Was klingt wie ein schlechter Scherz, widerfuhr einer Glaserei in Hemer, Nordrhein-Westfalen: Ein Wildschwein verirrt sich durch die Ladentür in die Geschäftsräume, gerät in Panik und verwüstet Inventar, Glaskonstruktionen und die Werkstatt.

Schaden im vierstelligen Bereich

Glaser und Verkaufspersonal bringen sich in Sicherheit und alarmieren die Polizei. Die kann das in Rage geratene Tier, das sich selbst schwer verletzt hat, jedoch nur noch betäuben und erlegen. Zurück bleiben ein totes Wildschwein, ein Ausstellungsraum voller Blut und unzählige Scherben. Der finanzielle Schaden für Geschäftsführer Horst Bührmann (58) ist immens: Mehrere Tausend Euro. Doch die Versicherung weigert sich zu zahlen.

Versicherung zahlt keinen Cent

Obwohl die Glaserei weitreichend versichert ist und sogar eine Police für Vandalismus-Schäden abgeschlossen hat, behauptet der Versicherer, nicht zuständig zu sein. Bei von Tieren verursachten Schäden handele es sich nicht um Vandalismus, beharrt die Schadensregulierung. Stimmt das?

Tierischer Vandalismus?

Linguisten gehen davon aus, dass der Begriff Vandalismus oder Wandalismus sich sprachlich vom ostgermanischen Stamm der Vandalen ableitet. Der Theorie zufolge provozierte der militärische Erfolg der Germanen beziehungsweise ihre systematischen sowie gründlichen Plünderungen den Vorwurf der blinden Zerstörungswut im Römischen Reich, der sich bald im Sprachgebrauch über die Grenzen Roms hinaus etablierte. Demnach wäre Vandalismus sprachlich zunächst eine höchst destruktive Handlung, die von einer bestimmten Menschengruppe hergeleitet wird, aber nicht ausschließt, dass auch Tiere Schaden anrichten können.

Vandalismus-Versicherung greift nicht

Wichtiger in diesem Zusammenhang ist jedoch die juristische Definition, die auch der Versicherer zurate zieht; als Vandalismus gilt generell die vorsätzliche Beschädigung oder Zerstörung von Sachwerten. Die Betonung liegt auf vorsätzlich. Da bei einem Wildtier kaum von einer gewollten oder geplanten Zerstörung die Rede sein dürfte, müssen tatsächlich andere Versicherungen her.

Dein Geld kann mehr

Eine Möglichkeit könnte die Betriebs- und Gebäudeversicherung sein. Wenn im Leistungsumfang keine Natur- oder Umweltschäden enthalten sind, unter die durch Wildtiere verursachte Schäden explizit fallen, sollte ein Gespräch mit dem Versicherer des Vertrauens Klarheit darüber verschaffen, wie der potentielle Schadensfall durch Zusatzklauseln abgedeckt werden kann. Es kann zudem für „Risikogruppen“ wie Schreinereien ratsam sein, sich gegen den Besuch anderer Tierarten abzusichern – herkömmliche Gebäudeversicherungen kommen nämlich in der Regel nicht für Schädlingsbefall auf.

Schäden durch Haustiere

Für durch Haustiere verursachte Schäden haften indes die Halterinnen und Halter persönlich. Für diese ist es daher äußerst ratsam, eine umgreifende Haustierhaftpflichtversicherung abzuschließen, für den Fall, dass der beste Freund des Menschen zum Elefanten im Porzellanladen wird.

Titelbild: © byrdyak / Fotolia.com

 

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