integriert (siehe Datenschutzrichtlinien von Bing).

Die Problematik: Suchmaschine

Das Problem besteht weniger darin, dass der Mensch sich mittlerweile auf Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yahoo und deren gelieferten Informationen in Sekundenschnelle verlässt. Denn, für normale Suchanfragen mögen die Ergebnisse durchaus genügen. Die Problematik liegt viel mehr in der Filterblase  obwohl sich das Problem in Luft aufgelöst zu haben scheint – in der mangelnden Privatsphäre beim Suchen, die Suche in kleinen Dokumentenregister oder das Erkennen von kontroversen Themen.

Bild: © cristina_conti / fotolia.com

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