Alle kennen Maja. Na? Die Rede ist von der netten Biene aus unserer Kindheit. Über zahlreiche TV-Schirme trällerte der Titelsong der „kleinen, frechen, schlauen Biene Maja.“ Aber Maja ist tot. So wie viele ihrer Freunde. Inklusive Kumpel Willi.

Summ Summ Summ: Menschliche Bienen in China

Fleißig, wie die Bienen. Das kennt man in China nicht. Den Fleiß natürlich schon, aber die Bienen nicht. Denn die sind dort fast ausgestorben. Die wenigsten Chinesen haben jemals eine lebendige Biene gesehen. Durch den drastischen Einsatz von chemischen Pestiziden wurde der Bestand an Bestäuberinsekten in weiten Teilen Chinas ausgerottet. Und das hat weitreichende Folgen. Denn anstatt der Bienen müssen nun Menschen ausschwärmen und die Bestäubung der Obst- und Gemüsepflanzen von Hand vornehmen. Bei mehr als 1,3 Milliarden Bewohnern ist der Bedarf danach nämlich entsprechend hoch. Und so ist es keine Seltenheit, dass man chinesische Arbeiter mit reichlich Pollen im Gepäck auf dem Weg zu den Obstplantagen findet.

Erst die Spatzen, dann die Bienen

Wie es so weit kommen konnte? Das drastische Bienensterben in China begann bereits unter Mao Zedong. Der hatte es zunächst nur auf die lästigen Spatzen abgesehen. Laut den Berechnungen der Regierung bedrohte der Piepmatz die Ernte, indem er das Saatgut aus den Ackerfrüchten fraß. 1958 schickte die Regierung 600 Millionen Untertanen mit Gewehren zur Vernichtung der Vögel aus. Aber nicht nur der Spatz ging zu Grunde, denn was der Kommunist übersah: Spatzen fressen Insekten. Und die hatten nun ihre natürlichen Feinde verloren und machten sich genüsslich über die Ernte her. Naja, was einmal klappt, klappt auch ein zweites Mal. Mit massenweise Pestiziden wurden die Felder von den Insekten – inklusive der so wertvollen Bienen – befreit. Mit den Folgen kämpfen die Chinesen bis heute.

In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit?

Das Land ist alles andere als unbekannt und die Zeit eher knapp. Seit Jahren beobachten Wissenschaftler weltweit das Bienensterben. Und wachsende Unruhe macht sich breit. Denn die genaue Ursache für das häufige Ableben der Schwarz-Gelben-Völker ist unbekannt. Als Gründe kommen der Einsatz von Pestiziden und Dünger in der Landwirtschaft und zu wenig abwechslungsreiche Bepflanzung der Landschaften in Frage. Dadurch fehlen den Bienen Nahrungsquellen. Und auch ihre Gesundheit ist bedroht: Parasiten wie die Varroamilbe machen sich immer mehr in den Gebieten breit und befallen Bienenstöcke.

Die Folge: Allein in Deutschland sind nach Angaben des Deutschen Imkerbundes seit 1952 mehr als 1,5 Millionen Bienenvölker gestorben. Nur noch weniger als eine Millionen Völker soll es deutschlandweit geben. Zudem kommt, dass die Verlustraten immer höher und die Abstände immer kürzer werden. In zehn Jahren könnten einzelne Bienenarten bereits ganz ausgestorben sein, warnen Experten.

Maja ist ein Wirtschaftsboss

Gut, sie sind vielleicht nicht unbedingt die Lieblingstiere der Deutschen. Summen in einer Tour vor sich hin und können im missverstandenen Kampf um Leben und Tod schon mal ein bisschen weh tun. Dennoch! Bienen sind ein wichtiger Teil unserer Wirtschaft. Schätzungsweise 20.000 Bienenarten existieren weltweit. Honig produzieren können nur neun von ihnen. Aber das ist nicht alles, wofür wir Bienen brauchen: Sie und andere Insekten spielen bei 35 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion eine wichtige Rolle. Die Bestäubungsleistung – so lustig das Wort klingt – hat direkt Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Und dieser Leistungswert beträgt laut den Angaben des Forschungszentrums CNRS satte 200 Milliarden Euro. Damit sind Maja und Co. ein gigantischer Wirtschaftsfaktor und wichtige Helfer.

