Wir lernen aus Sci-Fi Filmen folgendes: Roboter rebellieren. Ob in „I am Robot“ mit Will Smith, in dem Hilfsroboter ihr eigenes Sein erkennen und sich vom Menschen abwenden. Oder der Matrix-Reihe der Wachowski-Geschwister, in der Maschinen den Menschen in einer digitalen Scheinrealität gefangen halten und als Energiequelle benutzen. Doch derart apokalyptisch ist es in Wahrheit nicht. Sogar im Gegenteil. Denn die Robotik kann Abhilfe schaffen. Insbesondere im Umgang mit Pflegebedürftigen. Das Resultat: Pflege 4.0.

Immer mehr Pflegebedürftige

Die allgemeine Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland nimmt zu. Laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes waren in Deutschland rund 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig (Dezember 2015). Im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). Laut einer Prognose soll die Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bis 2025 auf 3,36 Millionen und bis 2030 auf 3,55 Millionen steigen. Zurzeit versorgen etwa 1,1 Millionen Beschäftigte in stationärer und ambulanter Pflege ihre Patienten. Ein knochenharter Job mit mäßigem Gehalt und wenig Anerkennung. Doch nun scheint es, als könnten die Pfleger bald Hilfe in Form der Pflege 4.0 bekommen.

Pflege 4.0: Digitale Robohelfer

Die Robotertechnik wird die Pflege kranker und alter Menschen in der Zukunft voraussichtlich massiv verändern: Pflege 4.0. Das „4.0“ steht dabei für die voranschreitende Digitalisierung. Mit der digitalen Steuerung via App auf Smartphone oder Tablet können Arbeitsabläufe in der Pflege unterstützt werden. In Zukunft sollen immer mehr Roboter handwerkliche Tätigkeiten übernehmen, aber auch Beziehungen zu Menschen aufbauen.

«Sie werden sprechen, reagieren und die Senioren auch trainieren», sagte die Trendforscherin Birgit Gebhardt.

Roboter als Stütze

Patienten verlegen, wenden, ihnen aufhelfen und sie tragen ist körperliche Schwerstarbeit. „Robear“, ein humanoider Pflegeroboter des japanischen Herstellers Riken, könnte in Zukunft solche Tätigkeiten übernehmen. In der Zusammenarbeit mit geschultem Pflegepersonal.

Roboter als Kompagnon

Einsamkeit macht krank. Abhilfe könnte „Dinsow“ schaffen. Denn der Roboter „Dinswo“ ist auf Kommunikation und Interaktion programmiert. Er nimmt erinnert alte Menschen daran, ihre Medikamente einzunehmen, überprüft ihren Gesundheitszustand und beantwortet automatisch Anrufe von Familie und Ärzten. Mit solchen Robotern, so ist sich die Trendforscherin Birgit Gebhardt sicher, stehen Betreuenden ganz neue Möglichkeiten offen. Alzheimer-Patienten könnten so ein relativ selbstständiges Leben führen. Roboter und vernetzte Endgeräten übernehmen dabei das „Gedächtnis“ des Betroffenen.

Ethisch bedenklich?

Diese Frage wirft Prof. Dr. Oliver Bendel, Philosoph und Wirtschaftsinformatiker der FHNW auf dem Ladenburger Diskurs (Herbst 2017) zum Thema „Pflegeroboter“ auf. Und auch in seinem Artikel „Soll uns Robear pflegen?“.

Denn der Einsatz von Pflegerobotern birgt sowohl Gefahren als auch Chancen. Wer übernimmt zum Beispiel die Haftung für den Roboter im Ernstfall: Hersteller oder Pflegeeinrichtung? Und wer schützt die Daten? Denn Roboter speichern persönliche Daten, auch über die Gesundheit des Patienten, und beobachten diesen rund um die Uhr. Alte Menschen könnten sich schämen. Oder die Überwachung durch einen Roboter verweigern. Und ohne Zustimmung geht auch hier nichts.

Im Moment gibt es in der Pflege 4.0 nur Prototypen. Die Erfahrung der Probanden ist durchwegs positiv. Allerdings finden die Tests hauptsächlich in Asien statt. Sicher ist, dass Robotik und Pflege weiterhin Hand in Hand gehen. Und möglicherweise erleben wir irgendwann, dass ein Roboter den hippokratischen Eid 4.0 ablegt.

Lohnendes Investment

Dieser innovative Vorstoß in der Pflege ging am Aktienmarkt ebenfalls nicht vorbei. So befinden sich Robotik-Aktien im Bereich Haushalt-und-Pflege im Aufwind. Auch die Aktien der Medizinroboter profitiert. Denn mittlerweile werden Geräte, die vor kurzem noch Prototypen waren, wie der Medizinroboter DaVinci, nicht nur getestet, sondern eingesetzt.

Und nicht nur der medizinische Bereich der Robotik rückt weiter in den Fokus. Auch der weltweite Roboter-Markt allgemein folgt einem positiven Trend. Laut den Marktforschern aus dem Hause International Data Corp (IDC) werden die 71 Milliarden US-Dollar Umsatzvolumen des Jahres 2015 auf voraussichtlich 135,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 heranwachsen. Besonders die fünf führenden Unternehmen wie die augsburger Kuka AG, die stuttgarter Dürr AG, die japanische FANUC und die amerikanischen iRobot und Intuitive Surgical dürfen sich freuen.

Bild: © weerapat1003/Fotolia

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