Auch wenn das Klischee von Pleite-Studenten nicht auf alle zutreffen mag: Viele Studierende können sich ihr Studium nicht nur durch BAföG, Unterstützung von den Eltern und eigenes Vermögen finanzieren. Da ist neben Vorlesung, Bibliothek und Prüfungsvorbereitung noch mehr Arbeit angesagt. Um fleißige Studenten, die neben dem Pauken gegen die gähnende Leere auf ihrem Konto angehen, nicht durch Sozialabgaben übermäßig zu belasten, hat der Gesetzgeber den Werkstudenten-Status eingeführt. Aufgrund einer neuen Rechtsauslegung ändern sich hier einige Vorschriften zur Sozialversicherungspflicht.

Befreiung von der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung

Die Vorteile des Werkstudenten-Status liegen auf der Hand: Auch bei einem Gehalt über dem Minijob-Niveau von 450 Euro im Monat ist man von fast allen Sozialversicherungspflichten befreit. Während weiterhin Beiträge zur Rentenversicherung vom Gehalt abgehen, ist keine Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung nötig. Studierende können (und müssen) also weiterhin ihre günstigere studentische Krankenversicherung oder eine private Versicherung in Anspruch nehmen. Aber Achtung: Wer über 450 Euro im Monat verdient, kann sich unter Umständen nicht mehr über die Famlienversicherung der Eltern krankenversichern. Hier lohnt sich die Nachfrage bei der jeweiligen Krankenkasse. Im übrigen: Auch Minijobs, die nach 2013 aufgenommen wurden, unterliegen der Versicherungspflicht in der gesetztlichen Rentenversicherung. Neben dem vom Arbeitgeber gezahlten Betrag müssen die Minijobber einen zusätzlichen Eigenbeitrag leisten. Auf Antrag können sich die Geringverdiener jedoch von diesen Zahlungen befreien lassen.

Voraussetzungen für den Werkstudenten-Status

Zunächst muss ein Werkstudent aktiv Vollzeit studieren und kein Promotions-, Weiterbildungs- oder duales Studium absolvieren. Nur immatrikuliert zu sein, reicht nicht: In Urlaubssemestern ist kein Werkstudenten-Status möglich, ebenso nach absolvierter Abschlussprüfung. Bei Werkstudenten muss zudem das Studium gegenüber dem Job im Vordergrund stehen. Deshalb ist zwar nicht das monatliche Einkommen, aber die wöchentliche Arbeitszeit begrenzt. Mehr als zwanzig Stunden in der Woche dürfen Werkstudenten im Regelfall nicht arbeiten. Sonst prägt das Arbeitsverhältnis das Leben mehr als das Studium, entschied das Bundessozialgericht 2003.

Die Zwanzig-Stunden-Regel und ihre Ausnahmen

Von dieser Zwanzig-Stunden-Regel gibt es einige Ausnahmen, unter anderem in den Semesterferien. Die Autorin, also ich, dieses Beitrags ist Werkstudentin und schreibt neben ihrem Studium Artikel für Monetary. Im Normalfall arbeite ich circa zehn Stunden in der Woche, in den Semesterferien aber bis zu dreißig Stunden. Da ich die Zwanzig-Stunden-Grenze nur in den Semesterferien und in nicht mehr als 26 Wochen im Jahr überschreite, bin ich weiterhin von den meisten Sozialversicherungspflichten befreit. Weitere Ausnahmen gelten für Arbeit in Abend- und Nachtstunden sowie am Wochenende und für befristete Stellen.

Neue Gesetzesauslegung zum 1. März 2017

Ein anderes Beispiel: Ein Mitstudent der Autorin studiert soziale Arbeit und ist nebenbei als Werkstudent in einem Behindertenwohnheim beschäftigt, je 3,5 Stunden nachmittags Montag bis Freitag sowie fünf Stunden am Wochenende. Da die Überschreitung der Zwanzig-Stunden-Grenze durch die Arbeit zu ungewöhnlichen Zeiten zustande kommt, war er bisher dennoch von Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung befreit. Doch aufgrund einer Neuauslegung des Gesetzes ist das nun nicht mehr zulässig. Da er unbefristet angestellt ist, kann er so die Vorteile des Studenten-Status ab 1. März 2017 nicht mehr in Anspruch nehmen. Er darf nur noch in maximal 26 Wochen im Jahr mehr als zwanzig Stunden arbeiten und muss diese Ausnahme – wie alle Ausnahmen von der Zwanzig-Stunden-Regel – von der Krankenkasse genehmigen lassen. Steuern müssen übrigens auch Werkstudenten zahlen. Da sich in den allermeisten Fällen jedoch unter dem Grundfreibetrag (2017: 8820 Euro) liegen, erhält man die gezahlte Lohnsteuer mit der Einkommenssteuerveranlagung zurück.

Titelbild: © DisobeyArt/Fotolia

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