Denn nicht nur der Honig ist vom Bienensterben betroffen, sondern auch zahlreiche Obst- und Gemüsesorten würden ohne die fleißigen Tierchen nicht existieren. Bienen bestäuben rund 80 Prozent unserer Nutz- und Wildpflanzen. Das hat nicht nur finanzielle Auswirkungen. Ein Aussterben der Insekten hätte auch fatale Folgen für die gesamte Menschheit.

Der Tod von Maja ist auch unser Tod

Laut einer an der Hochschule für Gesundheitswesen in Boston durchgeführten Studie würde der vollständige Verlust der Bienen zu jährlich 1,4 Millionen zusätzlichen Todesfällen führen. Der Grund sind die durch die fehlende Bestäubung ausbleibenden Ernten von Obst, Gemüse und Getreide. Damit würde der Früchteabbau um knapp 23 Prozent und der Ertrag für Gemüse um rund 16 Prozent zurückgehen. Bei Getreide und Nüssen erwarten die Forscher sogar einen Absturz von 22 Prozent. In Folge der zahlreichen Ernteausfälle würden die Menschen zunehmend an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden und einen erheblichen Mangel an Vitamin A und Vitamin B aufweisen.

Zuschlagen würde die Katastrophe zuerst in den ärmeren Ländern. 71 Millionen Menschen könnte der Vitamin-A-Mangel dann betreffen. Und zusätzlich wären 173 Millionen Menschen einem Folatmangel ausgesetzt. Hochgerechnet könnte das bis zu 1,42 Millionen zusätzliche Todesfälle pro Jahr bedeuten. Herbeigeführt allein durch das Aussterben der Bienen.

Dein Geld kann mehr: 5 Tipps, wie man Maja vor dem Tod bewahrt

Auch wir können so einiges für die Bienen und damit letztlich auch für uns tun. Wir stellen euch fünf Tipps vor, wie man Maja und ihre Kumpels vor dem Tod bewahren kann:

(1) Maja steht auf Bio
Da viele aus dem herkömmlichen Anbau stammende Lebensmittel mit Pestiziden behandelt wurden, sollte man beim Einkauf eine nachhaltige und biologisch einwandfreie Herstellung der Produkte achten.
(2) Maja mag Natur – und zwar nur Natur!
Im hauseigenen Garten besser auf Spritzmittel und Pestizide verzichten. Die in vielen Baumärkten und Gartencentern angebotenen bunten Fläschchen vernichten eben nicht nur Schädlinge. Natürliche Pflanzenschutzmittel erzielen meist denselben Effekt. Tipp: Ungeliebte Gartenbewohner einfach absammeln oder an die betroffene Stelle die richtigen Nachbarpflanzen setzen pflanzen.
(3) Maja und ihre Kumpels sind Blumenfans
Auch wenn der Trend zu einem glatten millimeterkurzen Rasen geht: Bienen mögen eben Blumen. Und zwar solche, die in einem leicht verwilderten Garten blühen. Ein allzu akkurater Garten schränkt die Bienen in ihrem Lebensraum ein. Besser: Sträucher und Hecken einfach eine Zeit lang mal sich selbst überlassen.
(4) Maja’s Honig, lecker?
Heimische Imker sind vor allem für den Erhalt, Schutz und die Aufklärung über Honigbienen verantwortlich. Doch der frühere Beruf lohnt sich allemal noch als Hobby. Denn der Honigpreis sinkt durch die teilweise sogar aus China stammenden Billig-Importe. Wer also auch die Menschen hinter den Bienen fördern will, sollte Imker aus der Region unterstützen und dort den Frühstückhonig besorgen. Viele Naturkostläden beziehen den Honig auch direkt von benachbarten Imkern.
(5) Zuletzt bleibt nur: Hol Maja doch zu Dir!
Wer aktiv werden möchte, hat die Möglichkeit auch selbst Bienen zu halten. Mit einer so genannten BienenBox soll sogar auf dem Balkon dies Hobby-Imkern möglich sein. Aber Vorsicht: Vorher unbedingt einen entsprechenden Fachkurs besuchten. Und nicht vergessen, die Nachbarn über die neue Bienenliebe informieren!

Titelbild: ©ArtFotoDima/Fotolia

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