Es wurde erneut im Kanzleramt über ein Thema diskutiert, das fortlaufend für Aufruhr sorgt: die Altersvorsorge. Der Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) unterbreitete in einer Vorbesprechung den Vorschlag einer Kopplung des Renteneintrittsalters an die gestiegene Lebenserwartung. In den nächsten 13 Jahren soll die derzeitige Altersgrenze von 65 Jahren und fünf Monaten auf 67 Jahre steigen. Entsprechend soll sich mit jedem gewonnenen Jahr Lebenserwartung das Renteneintrittsalter um ein weiteres halbes Jahr erhöhen.

Unstimmigkeiten in der großen Koalition

Laut dem Spiegel Online sind sich die Union und die SPD zudem in puncto gesetzliches Rentenniveau uneinig. Dieses liegt derzeit vor Steuern bei 48 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns und soll zukünftig weiter sinken. Gesetzlich festgelegt ist bisher lediglich, dass es bis 2030 nicht unter 43 Prozent sinken darf.

Christina Lambrecht, die parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, lehnt die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung ab: „Wir wollen keine starren Regelungen, dass Arbeitnehmer bis 70 Jahren arbeiten müssen. Wir wollen gute Arbeitsbedingungen für ältere Beschäftigte und flexible Übergänge in die Rente ermöglichen.“ (Quelle: Welt)

Die nachfolgende Statistik zeigt, dass das Renteneintrittsalter nicht mit der immer weiter steigenden Lebenserwartung mithalten kann. Folglich wird länger Rente bezogen und gleichzeitig erhöhen sich die damit aufkommenden Kosten.

 

Lebenserwartung steigt schneller als das Renteneintrittsalter

Ist das denn gerecht?

Mit einer Erhöhung des Rentenalters steigt auch die Zahl der Beschäftigten und davon profitieren die Unternehmen und die Wirtschaft. Zudem hat mit der Anpassung an die Lebenserwartung jede Generation die Möglichkeit gleich lange Rente zu beziehen und mit der automatischen und individuellen Anpassung des Rentenalters an die Lebenserwartung würden sich weitere Änderungen des Rentensystem erübrigen.

Im Gegensatz dazu wird die Arbeitsplatzsuche für ältere Menschen durch die Erhöhung des Rentenalters erschwert. Noch schwieriger gestaltet es sich für Menschen, die körperlich hart arbeiten wie beispielsweise Bauarbeiter/innen, da sie mit zunehmendem Alter immer weniger belastbar sind. Für die zukünftigen Generationen gilt im Umkehrschluss, dass diese bei steigender Lebenserwartung auch länger bis zur Rente arbeiten müssen.

So machen es Schweden, Amerika und China

In Schweden wurde bereits 1999 ein sogenannter Rentenkorridor eingeführt. Dadurch wird den Menschen die Möglichkeit gegeben ihren Renteneintritt ab dem 61. Lebensjahr frei zu wählen. Bis dahin gezahlte Beiträge und die durchschnittliche Lebenserwartung der jeweiligen Person sind gekoppelt und bestimmen die Höhe der Rente. Durch diese automatische Kopplung verlängert sich mit steigender Lebenserwartung auch automatisch die Beschäftigungszeit. Nach einem ähnlichen Modell wird auch in Norwegen verfahren. Im nächsten Jahr soll die Unter- und Obergrenze des Rentenkorridors um zwei Jahre angehoben werden. (Quelle: Konrad Adenauer Stiftung)

Anders sieht es mit der Rente in den USA aus. Hier müssen alle Erwerbstätigen Rentenbeiträge zahlen. Also auch Selbständige und Freiberufler. Zudem wird die Rente in Amerika lediglich als Grundsicherung gesehen und erfordert in der Regel eine zusätzliche Aufstockung durch eine betriebliche oder eine private Rentenversicherung. (Quelle: usa-greencard.eu)

Auch in Südkorea müssen alle Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils 4,5 Prozent des Bruttolohns in die Rentenversicherung einzahlen. Das Renteneintrittsalter liegt derzeit bei 60 Jahren, wird jedoch seit drei Jahren schrittweise auf 65 Jahre angehoben. (Quelle: deutsche-im-ausland.org)

Die Gespräche gehen weiter

Eine Einigung konnte beim gestrigen Treffen nicht erzielt werden. Die Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) will noch bis Ende November ein Gesamtkonzept zur Rentenreform vorlegen. Die Gespräche zur neuen Rentenreform wurden auf den 24. November verlegt.

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